Oberpfalznetz.de > Nachrichten > Wahlkampf mit allen Mitteln

Von Jürgen Umlauft  |  02.04.2009  | Netzcode: 1778659  |  3732 Mal gelesen.
Weiden/München

Wahlkampf mit allen Mitteln

CSU droht Skandal: Papier aus Rupprecht-Büro aus dem Jahr 2002 sorgt für großen Wirbel

Weiden/München. Die Oberpfälzer CSU steht vor einem handfesten Skandal. Nach Einschätzung mehrerer Mandatsträger hat sich der amtierende Weidener Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht (40) im Jahr 2005 die parteiinterne Kandidatur für das Direktmandat auf der Basis eines „Kommunikationskonzepts“ erstritten, das der heutige CSU-Bezirksschatzmeister und Europakandidat Benjamin Zeitler unterzeichnet hat.

Der Weidener CSU-Bundestagsabgeordnete Albert
Der Weidener CSU-Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht (40) muss sich warm anziehen. Vier Jahre, nachdem er Georg Girisch das Direktmandat streitig gemacht hat, kursiert ein 30-seitiges Dossier mit zum Teil sehr persönlichen Einschätzungen über mögliche Gegner und Unterstützer. Rupprecht sagt, das sei eine „nicht brauchbare“ Praktikantenarbeit gewesen. Einige Oberpfälzer CSU-Größen sehen das anders und fordern Aufklärung. Bild: Popp
In dem 30-seitigen Papier, das unserer Zeitung vorliegt, wird eine Stärken-Schwächen-Analyse führender CSU-Politiker aus der Nord-Oberpfalz vorgenommen. Die Persönlichkeiten werden dann in Prioritäten-Kategorien untergeteilt, je nachdem wie sie den Karriereplänen Rupprechts nutzen könnten. Zudem werden Empfehlungen für die Öffentlichkeitsarbeit gegeben, unter anderem der Rat zu fingierten Presseerklärungen. Rupprecht nannte das Papier auf Anfrage eine „bedeutungslose Ideensammlung von Praktikanten“.

„Nicht akzeptabel“



Das „Kommunikationskonzept“ aus dem Jahr 2002, mit dem von langer Hand die Ablösung des damaligen Wahlkreisabgeordneten Georg Girisch vorbereitet werden sollte, ist Auslöser für die Bestrebungen innerhalb der Oberpfälzer CSU, Rupprecht beim Bezirksparteitag im Frühsommer als stellvertretenden Bezirkschef abzulösen. Als Kandidat stünde der Neumarkter Landtagsabgeordnete Albert Füracker bereit (wir berichteten). Ein führendes Mitglied der Oberpfälzer CSU sprach bezüglich des Rupprecht-Papiers von einem „gravierenden, nicht akzeptablen Vorgang“. Das Strategiekonzept aus dem Büro Rupprechts übersteige das hinnehmbare Maß eines parteiinternen Wahlkampfes.

Rupprecht erklärte, ihm sei es seinerzeit darum gegangen, auf Themen zu stoßen, die er in seiner politischen Arbeit noch verstärkt bearbeiten müsse. Eine Einschätzung von Personen, die seine Karriere befördern könnten, habe er nicht verlangt. Schließlich kenne er die CSU-Kollegen vor Ort besser als es ein Praktikant je könnte. „Insofern war das Papier für mich unbrauchbar und nutzlos“, so Rupprecht. Er habe inzwischen allen darin genannten Personen ein Gespräch angeboten, um die Angelegenheit zu klären.

Im Einzelnen rät das Konzept Rupprecht und seinem engsten Unterstützerkreis in der örtlichen Jungen Union, gezielt „gewogene Freunde und Unterstützer“ in die entscheidenden Gremien des Wahlkreises zu wählen, damit diese dann in den Delegiertenversammlungen zur Aufstellung des Direktkandidaten für die Bundestagwahl zahlreich vertreten sind. Zudem seien alle Delegierten in einer Datenbank zu erfassen, „die alle wichtigen Informationen zum Privatleben, zum Beruf, zu den Vereinstätigkeiten, den kommunalpolitischen Mandaten und den Mandaten in der CSU enthält“.

Politiker-Prioritärenskala



Gemäß ihrer Bedeutung für das Fortkommen Rupprechts wurden die Entscheidungsträger in eine sechsstufige Prioritätenskala eingeteilt. Die „Schlüsselpersonen“ in Priorität 1 sollten von Rupprecht und seinen Leuten besonders umgarnt werden. Wörtlich heißt es dazu: „Ziel muss es sein, hier einen persönlichen Kontakt oder gar eine Freundschaft entstehen zu lassen.“ In den Dossiers selbst steht nicht nur Schmeichelhaftes über die Umworbenen. Über den damaligen Waldsassener Bürgermeister Herbert Hahn hieß es, er sei engagiert, komme aber „nicht über das Lamentieren und Klagen hinaus“. Über den früheren Parlamentarier Georg Stahl urteilt das Dossier, dessen Stimme „hat nicht das Gewicht, das man von einem Landtagsabgeordneten erwarten könnte“. Dennoch müsse man auch diese Personen durch Anrufe oder die Bekundung der Unterstützung bei Sachthemen umwerben.

