Oberpfalznetz.de > Lokales > Kreis Schwandorf > Ein Berggeist wird lebendig

Von (ch)  |  07.09.2009  | Netzcode: 1990313  |  1981 Mal gelesen.
Wackersdorf

Ein Berggeist wird lebendig

Wanderung rund um den Knappensee bietet Einblicke in die Bergbaugeschichte Wackersdorfs

Am Braunkohle-Lehrpfad beginnt die
Am Braunkohle-Lehrpfad beginnt die Berggeistwanderung. Relikte aus der BBI-Ära wie eine Lokomotiv-Achse oder das Schaufelrad eines Baggers (im Hintergrund) erinnern an die Zeit, die die Region prägte. Bilder: Götz (6)

Wackersdorf. (ch) Ob es gespukt hat in den Tagebaugruben rund um Wackersdorf, darüber sagen die Geschichtsbücher nichts. Einen Berggeist aber gab es: Diesen Spitznamen bekam Anton Bauer anno 1906 als Grubenaufseher von den Arbeitern. Um ihn und die Geschichte des Braunkohleabbaus geht es bei der "Berggeistwanderung", die das Tourismusbüro regelmäßig anbietet. Und: Um die Liebe.

Ein Gedenkstein mit Hammer und Schlägel, den
Ein Gedenkstein mit Hammer und Schlägel, den Werkzeugen der Bergleute, erinnert an die BBI-Zeit.
Der Museums- und Kulturverein hat die Führung mit konzipiert, die unterhalb des relativ neu angelegten Kalvarienbergs beginnt. "Berg" ist sicher etwas übertrieben, auf dem Hügel thront jedenfalls ein großes Kreuz, das gleichsam Kriegerdenkmal wie Erinnerung an den Bergbau ist. Hinter der Schranke warten Ausstellungsstücke aus der Zeit der Bayerischen Braunkohleindustrie AG, der BBI. Eisenbahnwaggons, ein Turbinenrad, Loren, die Achse einer Lokomotive, und, natürlich, das Rad eines Schaufelradbaggers, das sich einst in die Erde fraß. Das "braune Gold", das es förderte, prägte fast ein Jahrhundert lang die Region.

1906 nämlich wurde die BBI gegründet, nachdem schon rund 100 Jahre früher der Schneidermeister Andreas Schuster beim Brunnengraben die Braunkohle entdeckt und seinen Fund pflichtschuldigst gemeldet hatte. Zunächst im Untertagebau wurde die Kohle ausgebeutet. Mit wenig wirtschaftlichem Erfolg, so dass Mitte des 19. Jahrhunderts der Abbau eingestellt wurde.

"Berggeist" Toni erwischt endlich Arbeiter
"Berggeist" Toni erwischt endlich Arbeiter "Gustl". Der entpuppt sich als Elisabeth, und hat ein Auge auf den Grubenaufseher geworfen.


Erst Anfang des 20. Jahrhunderts erinnerte man sich wieder an die Vorkommen, ging nun im Tagebau an die Arbeit. Die Tagebaue hatten eine Fläche von 2400 Hektar, die nach und nach ausgebeutet, wieder verfüllt und schließlich rekultiviert wurden.
Eine Mooreiche am Lehrpfad lässt erahnen, wie vor
Eine Mooreiche am Lehrpfad lässt erahnen, wie vor Millionen Jahren die Braunkohle entstand.

So bewegt sich die Berggeistwanderung auf historischem, aber dennoch jungem Boden, entlang des Lehrpfades, an dem auch Schilder auf Besonderheiten hinweisen. Zum Beispiel auf einige, kleine Landzungen, die während des Abbaus stehen blieben. Sie sind noch heute am älteren Baumbestand zu erkennen. Doch Zurück zu Anton Bauer, dem Grubenaufseher. Er hatte wohl seine liebe Müh' und Not damit, die Arbeiter "auf Schicht" zur Arbeit anzuhalten. Weil er wie aus dem Nichts immer wieder an den verschiedenen Arbeitsstellen auftauchte, und unermüdlich "herumgeisterte", hatte er seinen Spitznamen "Berggeist" bald weg. Um ihn herum und eine (zumindest angebliche) Konkurrenz zwischen dem Kohlestandort Wackersdorf und dem Kraftwerkstandort Dachelhofen inszenieren Schauspieler der "Stadtmaus" eine Geschichte, die an mehreren Stationen auch Einblicke in Leben und Liebe der Grubenarbeiter gibt. Natürlich mit Happy End.

