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Von Frank Werner  |  03.02.2009  | Netzcode: 1698108  |  980 Mal gelesen.

Gefährlicher Rückwärtsgang: der Papst auf dem Irrweg

Kommentar von Frank Werner

Es war ein schöner Spätsommer, als Papst Benedikt XVI. im September 2006 Regensburg besuchte. Hunderttausende Gläubige jubelten dem Kirchenoberhaupt zu wie einem Popstar. Vor allem junge Katholiken waren begeistert und voller Hoffnung auf eine moderne Kirche. "Wir sind Papst" - ein Slogan als Lebensgefühl.

Der Stolz auf den deutschen Papst ist Entsetzen und Ernüchterung gewichen. Die Kritik an Joseph Ratzinger von führenden deutschen Katholiken und jetzt sogar von der in kirchlichen Fragen sonst extrem zurückhaltenden Bundeskanzlerin ist ebenso einhellig wie massiv.

Aus dem Vatikan selbst ist von mangelndem Krisenmanagement zu hören, von schlechter Informationspolitik. Das wäre bedauerlich genug. Doch es steht zu befürchten, dass es um ganz andere Dinge geht. Natürlich ist der Papst kein Antisemit, war sein Besuch im Mai 2006 in Auschwitz keine Show-Veranstaltung. Aber der 80-Jährige vermittelt den Eindruck, dass er den Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils aus dem Jahr 1965 vertreiben will. In der Ökumene gibt es keine Fortschritte mehr, die Toleranz gegenüber anderen Religionen kühlt zunehmend ab. Nicht nur die umstrittene Regensburger Islam-Rede aus dem Jahr 2006 steht so unter einem ganz anderen Licht. Abgrenzung statt Toleranz - ein fataler Irrweg.

Dass die Pius-Bruderschaft um den unseligen Holocaust-Leugner Richard Williamson das Konzil ungeschehen machen will, war bekannt. Es steht also zu befürchten, dass die Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe glattes Kalkül war und zukunftsweisend für den Weg des Papstes. Der ungewohnt laute Aufschrei vieler deutscher Bischöfe ist deutliches Zeichen dafür, dass es um viel mehr geht als um einen fehlgeleiteten britischen Amtsbruder.

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