Oberpfalznetz.de > Lokales > Kreis Schwandorf > Die kleinen Odien der großen Stadt

Von (zm)  |  25.08.2009  | Netzcode: 1972184  |  1810 Mal gelesen.
Schwandorf

Die kleinen Odien der großen Stadt

"Panoramaweg" des Oberpfälzer Waldvereins erschließt rund um Schwandorf reizvolle Momente

Schwandorf. (zm) Große Kreisstadt. Dieses Attribut hat die Gebietsreform Schwandorf beschert und böse Zungen behaupten seither, dass beides nicht stimme. Groß nicht, und Stadt nicht. Der Kreis aber, den gibt es und er ist stolze 90 Kilometer lang. Er heißt "Panoramaweg" und eröffnet selbst weniger lästermäuligen Einheimischen Blicke, vielleicht gar Sichtweisen auf ihre Stadt, die sie wohl kaum vor ihrer Haustüre vermutet hätten.

Dieser Blick von der Höhe von Siegenthan Richtung
Dieser Blick von der Höhe von Siegenthan Richtung Osten überspannt die gesamte unterschiedliche Topografie von und rund um Schwandorf. Der "Panoramaweg" verläuft in groben Zügen wie ein kreisender Blick um den zentralperspektivischen Fluchtpunkt dieser Aufnahme herum.
Zu verdanken haben sie das dem Schwandorfer Zweigverein des Oberpfälzer Waldvereins (OWV). Erst 2003 als südlichste Sektion gegründet, hat diese Gemeinschaft eine respektable Dynamik entwickelt. Heute gibt es 336 Mitglieder und schon 2004 wurde das erste Teilstück des heutigen "Panoramawegs" seiner Bestimmung übergeben. Das war im Bereich Altenschwand, Hohenirlach. Zur Schwandorfer Gemarkung zählt das genau genommen zwar nicht mehr, unterstreicht jedoch die eigentliche Zielsetzung dieses inzwischen geschlossenen Rundwanderwegs.

Die Topografie



"Mit dem ,Panoramaweg' wollen wir die ganz speziellen topografischen Gegebenheiten von und rund um Schwandorf erfahrbar machen", sagt Erwin Mayer, der Vorsitzende des Zweigvereins. Er meint damit die Einbettung der Stadt in die Naabauen, begrenzt im Westen durch die Abbruchkante zum Oberpfälzer Jura und den sanften, später leicht ansteigenden Übergang Richtung Westen mit viel Wald und Teichwirtschaft im Osten.

Abwechslung inklusive


Alte Hohlwege, wie dieser bei Spielberg, mussten
Alte Hohlwege, wie dieser bei Spielberg, mussten wieder freigelegt werden, um den insgesamt rund 90 Kilometer langen "Panoramaweg" rund um Schwandorf begehbar zu machen. Bilder: Götz (5)

Jede dieser Zonen weist ihre spezifischen Besonderheiten hinsichtlich Fauna und Flora auf. Sie soll der "Panoramaweg" des OWV quasi thematisieren. Wer sich mit Erwin Mayer oder dem Wanderwart des Zweigvereins, Karlheinz Bink, auf den Weg macht, dürfte aus zweierlei Gründen sehr schnell merken, dass es hier nicht um stadtnahe Wander-Highways im Sinne einer kommerzialisierten Freizeit- und Naherholung geht. Für beide steckt bildlich gesprochen in jedem Meter ein Stück Heimat- und Kulturgeschichte, Naturkunde oder ganz einfach nur viel Arbeit.

Keine Schreibtischtat


Die Markierung ist nicht nur sorgfältig und
Die Markierung ist nicht nur sorgfältig und korrekt nach den Standards des deutschen Wanderverbandes ausgeführt, sie trägt auch handwerklich-liebevolle Züge.

Einige der Jahrhunderte alten Hohlwege hinauf auf den Jura im Westen mussten beispielsweise erst wieder freigeräumt und ausgeschnitten werden. Die ordentliche und saubere Markierung gemäß der Standards des Deutschen Wanderverbandes geht auch nicht von heute auf morgen und mit den Grundstückeignern sollte zuvor erst einmal geredet werden, ob es ihnen überhaupt Recht ist, einen offiziellen Wanderweg über ihren Grund zu führen.

