Schmidgaden
"Ein toller Tag für ganz Bayern"
Bundeskanzlerin gibt letztes Teilstück der A 6 frei - "Via Carolina" durchgängig befahrbar
Schmidgaden. Sie entschwebte per Helikopter mitten hinein in eine dunkle Wolkenwand. Wenige Minuten zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der Sonne um die Wette gestrahlt und gesagt: "Diese Autobahneröffnung ist ein toller Tag für ganz Bayern!"
"Servus Angela"
Die Promis waren später gut dran. Sie verstanden zumindest größere Teile der Festansprachen. Wer weiter hinten ausharren musste, bekam wenig mit. "Wir verstehen nichts", schallte es laut über die breiten Autobahntrassen. Doch dafür konnten weder Günther Beckstein noch Angela Merkel etwas. Die Mikrofonanlage war schlichtweg zu schwach.
Die Kanzlerin kam pünktlich. Sie ließ den Hubschrauber in Schmidgaden landen, wurde in gepanzerter Limousine zum frisch betonierten Festplatz gebracht, betrat freundlich winkend das Podium. Modischer Blazer, dunkle Hose, Perlenkette, eine ganze Stunde lang lächelnd. Das Manuskript zur Zehn-Minuten-Rede wurde der Regierungschefin in schwarzer Mappe gereicht, dann trat sie ans Mikrofon und bekannte: "Ich habe über kein Autobahnteilstück mehr gehört als über dieses." 20,3 Kilometer lang, Lückenschluss zwischen Paris und Prag, eine Art Symbol für das Zusammenwachsen Europas. "Ein toller Tag": Angela Merkel sagte es, Ministerpräsident Günther Beckstein schloss sich an und auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann wartete mit einer ähnlichen Formulierung auf. Bei ihm war es "ein tolles Datum von europäischer Bedeutung." Aus dem Publikum, dicht an dicht gedrängt, scholl es launig zurück: "Servus Angela". Ein Zeichen für die Bundeskanzlerin, abermals freundlich zu winken und einen edlen Stift zur Hand zu nehmen. Das hatte seinen Grund: Dem Schmidgadener Bürgermeister Rudolf Birner, zu dessen gemeindlichem Einzugsbereich der Rastplatz "Stocker Holz" gehört, war es tatsächlich gelungen, vorbei an den Bodyguards forsch auf die kleine Bühne vorzudringen und das Goldene Buch zum Eintrag aufzuschlagen.
Wenn Autobahnen eingeweiht werden, fehlen auch hohe geistliche Würdenträger nicht. Bischof Gerhard Ludwig Müller für die Katholiken und Regionalbischof Manfred Weiß für die evangelischen Christen segneten das neue Teilstück der A 6. Dabei sagte der Regionaldekan: "Mit Christi Geist als Navi-Hilfe können wir alle Wege ansteuern."
Fünf Kinder, fünf Scheren
Gleich danach wurde zum politischen Seitenwechsel gebeten. Drüben auf der anderen Fahrspur, wo zu dieser Zeit schon ein riesiges Heer von Marathonläufern wartete, durchschnitt die Kanzlerin zusammen mit Günther Beckstein, Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, dem tschechischen Verkehrsminister Ales Rebícek und weiteren Mandatsträgern neben einem weiß-blauen auch ein schwarz-rot-goldenes Band. Die Scheren dazu hatten, völlig ohne Lampenfieber, fünf Kinder gereicht: Maria, Jakob, Johann, Nina und Elena, allesamt von den Trischinger "Friedrichsbergler"-Trachtlern, ausgesucht als liebenswerte Vertreter angestammter Volkskultur.
Eine Kanzlerin schießt nicht, sie schwenkt die Flagge. Angela Merkel tat's und strahlte wieder: Vor dem Start hatte sie von Doppelolympiasieger Waldemar Cierpinski ein Paar nagelneue Laufschuhe erhalten. "Freudige Überraschung" für sie - und ab ging's. Für die Läufer in Richtung Trisching, für die Kanzlerin nach Passau.
Bildergalerie vom Festakt im Internet:
www.oberpfalznetz.de, Netzcode 51529158
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