Mittelalterliche Königin der Städte
Regensburger Patrizier-Intrige als Hörerlebnis: Die Stadtmaus erkundet Geschichte wieder auf neuen Wegen
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| "Regensburg - Die Königin der Städte" nimmt die Hörer mit auf einen spannenden Mittelalterkrimi. Besonders hörenswert: die sonore Stimme des Marlon-Brando-Sprechers Christian Schult. Bilder: Angerer |
In diesem Hörbuch wird einer der spannendsten Epochen der Regensburger Stadtgeschichte wieder Leben eingehaucht: Anfang des 14. Jahrhunderts war die Macht der reichen Patrizierfamilien in der Handelsstadt auf einem Höhepunkt angelangt. Daraus resultierende Machtkämpfe und Intrigen erschütterten die Grundfeste Regensburgs und veränderten die Machtverhältnisse hinter den Mauern der Stadt nachhaltig.
Historien und History
Wie bei den Stadtmäusen üblich, bereiten historisch verbriefte Ereignisse in der "Königin der Städte" den reichen Boden für die erzählte Geschichte: Wahr ist, dass die Jahre 1320 bis 1323 in einen Zeitraum fallen, als Regensburg die reichste freie Reichsstadt Südbayerns war. Es ist kein Zufall, dass gerade am wirtschaftlichen Zenit der Stadtgeschichte einige reiche Patrizier-Familien zusammen mit Zunftmeistern eine handfeste Intrige gegen den Bürgermeister Ulrich Schenk von Reicheneck anzettelten. Zusammen taten sich dafür Dietrich Auer, Ortlieb Gumprecht und Konrad Löbl, dessen "Kaufmannsturm" in der Altstadt vielen Regensburgern noch heute ein Begriff ist. Diese Intrige der aufstrebenden, reichen Patrizier ist in einer umfangreichen Quellenlage dokumentiert: "Die geschichtlichen Tatsachen müssen stimmen, aber nur eine lebendige Vermittlung der Fakten kann Menschen für Geschichte begeistern", so Ruhfaß.
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| Die Macher: Thomas Ruhfaß (Stadtmaus GmbH), Klau Maria Weigert (micro music), Hubertus Hinse (Stadtmaus GmbH). |
Dementsprechend verwundert es nicht, dass die Person des Dieners, der den Hörer durch die Handlung führt, reine Erfindung ist. Durch seine geheimen Botengänge wird er immer tiefer in das intrigante Geschehen verwickelt und einmal selbst Opfer. Der Theaterpädagoge Hubertus Hinse hat in seinem Text zu diesem erzählerischen Trick gegriffen, um den etwas verworrenen Hergang der Verschwörung zu entwirren.
Patrizier gegen Bürgermeister
"Wir haben zu der Thematik zum Glück eine sehr gute Quellenlage vorgefunden", erzählt der Texter Hubertus Hinse: "Die Verschwörung der Patrizier basierte damals auf einem Geheimbund, sogar der Brief von dessen Gründung ist noch vorhanden. Ihr Ziel war es, den Bürgermeister zu entmachten". Durch diese Urkunden auf Latein und Altdeutsch verfasst, hat sich Hubertus Hinse wochen- und monatelang gewühlt und die Geschichte von der Patrizier-Intrige wie ein Puzzlespiel wieder zusammengesetzt. Seine Aufgabe bestand aber nicht nur darin, auf Grundlage der Fakten den Plot zu erzählen. Er musste den Protagonisten auch wieder Leben einhauchen und Plastizität verleihen.
Dafür sind Fantasie und Kreativität vonnöten, denn auf persönliche Charakteristika der beteiligten Personen kann man aus den Urkunden und Protokollen natürlich nicht schließen. Über die Gefühle und Gedanken der Menschen damals ist natürlich fast nichts überliefert.
Marlon Brandos Stimme
Besonders aufwendig und umfangreich haben die Macher das Booklet zum Hörbuch gestaltet. Auf 20 Seiten können sich Geschichtefans mit vielerlei Hintergrundinformationen versorgen. Neben einer Auflistung aller Orte, die in der Geschichte vorkommen, inklusive schöner Fotos, steuert Dr. Ulrike Ziegler den historischen Hintergrund zu der Verschwörung in Regensburg bei.
Zusätzlich erläutert ein Glossar einige Begriffe aus dem Mittelalter, deren Bedeutung den meisten Menschen des 21. Jahrhunderts nicht mehr geläufig sein dürften. Wer weiß heute beispielsweise noch, dass "Trippen" hölzerne Unterschuhe sind, die man im Mittelalter unter die Schuhsohlen schnallte, um die empfindlichen Lederschuhe zu schützen?
Der "Herr der Klänge", Klaus Maria Weigert, von "micro music" begleitete das Projekt von der ersten Idee bis hin zum fertigen Hörbuch. "Nichts steht so für Emotionen wie die menschliche Stimme. Also war es sehr wichtig, den passenden Sprecher für das Mittelalter-Projekt zu finden", erklärt er.
Dass es mit Christian Schult einen der bekanntesten Synchronisatoren Deutschlands gewinnen konnte, war für das Stadtmaus-Team ein echter Glücksgriff. Denn selbst wenn man den Namen noch nie gehört hat, seine Stimme erkennt jeder sofort: Er ist die deutsche Synchronstimme von Marlon Brando.
Weigert verzichtete bei der Produktion auch konsequent auf Musik- und Soundeffekt oder anderen Schnickschnack, wie er es nennt. Er verließ sich lieber ganz auf die Kraft der Stimme von Christian Schult. Selbst Texter Hubertus Hinse setzte sich hin und hörte in Hörbücher hinein, die Schult eingelesen hat, "um sich dessen Sprachrhythmus einzuprägen", wie er sagt, um ihm den Text so weit wie möglich auf den Leib zu schneidern.
Der Text nimmt kein Ende
In den meisten Fällen ist ihm das gelungen, doch nicht immer, wie man bei der CD-Präsentation im Hotel Goliath hören konnte. Zur allgemeinen Erheiterung des Publikums wurde ein Zusammenschnitt von so genannten "outtakes" zu Gehör gebracht, also verworfene Aufnahmen, in denen sich der Sprecher im Text verheddert hat. "Der Satz nimmt ja gar kein Ende mehr...", hörte man da Marlon Brando aus den Lautsprechern fluchen.
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