Amberg
Viel feiner Stoff in zwei Containern
Anprobe fürs Welttheater: Geht nicht, gibt's nicht
Amberg. Das Foto im Freien fällt ins Wasser. Die ersten Anproben für das "Amberger Welttheater" werden von strömendem Regen begleitet. Glücklicherweise ist dieser Termin im Gegensatz zur späteren Theateraufführung keine Freiluftveranstaltung: Zwei Container im Hof des Franziskanerklosters auf dem Berg dienen als Garderobe, Schneideratelier und Fundus für die rund 100 Kostüme, die fürs Amberger Jubiläums-Stadtspiel benötigt werden.
Stickerei ist Handarbeit
Das darf man ruhig wörtlich nehmen angesichts der vielen Stecknadeln, mit denen die Schneiderin dem Kleid seine endgültige Form gibt. Nur für die Hauptakteure werden die Kostüme komplett neu angefertigt - nach Entwürfen von Antje Adamson. Für die anderen Darsteller bedient sich das Team aus einer Sammlung gebrauchter Kostüme: Leihgaben aus verschiedenen Theatern, die meisten aus dem Pfalztheater Kaiserslautern, wo Adamson Kostümbildnerin ist.
"Der Ärmel passt", stellt Eva Praxmarer zufrieden fest, nur die Spitze fehlt noch. Und die Perlen, mit denen die edle Robe bestickt wird. "Natürlich in Handarbeit", verrät die Schneiderin, welche Hausaufgabe da auf sie zukommt. Zwei Tage wird sie dafür brauchen. "Das macht wirklich Spaß", kommentiert sie. "Langweilig ist es, wenn man für eine Oper 30 graue Herrenanzüge machen muss."
Die freizügige Elisabeth
Dürfen die Schauspieler bei den Kostümen mitreden? Die Rolle bestimmt das Outfit: "Wenn jemand die Wollust spielt, kann er nicht bis oben zugeschnürt sein", antwortet die Gewandmeisterin. Doch "die Darsteller müssen sich auch wohlfühlen auf der Bühne" - insofern versuche man schon, ihnen innerhalb der Vorgaben von Regie und Ausstattung entgegenzukommen, wenn sie mit ihrem Kostüm Schwierigkeiten haben. Schließlich sollen sie sich auf ihre Rollen konzentrieren und nicht an ihren Gewändern herumnesteln.
Solche Änderungen sind kein Problem. "Zwei Anproben, dann passt es", sagt Eva Praxmarer. Bei den Leih-Kostümen genüge sogar ein Termin. Antje Adamson schaut kurz herein, wirft einen prüfenden Blick auf das Kleid der Winterkönigin. "Ein schönes Stöffchen", stellt sie zufrieden fest. "... aber ein Sauzeug zum Nähen", entgegnet Eva Praxmarer, während sie den Ausschnitt der Robe vergrößert. "Elizabeth war freizügig", erklärt Adamson den vertieften Einblick, "deshalb war sie von den Böhmen auch nicht geliebt".
Adamson kennt sich aus in der Zeit, in der das "Welttheater" spielt, sie musste sich für die Ausstattung deshalb nicht allzu tief einarbeiten. "Die Zeit" ist für sie "das Reizvolle" an dieser Produktion: "Das ist eine Zeit, die ich schon ewig nicht mehr gemacht hab'." Und, so fügt sie hinzu, "ich freu' mich auf das Spiel mit den Todsünden". Schwierig sei es für sie, wenn sie, wie beim Amberger Stück, viele Akteure nicht kennt und vorab nicht alle Konfektionsgrößen bekommen hat: Dann muss sie auf gut Glück Leihkostüme besorgen - die dann entsprechend umzuändern sind. "Ein Kleid ist schneller genäht als geändert", relativiert Praxmarer, während Adamson zurück in den Herrencontainer eilt: "Pro Nase machen wir eine bis zwei Änderungen - da kommt also schon eine Menge Zeugs zusammen."
Außerdem fehlen noch etliche Kopfbedeckungen und Accessoires wie beispielsweise Schürzen. "Wir gucken mal, wie weit wir kommen", sagt Praxmarer mit Blick auf die Leih-Ausstattungen. Was dann noch fehlt, "das machen wir".
Der Neid muss warten
"Der Neid ist da", wird die nächste Anprobe angekündigt. Doch der Neid muss warten. Praxmarer ist noch mit einer Kaufmannsfrau beschäftigt. Ihr Kragen passt nicht, "den schneiden wir ab". Praxmarer kramt in einem Stapel von Accessoires, entdeckt einen passenden weißen Ersatz-Kragen. Die Ärmel der Statistin bekommen noch eine Spitze und eine Goldborte, dann stimmt das Kostüm. Eines von vielen. "40 Hofleute und 100 Leute fürs Volk" seien "grob angepeilt": "Wahrscheinlich weniger, aber wir brauchen auch was zum Wechseln", verrät Praxmarer, die sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Warum auch? Sie lacht und greift in eine Tüte Gummibärchen: "Den Satz 'das geht überhaupt nicht', den gibt's bei uns nicht."
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