Besondere Fürsorge sollte dem wichtigen Strippenzieher und späteren Weidener OB-Kandidaten Lothar Höher gelten. Hier seien regelmäßige Besuche in seinen verschiedenen Funktionen angeraten. „Vielleicht erreicht man ihn auch über den Sport (z.B. EV Weiden oder SpVgg Weiden).“ Zum Geburtstag „wird persönlich mindestens per Telefon und natürlich Karte beglückwünscht (besser durch einen Besuch)“. Bei anderen, wie der Weidener Stadträtin Dagmar Brühler, müsse man dagegen „nicht zu viele Energien verschwenden“. Ihr Gewicht sei „nicht herausragend“.

Fingierte Presseberichte



Auch für die Medienarbeit enthält das Konzept vielsagende Hinweise. Neben gängigen Ratschlägen für eine erfolgreiche PR wirbt das Konzept für frisierte Pressemitteilungen. Als Vorschlag wird ein Bericht über ein Treffen Rupprechts, der inzwischen das parlamentarische Kontrollgremium des Banken-Rettungsfonds Soffin leitet, mit dem damaligen Wirtschaftsexperten der CDU, Friedrich Merz, zu den Kommunalfinanzen genannt. „Dieses Gespräch muss in dieser Form nicht unbedingt stattgefunden haben, aber das können die Presseleute nicht beurteilen“, heißt es dazu trocken. Bebildert werden könnte der fingierte Bericht mit „bereits vorhandenen Fotos“.


zum Thema

Weiden

Hoffnungsträger in der Defensive

Dossier-Affäre: Bundestagsabgeordneter sucht Gespräch mit Betroffenen

Albert Rupprecht überlegt lange, spricht mit gedämpfter Stimme. Das peinliche Dossier, das in CSU-Kreisen seit Februar die Runde macht und jetzt öffentlich wurde, setzt dem 40-jährigen Bundestagsabgeordneten aus Weiden zu. „Ich entschuldige mich bei allen, die darin genannt sind“, sagt er am Freitagmittag bei einem Gespräch mit der Redaktion. mehr...

Weiden

Girisch verteilte "Akte Rupprecht"

"Das war ja meine Pflicht" - Lothar Höher für ein klärendes Gespräch auf Bundeswahlkreisebene - Hier zum Download: Das Dossier Rupprecht

Neues in der Dossier-Affäre um den Weidener CSU-Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht: Sein ehemaliger parteiinterner Kontrahent, Ex-Bundestagsabgeordneter Georg Girisch aus Weiden, hat mehr...

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben:

Ihre E-Mail-Adresse:
Ihr Kennwort:

Noch nicht Mitglied im Oberpfalznetz?

Dann registrieren Sie sich hier!
Zum Artikel: Microsite Commerzbank

Bayern im Blick

Roche eröffnet neues Forschungsgebäude in Penzberg

Penzberg (dpa/lby) - Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat im oberbayerischen Penzberg ein neues Forschungs- und Produktionsgebäude in Betrieb genommen. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, hat die Einrichtung etwa 140 Millionen Euro

Zum Artikel: Mit viel Elan gestartet

Weiden

Mit viel Elan gestartet

Medienhaus "Der neue Tag" begrüßt vier Auszubildende

Einen erfolgreichen Start ins Berufsleben wünschten Geschäftsführung und Verlagsleitung des Medienhauses "Der neue Tag", personell vertreten durch Andreas Holch und Reinhold Pöll, den mehr...
Zum Artikel: "Das Nervenkostüm liegt darnieder"

Weiden

"Das Nervenkostüm liegt darnieder"

SpVgg Weiden nach 0:1 gegen Stuttgarter Kickers Letzter - Viel Kampf, wenig Konstruktives

Dieses Ding will keiner haben, aber jetzt hängt die Rote Laterne der Regionalliga Süd erst einmal in Weiden. "Tiefer geht jetzt nimmer", sagte Trainer Günter Güttler nach der 0:1-Heimniederlage mehr...
Neues vom Sport

New York

Deutscher Tag in New York

Fünf Deutsche ziehen bei US Open in die zweite Runde ein

Die deutschen Profis werden bei den tropischen Tennis-Tagen von New York allmählich warm. Am Dienstag entledigte sich bei den US Open gleich ein Quintett mit Bravour seiner Auftakt-Aufgaben. mehr...
Artikel 1 von 2 zurück weiter
Zum Artikel: "Die Shisha ist meine Existenz"
Aus den Lokalteilen

Weiden

"Die Shisha ist meine Existenz"

Rauchverbot: Weidener reicht Klage ein - Vorläufig kein Bußgeld für Wasserpfeifen