In Bergmannskluft unterwegs: Johann Dozler, einer
In Bergmannskluft unterwegs: Johann Dozler, einer der "Berggeist"-Führer.
Die Führungen werden von Museumsleiter Karl Jobst oder Johann Dozler vom Museums- und Kulturverein geleitet. Dozler hätte die BBI um ein Haar nach Indien gebracht: Die nicht rentable Braunkohle-Brikettfabrik wurde einst auf den Subkontinent verkauft. Wackersdorfer Arbeiter sollten beim Wiederaufbau helfen. Für die Reise brauchte der junge Johann Dozler die Erlaubnis der Eltern. Die unterschrieben aber nicht.

Ein Stück des Weges führt die Berggeist-Wanderer
Ein Stück des Weges führt die Berggeist-Wanderer auch über den Damm, der Steinberger- und Knappensee voneinander trennt.

Rund um den Knappensee führt die rund zweistündige Wanderstrecke. Vorbei am Gedenkstein, der an die BBI erinnert. Am Ende gibt's auf Wunsch eine Brotzeit beim Braunkohlemuseum. Direkt neben der ehemaligen BBI-Verwaltung. In diesem Gebäude hat auch der Zweckverband Oberpfälzer Seenland sein Büro: Er wirbt für die großen Seen, die dort zur Entspannung einladen, wo einst in harter Arbeit die Braunkohle gefördert wurde.

Alle Artikel "Urlaub daheim" im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/urlaubdaheim

Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen

Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.

Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.


zum Thema

Hintergrund

Eine ganze Region geprägt

Die Bayerische Braunkohlen Industrie AG hat der heutigen Industriegemeinde ihren Stempel aufgedrückt. Der Bergbau begann bereits Anfang des 18. mehr...

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben:

Ihre E-Mail-Adresse:
Ihr Kennwort:

Noch nicht Mitglied im Oberpfalznetz?

Dann registrieren Sie sich hier!
zum Thema

Hintergrund

Eine ganze Region geprägt

Die Bayerische Braunkohlen Industrie AG hat der heutigen Industriegemeinde ihren Stempel aufgedrückt. Der Bergbau begann bereits Anfang des 18. mehr...
Heute

Vorabmeldung aus der Zeitung von morgen. Neunburg vorm Wald

Einstimmig für "Rekord-Haushalt"

Etat geht mit 19:0 über den Tisch - Gesamtvolumen von über 17 Millionen Euro - "Bringt voran"

Bahn frei für einen der größten Haushalte der vergangenen Jahre: Über 17 Millionen Euro Gesamtvolumen umfasst der Etat, den der Stadtrat am Donnerstag einstimmig verabschiedete. Von "rundum zufrieden" bis "das bringt uns voran" reichten die Einschätzungen der Fraktionen über das Zahlenwerk. mehr...
Zum Artikel: Fränkisch-deftiger Grantler

Vorabmeldung aus der Zeitung von morgen. Schwandorf

Fränkisch-deftiger Grantler

Matthias Egersdörfer mit "Ich mein"s doch nur gut" im voll besetzten Künstlerhaus

Lange Koteletten, das schüttere Haupthaar plattgedrückt, rotes Hemd und eine kropfige Trötenstimme: Das sind die Markenzeichen des Kabarettisten Matthias Egersdörfer, der am Donnerstag mit seinem Programm "Ich mein"s doch nur gut" im Oberpfälzer Künstlerhaus gastierte. mehr...

Vorabmeldung aus der Zeitung von morgen. Nabburg

Gerüstet für das Mittelalter

Am 14./15. Juli in der Altstadt: "Z'Nappurch Marckt & Gaudium"

"Bei uns kribbelt es", drückt Bürgermeister Armin Schärtl die wachsende Vorfreude auf den nächsten Mittelalterlichen Markt aus. Sieben Wochen sind es noch hin bis zum Samstag und Sonntag, 14. und 15. Juli. "Der Markt steht zu 95 Prozent", weiß Organisationschef Karl Beer, dass das Gros der Vorarbeit inzwischen erledigt ist. mehr...

