Amberg
178 Meter Amberger Geschichte pur
Schüler des Gregor-Mendel-Gymnasiums bauen einen historischen Pfad - 300 Platten
Amberg. Oberstudienrat Peter Storch war vor zwei Jahren in Neuseeland. Bei einem Spaziergang am See ging er an einem historischen Pfad entlang. Er überlegte. „Das wär' was für Amberg“, dachte er. Seine Idee wurde dann auch umgesetzt. Im Stadtgraben nimmt dieser Geschichtsweg jetzt Gestalt an. Er befindet sich noch in Arbeit. Am 24. Juli ist Einweihung.
Storch, der bereits in Altersteilzeit ist, ist nach seinem Aufenthalt in Neuseeland auf den Leiter seiner ehemaligen Schule, des Gregor-Mendel-Gymnasiums, Edward König, zugegangen. Der Oberstudienrat hat dem Rektor die Idee vorgetragen. Der war gleich angetan von dem Vorschlag, einen Geschichtsweg mit Hilfe des Gymnasiums in Amberg zu bauen. König hatte vertrauen in Storch und sagte: „Machen Sie mal.“ Als nächstes ging Storch zu Kulturreferent Norbert Fischer. Der stimmte gleich begeistert mit ein: „Des machma, des is eine hervorragende Idee.“Zum Jubiläum stellte sich die Frage, was man alles umsetzen kann. „Etliche Ideen sind auf uns zugekommen“, berichtet Fischer. Und auch Storch ist gekommen, sein alter Schulkamerad. "Der Geschichtsweg ist natürlich was Nachhaltiges, etwas das bleibt", freut sich der Kulturreferent. Und es sei natürlich ein tolles Schulprojekt.
So entwickelte sich langsam alles. Von der Idee bis jetzt sind eineinhalb Jahre vergangen. Passend zum 975-jährigen Jubiläum der Stadt, bekommt Amberg seinen eigenen Geschichtsweg. Viele werden ihn schon gesehen haben. Er ist im Stadtgraben zwischen dem Basteisteg und dem Nabburger Tor zu bewundern.
Insgesamt besteht der historische Pfad aus 300 Platten. Nur 141 davon sind jedoch mit geschichtlichen Daten versehen. Dies hat seinen Grund. Bettina Wagner, Geschichtslehrerin am GMG, erklärt: „Leerplatten sind dazu da, um zeitliche Abstände deutlich zu machen. Zwischen den Daten liegt natürlich Zeit, über die man nicht viel weiß“, sagt die Studienrätin. Die leeren Platten sollen darauf aufmerksam machen, dass auch in dieser Zeit Geschichte passierte.
Große Resonanz
26 Schüler des Gregor-Mendel-Gymnasiums arbeiteten seit September 2008 an diesem Projekt. Wagner durfte sich über eine große Resonanz freuen: „Die Schüler haben es sehr gut angenommen.“ Hauptsächlich Schüler der elften Klassen haben an dem Unternehmen gearbeitet. Lediglich zwei Gymnasiasten aus niedrigeren Klassen waren dabei. Sie alle haben sich zusammengeschlossen. Dabei ging nicht nur Unterrichtszeit drauf, sondern auch viel freie Zeit der engagierten Schüler.
Natürlich müssen die Jugendlichen tatkräftig mit anpacken, wenn es um den Einbau der Platten geht. Von den Stadtgärtnern wurde ein Graben ausgehoben. Die Schüler müssen Kies aufschütten und glatt streichen. Sie müssen die Platten einlegen und befestigen und dann natürlich vom Schmutz befreien, damit am 24. Juli zur Einweihung alles fertig und sauber ist. Unterstützt werden die jungen Arbeiter von den Mannen des städtischen Bauhofs.
„Für alle Interessengruppen ist da was dabei“, erklärt Wagner. Ob nun geschichtliches Interesse, kreatives Arbeiten oder technische Begabung der Antrieb war, um beim Projekt mitzuarbeiten: Jeder konnte sich mit einbringen. Die Geschichtsdaten mussten gesammelt und aufgearbeitet werden. Symbole für die Platten mussten erstellt und von den Schülern gezeichnet werden. Die Internetpräsenz durfte natürlich auch nicht fehlen.
Zwei Tage im Archiv
Benedikt Bockisch (17) aus Amberg findet den Geschichtspfad „generell eine gute Idee“. Er klingt stolz, wenn er sagt: „Man kann seinen Kindern irgendwann erzählen: Da hab ich mitgearbeitet.“ Sein Zwillingsbruder Sebastian findet es echt toll, dass so viele an diesem Projekt teilgenommen haben. Es sei ja nicht selbstverständlich, dass sich Schüler für Geschichte interessieren. Mal ging für das Unternehmen ein ganzer Schultag drauf, mal kam es nur zu einer kurzen Konferenz in der Pause. Zwei Tage verbrachten die Projekt-Teilnehmer alleine schon in den Archiven, um Daten zu sammeln.
Der Platz für die Zeittafeln ist bewusst gewählt worden. „Hier, beziehungsweise bei der Stadtbrille, beginnen die meisten Stadtführungen“, stellt Storch fest. Die Touristen können sich also gleich einen Überblick verschaffen. 178 Meter lang erfährt der Interessierte Amberger Geschichte pur. Der historische Weg beginnt im Jahr 1034, mit der ersten Nennung Ambergs in einer Urkunde. 1999 endet der Pfad mit dem regelmäßigen Einsatz von Amberger Soldaten in Afghanistan und Kosovo. Zwei Stelen machen das Projekt komplett. Die Informationstafeln erläutern Symbole, die auf dem historischen Pfad immer wieder vorkommen und geben Informationen zum Geschichtsweg selbst.
Beim Design und der Grafik arbeiteten die Schüler des GMG mit Luftkünstler Wilhelm Koch zusammen, der den Auftrag von der Stadt bekommen hat. Er sagt: „Es muss ein bestimmtes Erscheinungsbild geben, wie die Stadt nach außen auftritt.“ Der immer wiederkehrende Rahmen um Flyer, Prospekte, im Jubiläumsprogrammheft und auch bei den Stelen sei so eine „Linie für die Stadt“. Ebenso die Verwendung der Schrift, die aus einer einheitlichen Schriftfamilie stammt.
Noch nicht Schluss
178 Meter heißt aber noch lange nicht, dass der Weg zu Ende sein muss. Er ist so konstruiert, dass weitergebaut werden kann. Kulturreferent Norbert Fischer betont: „2009 ist nicht Schluss. Der Geschichtsweg geht weiter.“


























































































