Glockenreine Knabenstimmen
Über den Dächern der Stadt: Im Proberaum der Regensburger Domspatzen Mäuschen spielen
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| Das Signal zu absoluter Konzentration im Chorsaal 800: Maestro Roland Büchner sitzt jetzt am Flügel, hebt beschwörend die Hände und die künstlerische Gesangsprobe kann beginnen. Bild: Angerer |
Während bei den sehr persönlichen Begrüßungsformeln und dem interessierten Nachfragen des Chorleiters noch ein lautstarkes Geschnatter der jungen Sänger die Geräuschkulisse bestimmt, tritt schlagartig konzentrierte Ruhe ein: Der Majestro sitzt jetzt am Flügel, hebt beschwörend die Hände und die künstlerische Probenarbeit kann beginnen.
Konzentrierte Leichtigkeit
Bei so viel Professionalität bereitet bereits das Einsingen Hörgenuss, mit einer solchen Leichtigkeit erklimmen die Jungs höchste Höhen.
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| Aggregatszustände der Gesangsarbeit: hochkonzentriert (links), vom Domkapellmeister gepuscht (Mitte) und fix und foxi (rechts). |
Dieses Gemisch aus Anspannung und Lässigkeit ist etwas später auch dringend erforderlich, denn heute stehen anspruchsvolle Brahmslieder auf dem Probeplan: "All meine Herzgedanken" und "Waldesnacht", zwei romantische Chorsätze, die nicht eine Sekunde Trägheit oder Unachtsamkeit verzeihen.
Dass an Passagen, die noch nicht perfekt laufen, intensiv gefeilt wird, setzt der Domkapellmeister wie nebenbei durch: Er hört jede Nuance, spricht den "Schuldigen" namentlich an, um etwa einen etwas verzögerten Einsatz auszumerzen. Bei aller Hartnäckigkeit wird Roland Büchener aber nie unfreundlich zu seinen Zöglingen, keiner der kleinen Sänger wird vor dem versammelten Chor bloß gestellt. Büchner setzt vielmehr auf Motivation und appelliert an das starke "Wir-Gefühl" unter seinen Domspatzen.
Wundersüße Waldesnacht
Das Maximum an kollektivem Tadel lautet an diesem Nachmittag: "Männer, jetzt seid doch mal wieder aufmerksamer". Und es funktioniert: Die jungen "Männer" richten sich in ihren Stühlen auf und geben beim nächsten Einsatz wieder ihr Allerbestes.
Im Chor zu singen, hat auch eine soziale Komponente, denn alle sind von der Leistung jedes einzelnen abhängig, also müssen alle an einem Strang ziehen, nur gemeinsam können sie gut sein. Bei Brahms Vertonung von Paul Heyses Gedicht "Waldesnacht, du wundersüße" gleiten die Gedanken ins Träumerische und der Blick hinaus über die Dächer Regensburgs. In unmittelbarer Nähe entdeckt man die neoromanische Kirche Sankt Cäcilia - Initiative des Gründers der Kirchenmusikschule Franz Xaver Haberl -, etwas weiter hinten steht mächtig der Dom Sankt Peter, eine Hauptwirkungsstätte der Regensburger Domspatzen.
Und begleitet von Paul Heyses Worten "Nach dem lauten Weltgewühle ... ist"s, als würd" ich wieder all der irren Qualen los", verlässt man munter und erholt die Probe der Domspatzen.
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