Von Thomas Dobler |
05.01.2009
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Weiden
Der tollkühne Kunstflieger Hans Bauer
30-jähriger Spediteur sorgt 1936 am Himmel über Weiden für großes Aufsehen - Nach Krieg Mitbegründer des Aero-Clubs
Weiden. In einer Zeit, als es den Flugplatz Latsch noch lange nicht gab, musste das kleine Häuflein begeisterter Weidener Sportflieger nach Nürnberg ausweichen, wenn es mit Motor- und Segelflugzeugen fliegen wollte. Wenn dann tatsächlich einmal ein Flieger über Weiden auftauchte, sorgte das für eine Sensation, wie ein Artikel aus jener Zeit dokumentiert. Er handelt von einer übermütigen, ja fast tollkühnen Episode, die so in der damaligen örtlichen Tageszeitung wiedergegeben wurde.
Die frühen Weidener Flieger waren Allround-Talente, die sich auch mit Motoren auskennen mussten. Auch die traurigen Überreste so mancher Bruchlandung wurden in Eigenregie wieder behoben. Wer fliegen konnte, auf den hatte auch die Luftwaffe der Wehrmacht ein begehrliches Auge geworfen. Hans Bauer (links) wurde zum Beispiel zu den Nachtjägern abkommandiert. Er überlebte den Weltkrieg unverletzt.
Unter der Überschrift "Kunstflüge über Weiden" wird dort Aufsehen erregendes berichtet, das sich am Nachmittag des 12. Juni 1936 zugetragen hat, am Himmel über Weiden in der Oberpfalz.
Doppeldecker über Weiden
An jenem Freitag erschien gegen 15 Uhr "ein Doppeldecker über Weiden und vollführte in großer Höhe Flugakrobatik. In schneidigen Schleifen" - so informierte der begeisterte Journalist - "überflog der Flieger die Stadt, stieg hoch zu vornehmen Loopings und trudelte in famosem Sturze ab. Er vollführte seine Saltos nach allen Seiten hin. Diese Vorführungen in der Luft dauerten eine gute halbe Stunde."
Man kann sich unschwer vorstellen, welches Aufsehen diese luftigen Zirkusnummern erregt haben müssen. Vor allem, da der Doppeldecker nicht sehr hoch flog, wie der Artikel weiter berichtete, der nun auch den Namen des wagemutigen Piloten verriet: Es war "Herr Spediteur Hans Bauer, in der hiesigen Fliegersportgruppe als Segelflugbauer wohl bekannt."
Hans Bauer, der vor 40 Jahren verstorben ist, war nur zwei Tage vor diesem Spektakel 30 Jahre alt geworden. Man darf annehmen, dass es ihn diebisch gefreut hat, mit diesen Kunststücken zum Stadtgespräch zu werden. Noch dazu, nachdem die Zeitung schon am Tag nach der nicht ungefährlichen, halbstündigen Vorführung das Geheimnis um diesen Turnierritter der Luft enthüllte. Der Name des jungen Unternehmers war eine Zeitlang in aller Munde. Es wird das schönste Geburtstagsgeschenk gewesen sein, das er sich auf diese Weise selbst gemacht hat.
Von Thomas Dobler |
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Der tollkühne Kunstflieger Hans Bauer
30-jähriger Spediteur sorgt 1936 am Himmel über Weiden für großes Aufsehen - Nach Krieg Mitbegründer des Aero-Clubs
Als der frisch gebackene 30-Jährige über Weiden erschien, war er schon 40 Minuten in der Luft gewesen. Er kam mit einem Doppeldecker des Fabrikats "Bücker-Jungmann Bü 131" von Nürnberg via Vilseck her geflogen, und er kehrte schließlich auf den Nürnberger Sportfluglatz auch wieder zurück. Das Schulflugzeug mit seinem 80 PS starken Motor gehörte ihm nicht persönlich. Es wurde im Rahmen eines Sportfliegerkurses in Nürnberg und Herzogenaurach gestellt, der acht lange Monate gedauert und den er eben erfolgreich absolviert hatte.
Fünf-Minuten-Premiere
1935, also mit 29 Jahren, entschied Hans Bauer, sich der aufwändigen Schulung zu unterziehen. Am 11. November ging es los. Der angehende Pilot musste ein Flugbuch führen, in dem akribisch jeder Start und jede Landung zu verzeichnen war. War er beklommen beim ersten Abheben? Der Premierenflug, natürlich nur als Begleiter: Am 13. November 1935, exakt um 15.37 Uhr, ging es zum ersten Mal motorisiert in den spätherbstlichen Himmel. "Schulflug" heißt es im Flugbuch lapidar zum Zweck des Fluges, der lediglich fünf Minuten dauerte und um 15.42 Uhr schon wieder sein Ende fand. Nach dieser Landung hoben Lehrer und Schüler gleich noch zwei Mal ab und kreisten um den Flugplatz - bereits um 15.43 für vier Minuten und dann um 15.49 Uhr, nochmals für vier Minuten.
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Der tollkühne Kunstflieger Hans Bauer
30-jähriger Spediteur sorgt 1936 am Himmel über Weiden für großes Aufsehen - Nach Krieg Mitbegründer des Aero-Clubs
So unspektakulär begann eine Fliegerkarriere, die Hans Bauer kein Jahrzehnt später an der Seite des Weltkrieg-Eins-Fliegerasses und Generalobersten der Luftwaffe, Bruno Loerzer, sehen sollte, den er auf militärischen Einsätzen als Pilot begleitete. Diese Einsätze haben eine Vertrautheit zwischen den beiden so unterschiedlichen Männern entstehen lassen, die für Sohn Richard Bauer lebensrettend werden sollte, wie dieser viele Jahre später erzählte. Doch das ist eine andere Geschichte.