Vorabmeldung aus der Zeitung von morgen. Wackersdorf

Gerresheimer setzt auf die Region

Neues "Sales-and-Engineering-Center" für 3,5 Millionen Euro in Wackersdorf

3,5 Millionen Euro hat das Unternehmen "Gerresheimer Regensburg GmbH" in den Bau eines " Sales-and-Engineering-Centers" am Standort Wackersdorf investiert und ist nun in der Lage, dort Vertrieb, Technik und Verwaltung zusammenzulegen. Die weltweit agierende Firma beschäftigt in Wackersdorf 270 Mitarbeiter. mehr...

Schwandorf

Ärzte-Verband unter neuer Leitung

Auf Dr. Eduard Gilliar folgt Dr. Constantin Held - Neuwahl mit Fortbildung verknüpft

Der Ärztliche Kreisverband ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und besteht aktuell aus 459 Mitgliedern. 40 Jahre lang leitete Dr. Eduard Gilliar die Geschicke der Dachorganisation, zunächst als Fortbildungsreferent und in den vergangenen zwei Jahrzehnten als Vorsitzender. Im März ist der ehemalige Chefarzt am Nabburger Krankenhaus 87-jährig verstorben. mehr...
Gestern
Zum Artikel: Spintler Druck
Zum Artikel: Noch mehr Strom aus dem Stausee

Neunburg vorm Wald

Noch mehr Strom aus dem Stausee

Vorsperre erhält Turbine: Energie für 200 Häuser

Fast fünf Kubikmeter Wasser stürzen pro Sekunde die östliche Staumauer hinab. Am Eixendorfer See (Landkreis Schwandorf) wird diese Energie bald in Strom umgewandelt: An der Vorsperre im Bereich des Dorfes Hillstett ist der Einbau einer Turbine geplant, die bis zu 130 Kilowatt Leistung bringen soll. mehr...
Zum Artikel: Das Museum als Theaterbühne

Nabburg

Das Museum als Theaterbühne

Vier Festspielvereine stellen sich und ihre Stücke in Neusath vor

Das Freilandmuseum in Neusath wurde am Sonntag zur großen Theaterbühne. Zu sehen waren Ausschnitte von verschiedenen Stücken aus dem gesamten Landkreis. Laiendarsteller aus Neunburg vorm Wald, Oberviechtach, Bruck und Bodenwöhr nutzten das Freilicht-Ambiente und freuten sich über die interessierten Zuschauer. mehr...
Zum Artikel: Energiewende am Eixendorfer See

Neunburg vorm Wald

Energiewende am Eixendorfer See

Vorsperre Hillstett wird zum Kraftwerk: Turbinen-Einbau geplant - Bis zu 130 Kilowatt Leistung

Am Eixendorfer See werden die Weichen für eine verstärkte Nutzung der Wasserkraft gestellt. An der Vorsperre im Bereich Hillstett ist der Einbau einer Turbine geplant, die Strom für 200 Haushalte erzeugen soll. Regierungspräsidentin Brigitta Brunner wertete das Vorhaben als "Vorzeigeprojekt für die Oberpfalz". mehr...
Zum Artikel: Ergänzung, keine Konkurrenz

Wackersdorf

Ergänzung, keine Konkurrenz

Wirtschaftsschule wirbt für ihr Kooperationsmodell - "Übungsfirma" in Betrieb

Erst sieben Schüler haben sich bislang für die künftige achte Klasse der Wirtschaftsschule am Standort Wackersdorf angemeldet. Zu wenig, um einen regulären Unterrichtsbetrieb aufnehmen zu können. Deshalb rühren Landkreis und Gemeinde wieder die Werbetrommel. mehr...
Zum Artikel: Exzellenter Solist an der Klarinette

Oberviechtach

Exzellenter Solist an der Klarinette

Hans Kistler und das Orchester der Universität Regensburg begeistern mit Kammermusik

Einen besonderen Hörgenuss boten vierzehn Ausnahmemusiker, ein exzellenter Solist Hans Kistler und ein musikbegeisterter Dirigent Graham Buckland den "Freunden der Kunst" in der evangelischen Auferstehungskirche. Das Orchester der Universität Regensburg erfreute mit Kammermusik vom Feinsten. mehr...