Wackersdorf
"Wenn BMW geht, sind Zulieferer weg"
Warnstreik: IG Metall will gegen Auslagerung der BMW-Auslandsfertigung kämpfen
Wackersdorf. (ch) "WAA-Nein Danke" stand auf einem der Streik-Plakate. Kein 20 Jahre verspäteter Protest gegen eine Atomanlage, sondern gegen die "Wackersdorfer Auslagerungs Aktion" von BMW. Rund 800 Beschäftigte des Innovationsparks demonstrierten gestern für mehr Geld, aber, der Stimmung nach zu urteilen, vor allem für ihre Arbeitsplätze (Weitere Berichte morgen in unserer Zeitung Seite 15 und 61).
Eine drohende Zeitenwende macht der bayerische IG-Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer aus, wenn er den BMW-Beschluss zur Fremdvergabe der Abteilung Auslandsfertigung ab 2010 sieht. Bislang habe die positive Entwicklung des Konzerns BMW stets auf der Loyalität zwischen Unternehmen und Belegschaft gefußt. Wenn nun erstmals ein Standort "ausgehöhlt und dann geschlossen" würde, spreche das gegen die bisherige Kultur. "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie der Standort Wackersdorf gekillt wird", sagte Neugebauer vor den nach Gewerkschaftsangaben 800 Streikenden am Wackersdorfer Werkstor."Die Mitarbeiter hier haben sich zehn Jahre den Arsch aufgerissen, damit BMW gute Ergebnisse erzielen kann. Jetzt sagt man euch: Ihr werdet nicht mehr gebraucht. Das ist zynisch." Er forderte den Vorstand auf, die Entscheidung zu revidieren. Der BMW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende, Manfred Schoch, sieht die gleiche Gefahr. Wenn die Auslandsverpackungs-Sparte nicht mehr zu den Kerneigenleistungen des Konzerns gehören soll, wie von BMW angekündigt, dann drohe auch Anderen Abteilungen das Aus.
"Wenn wir dem jetzt nicht Einhalt gebieten, werden andere Abteilungen wie Dominosteine fallen", sagte er. Deshalb sei nun die Solidarität aller Standorte gefragt. "Das ist kein Problem des Standortes Wackersdorf oder Regensburg, sondern des ganzen Unternehmens," ergänzte der Regensburger BMW-Betriebsratsvorsitzende Werner Zierer.
Schoch und Zierer erinnerten daran, dass die Mitarbeiter der Auslandsfertigung die Effizienz ihrer Abteilung um mehr als 30 Prozent gesteigert haben. Wenn jetzt eine Auslagerung bevorstehe, ginge dieser Effizienzgewinn verloren. "Wir werden zum Interessenausgleich einen Sozialplan fordern. Wir reden hier von Kosten zwischen 80 und 100 Millionen Euro für BMW," so Schoch. Wie auch die Cockpit-, Sitz-und Motorenfertigung ist für ihn die Auslandsverpackung eine BMW-Kernkompetenz. "Wenn BMW geht, sind die Zulieferer hier auch weg," ist sich Neugebauer sicher. Dann stünden über 2000 Arbeitsplätze im Feuer. Zumal laut Werner Zierer noch kein Zulieferer einen Anschlussauftrag für den neuen 3er hat. Fest scheint schon jetzt zu stehen, dass "Lear" Teile der Produktion auslagert und rund 80 bis 100 Arbeitsplätze verloren gehen.
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