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Von (fio)  |  01.09.2009  | Netzcode: 1981270  |  2320 Mal gelesen.
Stulln

Das grüne Gold der Oberpfalz

Reichhart-Schacht zeigt Bergbautradition

Stulln. (fio) Gleich beim ersten Blick auf das Stullner Wappen fallen einem die Besonderheiten und Schwerpunkte der Gemeinde auf. Auf der rechten Seite prangt auf blauen Hintergrund eine Weizenähre, sie steht für die Landwirtschaft in der Region. Auf der linken Seite aber erkennt man die überkreuzten Werkzeuge Hammer und Eisen, das Symbol des Bergbaus.

Ein stetes Tropfen dröhnt durch die weitläufigen
Ein stetes Tropfen dröhnt durch die weitläufigen Gänge. Es rührt daher, dass der Gang unter dem Grundwasserspiegel verläuft. Würde das Wasser nicht abgepumpt werden, wäre das ganze Bergwerk überflutet.
Die Gemeinde steht zu ihrer Vergangenheit, die engverbunden ist mit dem Flussspatabbau. Das grüne Mineral, auch Fluorit genannt, lagerte sich im Zuge der Alpenformung in Erdbebenspalten ab. Wie es aber entstanden ist, darüber streiten die Gelehrten bis heute. Der älteste Flussspat hat eine dunkle Färbung und wird heller je jünger er ist, bis er ganz durchsichtig ist. Am weitverbreitesten ist er in einer grünlichen Färbung, was wage an Smaragde erinnert.

Der Stullner Flussspat gehört zum Wölsendorfer Revier, das nordwestlich von Stulln beginnt und sich über die Naab nach Südosten bis in den Naturpark Oberpfälzer Wald hineinragt. Nachdem in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts der erste Flussspat in dem Revier gefunden wurde, stieg die Oberpfalz schnell zum größten Lieferanten des Minerals in Deutschland auf. Das Gestein wurde früher für die Eisen- und Glasschmelze als Flussmittel verwendet, daher der Name. Fügte man bei der Schmelze das Mineral hinzu senkte sich der Schmelzpunkt um rund 300 Grad. Als im Zweiten Weltkrieg die Luftfahrt florierte, benutzten die Flugzeugbauer den Flussspat zur Aluminiumherstellung. Ab 1955 jedoch wurde die Nachfrage nach dem Fluorit geringer und 1987 wurde die "Hermine" als letzte Grube des Wölsendorfer Reviers geschlossen.

Dieser Stein enthält einen Fluorit-Gehalt von 80
Dieser Stein enthält einen Fluorit-Gehalt von 80 Prozent. Für die industrielle Verarbeitung brauchen die Arbeiter aber einen Anteil von 95 Prozent.



Letzte Erinnerung



Heutzutage erinnert nur noch das Besucherbergwerk des Reichhartschachtes bei Freiung an jene Zeiten. Der Betrieb begann 1895 als Wilhelm Reichhart beim Ausgraben eines Brunnens auf das grüne Mineral stieß. Mit seinen Söhnen und den Knechten des Bauernhofes förderte er per Hand den Flussspat an die Oberfläche. Bis 1921 wurde in dem Schacht Bergbau betrieben. Dann legte Georg Reichhart den Betrieb still, bis 1933 Anton Kallmünzer aus Schwarzenfeld das Grundstück pachtete.

Er ließ neben dem Reichhartschacht einen neuen Stollen graben, den er nach seiner Frau benannte: Cäcilia. Dieser Schacht blieb bis 1975 in Betrieb.

Das Maskottchen des Reichhart-Schachtes, Georg,
Das Maskottchen des Reichhart-Schachtes, Georg, begrüßt aus seiner Nische über dem Stolleneingang die Gäste. Bilder: Götz (4)
In den 80er Jahren beschloss Josef Reichhart mit seinem Sohn und jetzigen Besitzer Konrad den Schacht, der nun wieder in seinem Besitz war, zu einem Besucherbergwerk auszubauen. Die Arbeiten gingen auch gut voran, bis 1987 das Grundwasser, das früher durch den nahegelegenen Schacht "Hermine" abgepumpt worden war, den Reichhart-Schacht überflutete. Mit Hilfe der Gemeinde Stulln konnte der Besitzer eine Wasserpumpe einbauen, die bis heute fast täglich 5000 Kubikmeter Wasser abpumpt. 1996 konnte das Bergwerk dann endlich eröffnet werden.

Kundige Bergwerkführer



Damit die Besucher auch einen guten Einblick in den Alltag der Bergleute, auch Hauer genannt, erhalten, führt sie der ehemalige Kumpel Linus Kestel durch die Gänge. Er hat bis zur Stilllegung in der Cäcilia-Grube gearbeitet und weiß sehr viele Geschichten zu erzählen. Er selbst kann die schwierige Situation von Bergleuten bezeugen. Denn viele seiner Kumpel sind an den Folgen der berüchtigten Staublunge verstorben. Kestel selbst erfreut sich noch im hohen Alter von 79 Jahren bester Gesundheit und wird nicht müde, Interessierte durch die gut ausgeleuchteten Gänge zu führen.

Linus Kestel erklärt im Museum als Einleitung
Linus Kestel erklärt im Museum als Einleitung anschaulich die Geschichte des Flussspatabbaus im Reichhart-Schacht. Hinter ihm kann man die traditionelle Festuniform der Bergleute erkennen. Die Farbe des Kragenaufschlages zeigt dessen Zugehörigkeit zu einem Erzabbau. Rot steht für Eisen, Schwarz für Steinkohle und grün wie in diesem Fall steht für das Fluorit. Das Museum ist gleichzeitig auch der Eingang zu dem Reichhart-Schacht.


Stolz präsentiert er die vielen Werkzeuge der Hauer wie die Eisenzäge oder die Bohrer. "Alles wurde mit Pressluft betrieben. Macht einen Heidenlärm, was?", fragt er grinsend, während sich die Besucher bei der Vorführung der Geräte die Ohren zu halten müssen.

Noch heute treffen sich die rund 70 ehemaligen Kumpel an Weihnachten, um in dem Stollen vor einem Altar Weihnachten zu feiern. Dieser ist der Heiligen Barbara gewidmet, der Beschützerin der Bergleute und "die einzige Frau, die früher in den Stollen dürfte". Denn die Bergleute waren zum einem sehr abergläubisch, zum anderem war die Arbeit unter Tage zu gefährlich für Frauen. Zum Glück ist der Zugang zum Reichhart-Schacht als Besucherbergwerk auch den Frauen gestattet.

Alle Artikel "Urlaub daheim" im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/urlaubdaheim

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