Gaststätten, in denen die Gäste auch jetzt noch unbekümmert rauchen können? Eigentlich undenkbar, seitdem Anfang August das neue Nichtraucherschutzgesetz in Kraft getreten ist. Tatsächlich gibt es in Weiden jedoch weiterhin zwei Ausnahmen, bei denen die Stadt die Bußgeldverfahren - vorläufig - angehalten hat, wie Rechtsdezernent Hermann Hubmann erläutert: die beiden Shisha-Cafés. mehr...
Artikel 1 von 12 zurück weiter
Kultur

Walderbach

Berührende Musik an einem perfekten Abend

Auftakt zur "Klassik am Regen": Konzert mit "Echo"-Bratscher Nils Mönkemeyer und Pianistin Elena Nesterenko

In einem gut gefüllten Saal ein anspruchsvolles Programm zu spielen und zu hören - das wünschen sich Künstler und Zuhörer gleichermaßen. Und genau dieser Wunsch ging am Dienstagabend im Barocksaal mehr...
Zum Artikel: Respekt vor der Krone des Bergmischwaldes

Respekt vor der Krone des Bergmischwaldes

Eine Tour auf dem Baumwipfelpfad im Nationalpark Bayerischer Wald

Nach hundert Schritten auf den massiven Holzbohlen und dem ersten Blick über die Brüstung in die Tiefe schleicht sich unweigerlich die Frage in den Sinn: Haben die den Steg auch wirklich sicher mehr...
Zum Artikel: Mit den Affen "per Du"

Mit den Affen "per Du"

Die Forscherin Jane Goodall ist eine faszinierende Frau

Schimpansen kennen wir meist nur aus dem Zoo. Die Tierforscherin Jane Goodall aber hat jahrelang mitten unter ihnen gelebt, im Urwald in Afrika. Ganz nah dran! Sie wollte wissen, wie die Affen leben und wie sie sich verhalten. mehr...
Kultur

Regensburg

"Kunst ist Krieg und Künstler sind Soldaten"

Kunstverein GRAZ beschäftigt sich mit der Moderne und der Zukunft der Kunst

Masaccio hielt sich für einen modernen Künstler, aber das hier wäre wohl selbst ihm zu viel gewesen: Die "Vertreibung aus dem Paradies", von dem Renaissancekünstler einst in revolutionärer mehr...
Zum Artikel: Ewig lockt das Weib - aber wie am besten?

Ewig lockt das Weib - aber wie am besten?

Locker bleiben und geschickt die Signalwirkungen der Biologie nutzen

Brust raus und lächeln: Laut Experten braucht es für Frauen nicht viel mehr, um Männer auf sich aufmerksam zu machen. Denn hinter der Reaktion auf die weiblichen Reize steckt schlicht die Biologie. mehr...
Zum Artikel: 160 Jahre Klinikum Amberg
Zum Artikel: Lesben-Paar findet schwulen Mann

Amberg

Lesben-Paar findet schwulen Mann

Er zeugt für die Frauen und will für Kind auch Vater sein - "Klapperstorch" kommt ohne Anzeige aus

Der Klapperstorch ist noch nicht gelandet, aber er befindet sich in der Einflugschneise. Das lesbische Pärchen, das zu Jahresbeginn per Kleinanzeige in der AZ einen "Entwicklungshelfer" für seinen mehr...
Zum Artikel: Sunshine-Wochen 2010 300




Neue Gemeinschaftspraxis
Zum Artikel: Aus zwei mach eins

--Anzeige--

Aus zwei mach eins

Jana Hradcova und Manfred Thiem legen Physiotherapie-Praxen am Langen Steg zusammen

Von der Zusammenlegung können die Patienten nur gewinnen. mehr...
Zum Artikel: Erntedank Kastl
Zum Artikel: Oberpfälzer Service Champions
Zum Artikel: Optik Messner
Zum Artikel: Banner Bundesliga Tippspiel August 2010
Neue Bildergalerien
Zum Artikel: Wo ist die Brücke?

Wo ist die Brücke?

Radlerbrücke bei Tirschenreuth abgebaut

Bilder: Norbert Grüner mehr...
Galerie 1 von 48 zurück weiter
Zum Artikel: Döpfer Schulen August 10
Zum Artikel: Schulabgang 2010
Beilagen
Zum Artikel: Hundeschule Salostowitz

Aktuelle Börsenkurse

DAX (I) 6.091,90 +0,27%
TecDAX (I) 763,40 +0,88%
EUR/USD 1,2814 +0,08%
Zum Artikel: Gesund durch
Zum Artikel: Leser Fotowettbewerb
Zum Artikel: 200 neue Shops
Ein Service von
Rossmann Angebote und vieles mehr von kaufDA.de
Wetter in...
  • Wetterlage: 3
    Amberg
    19°C  |  4°C  |  mehr
Sonderthemen
Zum Artikel: Amio Partnerbörse 2010
dw2000.de Internet-Agentur Landkreis Cham (Oberpfalz/Ostbayern)