Viel zu erzählen



Ist diese Arbeit getan, kann Mayer von der Pflicht quasi zur Kür übergehen. Die "Hausmütterchen-Märchen", die es in jedem Dorf gibt, haben es ihm genauso angetan wie die akribische Dokumentation, die wissenschaftlichen Ansprüchen jederzeit standhält. Wer etwa auf weich-sandigem Boden in einem schattigen Hohlweg den Spielberg hinauf geht, kommt an nie vermuteten Felswänden vorbei. Dem einen oder anderen werden eingemeißelte Jahreszahlen ins Auge stechen. 1924 steht da, 1940, es können auch noch andere Zeichen gemutmaßt werden.
Das Naturschutzgebiet Charlottenhofer Weiher gilt
Das Naturschutzgebiet Charlottenhofer Weiher gilt gleichzeitig als sehr alte, durch Teich- und Fischwirtschaft gekennzeichnete Kulturlandschaft.

Das beflügelt die Fantasie. Im Dorf erzählen sie sich, dass das etwas mit den Franzosen zu tun hätte. Dem Napoleon seinen, oder denen, die Kriegsgefangene waren. Vielleicht waren es aber auch Polen. "Hausmütterchen-Märchen" eben, frei nach Mayer, der diese steil ansteigenden Hohlwege als sehr alte Verkehrsrouten charakterisiert. "Früher verliefen die überregionalen Handelswege fast ausschließlich auf Höhenrücken, weil es im Tal sumpfig war. Das sind quasi die Zubringer", erläutert der OWV-Vorsitzende die Ursprünge dieser Wege.

Geführte Wanderungen


Der Rundweg ist in einem Zug kaum zu schaffen,
Der Rundweg ist in einem Zug kaum zu schaffen, Sinn täte es ebenso wenig machen. Einzelne Etappen sind daher sehr ausführlich beschrieben.

Wer weiß eigentlich, dass Bayerns letzter Scharfrichter, Johann Reichhart (1893-1972), einer in Siegenthan einst ansässigen Abdeckerfamilie entstammt? Auch solche Anekdoten und Anekdötchen hat Mayer jederzeit parat. Es macht einfach Spaß, mit ihm ein paar Meter auf dem "Panoramaweg" entlang zu gehen. Der OWV bietet in seinem Programm öfters geführte Themen Wanderungen, bei denen es beispielsweise um Orchideen, den Frauenschuh oder die Teichwirtschaft im Charlottenhofer Weihergebiet geht.

Alle Artikel "Urlaub daheim" im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/urlaubdaheim

Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen

Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.

Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.


Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben:

Ihre E-Mail-Adresse:
Ihr Kennwort:

Noch nicht Mitglied im Oberpfalznetz?

Dann registrieren Sie sich hier!
Heute

Einer der meistgelesenen Artikel von heute! Vorabmeldung aus der Zeitung von morgen. Neunburg vorm Wald

Einstimmig für "Rekord-Haushalt"

Etat geht mit 19:0 über den Tisch - Gesamtvolumen von über 17 Millionen Euro - "Bringt voran"

Bahn frei für einen der größten Haushalte der vergangenen Jahre: Über 17 Millionen Euro Gesamtvolumen umfasst der Etat, den der Stadtrat am Donnerstag einstimmig verabschiedete. Von "rundum zufrieden" bis "das bringt uns voran" reichten die Einschätzungen der Fraktionen über das Zahlenwerk. mehr...
Zum Artikel: Fränkisch-deftiger Grantler

Vorabmeldung aus der Zeitung von morgen. Schwandorf

Fränkisch-deftiger Grantler

Matthias Egersdörfer mit "Ich mein"s doch nur gut" im voll besetzten Künstlerhaus

Lange Koteletten, das schüttere Haupthaar plattgedrückt, rotes Hemd und eine kropfige Trötenstimme: Das sind die Markenzeichen des Kabarettisten Matthias Egersdörfer, der am Donnerstag mit seinem Programm "Ich mein"s doch nur gut" im Oberpfälzer Künstlerhaus gastierte. mehr...

Vorabmeldung aus der Zeitung von morgen. Nabburg

Gerüstet für das Mittelalter

Am 14./15. Juli in der Altstadt: "Z'Nappurch Marckt & Gaudium"

"Bei uns kribbelt es", drückt Bürgermeister Armin Schärtl die wachsende Vorfreude auf den nächsten Mittelalterlichen Markt aus. Sieben Wochen sind es noch hin bis zum Samstag und Sonntag, 14. und 15. Juli. "Der Markt steht zu 95 Prozent", weiß Organisationschef Karl Beer, dass das Gros der Vorarbeit inzwischen erledigt ist. mehr...

