Regensburg
Wo wollen wir hin?
Bürger erben mit
Die Lobbyarbeit sieht Ripp nur als eine von mehreren Aufgaben an. Eine Daueraufgabe ist für ihn, Bewusstsein zu schaffen bei den Regensburgern fürs mehr...Regensburg
Balanceakt: Bewegen und Bewahren
Regensburgs Welterbekoordinator Matthias Ripp will auch die Bürger am Prozess beteiligen
Regensburg. Sie flanieren staunend, schwatzend und fotografierend über die Steinerne Brücke, durch die engen Gässchen und um den Dom herum. Manchmal fluchen die sich mühsam zwischen ihnen hindurch quetschenden Regensburger leise vor sich hin: Touristen haben oft wenig Gespür für den Pulsschlag einer Stadt und die hektische Geschäftigkeit ihrer Bewohner.
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| Danni Karavans Kunstwerk erinnert an den Grundriss der Synagoge - Regensburg ist ein ständiger Erinnerungs- und Balanceakt. Bild: Archiv |
"Welterbe heißt nicht nur Bewahrung der steinernen Substanz. Es ist ein ganzheitlicher Begriff", sagt Matthias Ripp. Der 36-Jährige ist "Welterbekoordinator" und damit zuständig für die Quadratur eines Kreises: Wie ist der Erhalt eines fast 2000 Jahre alten kulturellen Erbes mit der Multifunktionalität und Entwicklung einer modernen Stadt zu vereinen, die ständig wächst?
Idee aus Bamberg
Seit dem 13. Juli 2006 ist Regensburgs Altstadt mit dem Ortsteil Stadtamhof nördlich der Donau in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen. Seit dem 1. Oktober 2007 ist der gebürtige Forchheimer Ripp im Planungs-und Baureferat der Stadt Regensburg zuständig für die Koordination aller Tätigkeiten, die mit dem Welterbe zusammen hängen. "Die Idee, eine solche zentrale Stelle einzurichten, hatte man zuerst in Bamberg", erzählt er. Bamberg, an dessen Universität Matthias Ripp sein Diplom in Geografie erhielt, stellte ihn 2005 als erste deutsche Welterbestadt in solcher Funktion ein.
Zwei Jahre später ging Ripp nach Regensburg. Außer hier und in Bamberg gibt es seines Wissens nur in Goslar noch eine zentrale Stelle für die Betreuung des Welterbes. In Deutschland führen sechs Städte und insgesamt 33 Stätten den Welterbe-Titel. Sie alle haben ein ähnliches Problem wie das oben genannte, mit dem Matthias Ripp zu kämpfen hat: das Erbe erhalten und die Entwicklung dabei nicht bremsen, bauliche Großprojekte mit der UNESCO abstimmen, Netzwerke aufbauen und Mittel akquirieren.
In diesem Monat soll sich entscheiden, welche deutschen Welterbestädte und -stätten von den 150 Millionen Euro profitieren, die heuer ausgeschüttet werden, und wie viel sie davon bekommen. "Lobbyarbeit für eine historische Stadt", nennt der Welterbekoordinator das. Immerhin sei auch in Zeiten konjunktureller Schieflage noch Geld für die Welterbestädte da.
Historische Lobbyarbeit
Die positiven Auswirkungen des Welterbetitels sind nicht zu übersehen. Im Fremdenverkehr, besonders bei den Touristen aus dem Ausland, gibt es einen ständigen Trend nach oben. Mit dem Titel und dem wachsenden Besucherstrom ist auch die Aufmerksamkeit der Medien für die alte Domstadt gestiegen. "Der Welterbetitel ist auch ein guter Schlüssel, wenn's um Fördermittel für den Städtebau geht", weiß Ripp.
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