Von (sta) |
14.02.2009
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Amberg
Winterloch mit Frohsinn bekämpft
Die Amberger Narrhalla wird 75 Jahre alt - Viele Höhen, aber auch Krisenzeiten erlebt
Amberg. (sta) Schuld an allem war das Winterloch, in das die Stadt Amberg 1934 nach der prunkvoll begangenen 900-Jahr-Feier zu fallen drohte. Da schlug die Geburtsstunde der Amberger Faschingsgesellschaft Narrhalla. Seither marschieren beide jubiläumsmäßig im Gleichschritt. Amberg feiert heuer die Stadtgründung vor 975 Jahren - und die Narrhalla legt mit dem 75. Geburtstag stolz nach.
Wolfgang Fahrnholz, von 1995 bis 2004 an der Spitze der Narrhalla, hat sich die Mühe gemacht, den großen Stapel der alle Jahre herausgegebenen Faschingskalender zu sichten. Herausgekommen ist eine amüsante Chronik, die den Amberger Narrhallesen auf kurzweilige Art den Spiegel der Jahre vorhält.
Josef I. von Vilsregulanien
Zur "Belebung der kalten Monate", in denen das gesellschaftliche und öffentliche Leben einen langsameren Takt fuhr, trat 1934 der damalige Oberbürgermeister Josef Filbig an die Spitze der von ihm selbst gegründeten Faschingsgesellschaft.
Schnell hatten sich Elferrat und Garde gebildet und schon ein Jahr später schwang Josef Winter als gekrönter "Josef I. von Vilsregulanien" das Zepter. Unter der Patenschaft der gleichnamigen Münchner Faschingsgesellschaft war die Narrhalla geboren. Der heute legendäre Emil Alafberg tat als Kommandeur einer männlichen Garde und später als Hofmarschall die ersten Schritte auf dem glatten Faschingsparkett.
Schon 1935 gab es einen Faschingszug und im Jahr darauf ließ sich der Oberbürgermeister im Kinderwagen durch die Straßen der Stadt schieben als Beweis für das gut gedeihende Amberger Faschingsbaby. Erstmals gab es 1937 auch eine weibliche Garde und entgegen dem gestrengen Protokoll erhob Karl Hertlein als "Karl I. von Bürokratien" beim Stadtball eine reizende Untertanin zur Prinzessin Ursula. Doch damit war es zunächst schon vorbei mit der Frauenherrlichkeit an der Seite des Prinzen. Denn, so schreibt Chronist Fahrnholz: "Schorsch I. von Kadefonien (Georg Eber) erschien 1938 wieder unbeweibt. Dafür aber bekam die Garde eine weibliche Kommandeuse."
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Amberg
Winterloch mit Frohsinn bekämpft
Die Amberger Narrhalla wird 75 Jahre alt - Viele Höhen, aber auch Krisenzeiten erlebt
Die Obrigkeit entmachtet
Bis zum Zweiten Weltkrieg, "als politische Stürme die Zeiten veränderten und alle närrischen Gedanken für rund ein Jahrzehnt verwehen sollten" (Fahrnholz), erlebte der Amberger Fasching stolze Zeiten. So eroberten 1939 rund 3000 Mann als Gefolge von "Fürst von St. Sebastian und Fuchsstein" (Oberst Gollwitzer) das Rathaus und entmachteten die Obrigkeit. Tags darauf erlebte der Umzug durch die Stadt Rekordausmaße.
Erst 1949 wagte man wieder, "den ersten Atemzug im narrhallesischen Geiste" zu tun. Dr. Willy Milbradt wurde der kommissarische Wiedergeburtshelfer. 1953 erhielt der Verein im Bund Deutscher Karneval die ehrenvolle Mitgliedsnummer 15. Drei Jahre später zog sich Josef Filbig auf den Ehrenpräsidenten-Stuhl zurück und ihm folgte August Krakau nach.
1960 ein erneuter Führungswechsel, als Bürgermeister Karl Theodor Graf von Spreti die Narrhalla-Spitze übernahm. Als 1963 Josef Filbig starb, machten sich Erschöpfungserscheinungen bemerkbar und die Gesellschaft gönnte sich eine Pause. So stellte ab 1964 der traditionsreiche Club Humor die Prinzenpaare in Amberg. Der Aufbruch zu neuen Ufern folgte 1968, als die aus dem Club Humor hervorgegangene Gesellschaft Rot-Gelb die Ausgestaltung des Amberger Faschings übernahm.
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Amberg
Winterloch mit Frohsinn bekämpft
Die Amberger Narrhalla wird 75 Jahre alt - Viele Höhen, aber auch Krisenzeiten erlebt
Ludwig Molter wurde Präsident und führte ein strenges Regiment. Unter ihm gelang 1969 eine Fusion mit der alten Narrhalla. Als Molter 1976 mitten in der Saison plötzlich verstarb, war es ein Glücksgriff, dass man mit Reinhard Zinkl einen Nachfolger finden konnte. Er verhalf der Gesellschaft aus einer tiefen Führungskrise heraus zusammen mit seinem Team zu neuem Aufschwung.
Generationswechsel
19 Jahre lang leitete Reinhard Zinkl die Geschicke der Narrhalla, ehe er sich 1995 freiwillig aus der ersten Reihe zurückzog. Wolfgang Fahrnholz folgte ihm nach und konnte 2004 ein wohl bestelltes Haus an den heute 42 Jahre alten Jürgen Mühl übergeben. Damit war der ersehnte Generationswechsel gelungen.
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