Ob Ehefrau Anni, eineinviertel Jahre jünger als ihr flugbegeisterter Mann, ihren schneidigen Hans an jenem 13. November 1935 zum Sportflugplatz in Nürnberg begleitet hat? Die beiden waren seit sechs Jahren verheiratet, zwei Kinder schon auf der Welt und zu beaufsichtigen - wahrscheinlich also eher nicht.
Alleinflug mit einer Klemm
Ein besonderer Moment war sicherlich der erste Alleinflug am Nachmittag des 24. Januar 1936, mit einer "Klemm" - einem für die damalige Zeit typischen, leichten Sportflugzeug, das nach heutigen Maßstäben eher einer fliegenden Kiste glich, die von den sprichwörtlichen tollkühnen Männern gesteuert wurde. Technik, Komfort, Sicherheit - in keiner dieser Kriterien konnte es eine Maschine der Ära vor über 70 Jahren mit heutigen Maßstäben aufnehmen. Auch dieser Flug, der 78. seiner langen Ausbildung, dauerte übrigens nur fünf Minuten. Von "schneidigen Schleifen", "vornehmen Loopings" und "famosen Sturzflügen" war Hans Bauer noch ein halbes Jahr entfernt.
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Wie er später der Heimatzeitung erzählte, hatte Hans Bauer in den acht Monaten seiner Fliegerausbildung in Nürnberg und Herzogenaurach mehrere Flugscheine erworben: Den Führerschein A2 für einfachen Sportflug, den Führerschein B2 für Sportmaschinen und, am Spektakulärsten, den K1 für Kunstflug. "Herr Bauer ist in Weiden der zweite, der den Kunstflugschein besitzt", hieß es in dem Artikel "Kunstflüge über Weiden". Der Journalist vergaß nicht, darauf hinzuweisen, dass der bewunderte Pilot im normalen Leben Spediteur war und ist, während der andere Kunstflugschein-Inhaber, ein "Herr Kneidl", in Berlin vor einer "vollendeten Fliegerausbildung" stehe, was möglicherweise auf einen Berufspiloten hinwies.
Prüfungsflug unbeobachtet
Es war im Übrigen nicht das erste Mal, dass der fliegende Spediteur seiner Heimatstadt einen luftigen Besuch abstattete. Bereits am 24. April 1936, also etwa sechs Wochen vorher, "stieg unser Sportflieger Bauer auf und gelangte nach Weiden, wo er eine volle Stunde in 4600 Meter Höhe über der Stadt kreiste." Dies war ein Prüfungsflug, der unter der Rubrik "Höhenflug" zu absolvieren war. Leider, leider: Die Prüfung wurde zwar bestanden, "aber das Flugzeug nur von wenigen beobachtet", wie in der Zeitung stand. Kein Wunder, bei dieser Höhe! Außerdem war es relativ früh am Tag. Hans Bauer war um 7.36 Uhr gestartet und um 9.50 Uhr wieder in Nürnberg gelandet - insgesamt also 134 Minuten in der Luft, ohne Begleiter. Das war sein 214. Flug seit dem Beginn des Lehrganges vor fünf Monaten. Eine schöne Leistung, kein Zweifel. Gefordert waren laut dem "Flugprüfungsbuch 1 - Grundlehrgang für Landflieger" eine Mindestflugdauer von einer Stunde und eine Mindesthöhe von 4500 Metern.
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Der tollkühne Kunstflieger Hans Bauer
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Show nach der Prüfung
Danach begann Lernen und Üben für den Kunstflug-Schein. Im Flugbuch erhöhte sich die Nummerierung für die Starts bis zum letzten am 12. Juni 1936 zur stattlichen Endziffer "284". Immer wieder die weite Strecke ins Fränkische zu fahren, um die vielen, vielen Flüge zu absolvieren: Dazu brauchte es jede Menge Durchhaltevermögen. Kein Wunder also, dass Hans Bauer nach der letzten Prüfung eine große Flugshow abziehen wollte, um zu Hause in Weiden allen vom Erfolg Kunde zu geben. "Bevor er von seiner Truppe schied, hat er den letzten Flug in seinen Heimatort unternommen", hieß es dazu in der Wochenend-Ausgabe der Lokalzeitung. "Herr Bauer war am Freitag mit seinem Schulflugzeug 'Bücker-Jungmann' um 14.13 Uhr in Nürnberg aufgestiegen, flog in Richtung über Vilseck nach Weiden, wo er kurz vor drei Uhr gesichtet wurde und sich mit Kunstflügen zeigte. Sportflieger Bauer vollführte seine Kunststürze in einer Höhe von 700 bis 900 Meter aus, in Gleitflügen bis zu 200 Meter flog er über die Stadt." Nach diesen Kunststücken ging es wieder nach Nürnberg zurück. Um 16.03 Uhr landete er auf dem dortigen Sportflughafen.
Von Thomas Dobler |
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30-jähriger Spediteur sorgt 1936 am Himmel über Weiden für großes Aufsehen - Nach Krieg Mitbegründer des Aero-Clubs
Dass sein fliegerischer Ehrgeiz noch nicht gestillt war, das verriet Hans Bauer der Zeitung auch: "Herr Bauer steht zurzeit wieder in seinem Berufe als Spediteur und wird später auch die Prüfungen für noch weitere Führerscheine ablegen." Den Segen des Journalisten und seiner Weidner Fliegerfreunde hatte er dazu sicher. So hieß es folgerichtig und abschließend: "Dem tüchtigen Piloten zu seinem weiteren Vorwärtsstreben alles Wünschenswerte!"
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