Einer der meistgelesenen Artikel von heute! Vorabmeldung aus der Zeitung von morgen. Wackersdorf

Gerresheimer setzt auf die Region

Neues "Sales-and-Engineering-Center" für 3,5 Millionen Euro in Wackersdorf

3,5 Millionen Euro hat das Unternehmen "Gerresheimer Regensburg GmbH" in den Bau eines " Sales-and-Engineering-Centers" am Standort Wackersdorf investiert und ist nun in der Lage, dort Vertrieb, Technik und Verwaltung zusammenzulegen. Die weltweit agierende Firma beschäftigt in Wackersdorf 270 Mitarbeiter. mehr...

Schwandorf

Ärzte-Verband unter neuer Leitung

Auf Dr. Eduard Gilliar folgt Dr. Constantin Held - Neuwahl mit Fortbildung verknüpft

Der Ärztliche Kreisverband ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und besteht aktuell aus 459 Mitgliedern. 40 Jahre lang leitete Dr. Eduard Gilliar die Geschicke der Dachorganisation, zunächst als Fortbildungsreferent und in den vergangenen zwei Jahrzehnten als Vorsitzender. Im März ist der ehemalige Chefarzt am Nabburger Krankenhaus 87-jährig verstorben. mehr...
Gestern
Zum Artikel: Spintler Druck
Zum Artikel: Noch mehr Strom aus dem Stausee

Neunburg vorm Wald

Noch mehr Strom aus dem Stausee

Vorsperre erhält Turbine: Energie für 200 Häuser

Fast fünf Kubikmeter Wasser stürzen pro Sekunde die östliche Staumauer hinab. Am Eixendorfer See (Landkreis Schwandorf) wird diese Energie bald in Strom umgewandelt: An der Vorsperre im Bereich des Dorfes Hillstett ist der Einbau einer Turbine geplant, die bis zu 130 Kilowatt Leistung bringen soll. mehr...
Zum Artikel: Das Museum als Theaterbühne

Nabburg

Das Museum als Theaterbühne

Vier Festspielvereine stellen sich und ihre Stücke in Neusath vor

Das Freilandmuseum in Neusath wurde am Sonntag zur großen Theaterbühne. Zu sehen waren Ausschnitte von verschiedenen Stücken aus dem gesamten Landkreis. Laiendarsteller aus Neunburg vorm Wald, Oberviechtach, Bruck und Bodenwöhr nutzten das Freilicht-Ambiente und freuten sich über die interessierten Zuschauer. mehr...
Zum Artikel: Energiewende am Eixendorfer See

Neunburg vorm Wald

Energiewende am Eixendorfer See

Vorsperre Hillstett wird zum Kraftwerk: Turbinen-Einbau geplant - Bis zu 130 Kilowatt Leistung

Am Eixendorfer See werden die Weichen für eine verstärkte Nutzung der Wasserkraft gestellt. An der Vorsperre im Bereich Hillstett ist der Einbau einer Turbine geplant, die Strom für 200 Haushalte erzeugen soll. Regierungspräsidentin Brigitta Brunner wertete das Vorhaben als "Vorzeigeprojekt für die Oberpfalz". mehr...
Zum Artikel: Ergänzung, keine Konkurrenz

Wackersdorf

Ergänzung, keine Konkurrenz

Wirtschaftsschule wirbt für ihr Kooperationsmodell - "Übungsfirma" in Betrieb

Erst sieben Schüler haben sich bislang für die künftige achte Klasse der Wirtschaftsschule am Standort Wackersdorf angemeldet. Zu wenig, um einen regulären Unterrichtsbetrieb aufnehmen zu können. Deshalb rühren Landkreis und Gemeinde wieder die Werbetrommel. mehr...
Zum Artikel: Exzellenter Solist an der Klarinette

Oberviechtach

Exzellenter Solist an der Klarinette

Hans Kistler und das Orchester der Universität Regensburg begeistern mit Kammermusik

Einen besonderen Hörgenuss boten vierzehn Ausnahmemusiker, ein exzellenter Solist Hans Kistler und ein musikbegeisterter Dirigent Graham Buckland den "Freunden der Kunst" in der evangelischen Auferstehungskirche. Das Orchester der Universität Regensburg erfreute mit Kammermusik vom Feinsten. mehr...