TIRSCHENREUTH. Schon einmal einen "Allobophora smaragdina" gesehen? Das ist eine - zugegeben seltene - von derzeit 39 heimischen Regenwurmarten, die durch ihre smaragdgrüne Farbe sofort auffällt. Auffallen würde, würde man mehr auf den Boden schauen. Aber man tritt auf ihm herum, kratzt ihn sich von den Schuhen und denkt ansonsten nicht weiter an ihn: Der Boden führt ein Dasein buchstäblich im Untergrund. Das GEO-Zentrum an der KTB und der Bayerisch-Böhmische Geopark wollen deshalb jetzt, dass der Wanderer öfter mal den Blick nach unten richtet: Acht Schautafeln, verstreut auf Standorte in den Landkreisen Tirschenreuth, Wunsiedel und Neustadt/WN, widmen sich Themen rund um den Boden.
Vorausgegangen war der Idee die "GEO-Tour Granit". Die GEO-Touren sind keine zusammenhängenden Lehrpfade, sondern stellen punktuell Informationen zu einem Thema unter verschiedenen Aspekten zur Verfügung. Vorgestellt wurde die "GEO-Tour Boden" jetzt an einem typischen Standort der acht Informationstafeln: einer Wegkreuzung im Großenseeser Wald bei Münchsgrün nördlich von Tirschenreuth. Da kreuzen sich nicht nur mehrere Wander- und Radwege, hier findet man auch eine Besonderheit, die natürlich etwas mit dem Thema Boden zu tun hat: Hier gibt es zwar keine grünen Regenwürmer (die findet der Beobachter am ehesten in einem Buchenwald), dafür etwa 2000 Ameisenhaufen auf einem scharf begrenzten Gebiet - ein bis heute unerklärtes Phänomen, obwohl schon Wissenschaftler mehrerer Universitäten daran forschen.
20.11.2008
| Netzcode: 1613129 | 221 Mal gelesen.
Sehr viel mehr als Dreck
"GEO-Tour Boden" soll Blick nach unten richten
Im Sommer steht hier auch eine weitere Infotafel über die Ameisen. Diese Verknüpfung mit dem bestehenden Angebot ist ein Prinzip der GEO-Touren. Auch der Freistaat Bayern hilft: Den Bayerischen Staatsforsten, einer Anstalt des Öffentlichen Rechts mit Sitz in Regensburg, gehört heute der Staatswald, zu dem auch der Großenseeser Wald gehört. Georg Schneider, Leiter des Forstbetriebs Waldsassen der Bayerischen Staatsforsten: "Wir sind mehr als eine reine Holzeinschlagsfirma." Der größte Waldbesitzer im Landkreis hat gerne erlaubt, dass vier der acht Infotafeln auf Staatswaldgebiet gestellt werden.
Dr. Frank Holzförster vom GEO-Zentrum an der KTB: "Boden ist sehr viel mehr als Dreck." Vielmehr bilde das verwitterte Gestein eine "Schnittmenge verschiedener Systeme", nämlich der Atmosphäre, Hydrosphäre und Biosphäre. Dort wimmelt es nur so von Leben. Und um das geht es an der Tafel bei Münchsgrün. Aber über den Boden gibt es noch mehr zu sagen. Das wird an den anderen sieben Standorten der Infotafeln erklärt.
20.11.2008
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Sehr viel mehr als Dreck
"GEO-Tour Boden" soll Blick nach unten richten
In Pfaben im Steinwald erfährt der Spaziergänger etwa, wie Boden überhaupt entsteht, nämlich durch Verwitterung von Gestein und den Abbau organischer Substanzen. Am Föhrenbühl bei Grötschenreuth wird gezeigt, wie sich die Natur auch an schwierige Böden anpasst wie den, der hier durch Verwitterung von Serpentinit entstanden ist. In Mehlmeisel geht es speziell um den Waldboden mit seiner typischen Streuauflage.
Die Tafel in Weißenstadt (Landkreis Wunsiedel) verrät, wie wichtig der Boden für den Wasserkreislauf ist. Am Volkskundlichen Gerätemuseum in Bergnersreuth bei Arzberg (Landkreis Wunsiedel) steht eine Infotafel, die sich mit dem Thema "Boden und Landwirtschaft" beschäftigt. Über die Vielfalt der Böden informiert die Tafel, die am Parkplatz am Beginn des Walderlebnispfades in Waldsassen aufgestellt wurde. Am Barbaraberg bei Speinshart (Landkreis Neustadt/WN) schließlich erfährt der Besucher, welche Bedeutung der Boden als "Archiv" hat, wenn er nämlich Spuren der Siedlungsgeschichte konserviert.
Zur "GEO-Tour Boden" ist auch ein Faltblatt erschienen, das über die Standorte und ihre Themen informiert und das bei den Tourist-Informationen, dem GEO-Zentrum an der KTB und der Geschäftsstelle des Geoparks erhältlich ist. Eine Beschreibung der Tafelstandorte findet der Interessierte auch im Internet unter www.geozentrum-ktb.de und www.geopark-bayern.de.Harald Mohr
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