Regensburg/Rom
Hausverbot für "Gotteslästerer"
Bischof Müller wirft Amtsbruder Williamson Unmenschlichkeit vor - Auch Papst distanziert sich
Regensburg/Rom. (pk) Heftiger hätte Regensburgs Diözesanbischof Gerhard Ludwig Müller nicht reagieren können: In der Alten Kapelle erteilte er bei einer Gedenkfeier für die Opfer des Holocaust seinem britischen Amtsbruder Richard Williamson Hausverbot in allen Kirchen und Einrichtungen des Bistums.
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| Ein Holocaust-Leugner im Abseits: Richard Williamson. Bild: dpa |
Symbolischer Charakter
Das Hausverbot für Richard Williamson ist präventiv und hat im Grunde symbolischen Charakter. Denn das Priesterseminar der Bruderschaft St. Pius X. in der Gemeinde Zaitzkofen, wo der Brite einem schwedischen Fernsehteam ein Interview gab und dabei den Holocaust bestritt, untersteht nicht dem Einflussbereich des Bischöflichen Ordinariats. Dabei liegt der Ort selbst nahe an Regensburg. Neben Papst Benedikt XVI., der die Leugnung des Holocaust verurteilt und seine "vollständige und nicht diskutierbare Solidarität" mit den Juden betont hat, haben sich inzwischen auch hochrangige Vertreter der Priesterbruderschaft St. Pius X. von ihrem Mitbruder distanziert. Der Generalobere Bernard Fellay erklärte auf der Internetseite der Bruderschaft, Williamsons Äußerungen hätten deren religiöser Mission schweren Schaden zufügt. "Wir bitten den Heiligen Vater und alle Menschen guten Willens um Entschuldigung für den dadurch hervorgerufenen Ärger", schreibt Fellay.
"Ins Gesicht geschlagen"
Der Generalobere hat Williamson bis auf weiteres jedwede öffentliche Stellungnahme zu politischen oder historischen Fragen untersagt. Der Leiter des Priesterseminars in Zaitzkofen, Pater Stefan Frey, kündigte Gespräche mit Williamson an. Von ihrem Ergebnis werde abhängen, ob der 67-jährige Brite auch in Zaitzkofen ein Hausverbot erhalte.
Vor wenigen Tagen hatte Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation von Williamson und drei anderen Bischöfen der Piusbruderschaft rückgängig gemacht. Ursprünglich, so Bischof Gerhard Ludwig Müller, sei es dabei darum gegangen, eine Randgruppe wieder näher an die Kirche heranzuführen. Drei der vier Bischöfe hätten sich dankbar gezeigt und sich sofort von dem vierten Bischof distanziert. Der vierte aber habe mit seinen Äußerungen dem Heiligen Vater "ins Gesicht geschlagen".
Hinsichtlich der Äußerungen Williamsons wird es nicht nur bei der Entrüstung bei Juden und Katholiken bleiben. Die Staatsanwaltschaft Regensburg wird laut ihrem Leitenden Oberstaatsanwalt Günther Ruckdäschel wegen Volksverhetzung ermitteln. "Das können wir aber erst, wenn wir das Interview im Wortlaut auf Deutsch haben", sagte Ruckdäschel unserer Zeitung. Williamson hatte es auf Englisch einem schwedischen Kamerateam gegeben. Ein Dolmetscher ist zurzeit mit der Übersetzung beschäftigt. Die Staatsanwaltschaft rechnet noch mit "zwei, drei Tagen", bis die Ermittlungen aufgenommen werden. Inzwischen hat Williamson einen deutschen Rechtsanwalt mit seiner Vertretung beauftragt.
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