Von Michael Zeißner |
27.06.2008
| Netzcode: 1437149 | 213 Mal gelesen.
Wenn das Herzblut auf der Fan-Seele brennt
FT Eintracht Schwandorf organisiert auf die Schnelle türkisch-deutsches Public Viewing und durchlebt ein munteres Wechselbad der Gefühle
Schwandorf. Noch müssen sich die beiden Halbfinal-Teams die ersten Augenblicke nach dem Anpfiff im Baseler St.-Jakob-Park-Stadion sortieren. Die Deutschen besonders, die Fans erst recht. Die Sonne lässt das Bild auf der improvisierten Großleinwand etwas blass, eher nur schemenhaft erscheinen. Doch in der dritten Minute, der erste Angriff der Türken über links, und schon springt vorne rechts einer ins Bild, um schlagartig wieder auf seinen Stuhl zu sacken.
Das Blut eines Türkei-Fans in den Adern zu haben, ist fast genauso anstrengend, wie das Herzblut, mit dem sich das Team vom Bosporus ins EM-Halbfinale vorgekämpft hat. Das Organisations- und Improvisationstalent eines "turkish engineering" war schon von Nöten, um binnen 48 Stunden die Terrasse des Vereinsheims des FT Eintracht Schwandorf zum Podium eines völkerverbindenden Public Viewing zu machen.
Die Sonne sinkt
Es hat geklappt, die Sonne sinkt, die Stimmung steigt, das Bild wird besser und das Türkei-Team auch. Aus deutscher Sicht ist noch nicht viel passiert, außer der aufkeimenden, etwas unwohlen Ahnung, dass das wieder einmal gewaltig in die Hose gehen könnte. Umso agiler werden die Schwandorfer Türken, die an diesem Abend bei rund 200 Fans eindeutig die Oberhand haben. Auf dem Platz in Basel dazu. Ansporn genug für Doan Coban. Der 17-Jährige hat mit Trommel und einer seine baldige Heiserkeit erahnenden Stimme den Part des Einpeitschers übernommen.
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Von Michael Zeißner |
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Wenn das Herzblut auf der Fan-Seele brennt
FT Eintracht Schwandorf organisiert auf die Schnelle türkisch-deutsches Public Viewing und durchlebt ein munteres Wechselbad der Gefühle
"Tur-ki-ye, ...!"
"Tur-ki-ye, Tur-ki-ye, Tur-ki-ye", trichtert er ebenso begeistert, gestenreich und lautstark seinen Mitstreitern ein, so dass nur hie und da ein eher schüchternes "Deutsch-land, Deutsch-land" kaum den Versuch wert ist. Welche Höhen und Tiefen ein türkisches Gemüt schon durchgemacht hat bis zu diesem Spiel, lässt sich bis zur 22. Minute nur erahnen.
Dann, passiert es. Ugur Boral schießt das 0:1 für die Türkei: So muss es gewesen sein, als einst die Beatles auf der Höhe ihres Ruhmes die Jugend der Welt vereinnahmt hatten. Eruptionsartige Freude, Jubel, kreischende Mädchen, hüpfende Männer, aufspringende Frauen, Krach, Lärm, ein bisschen Chaos, viel Gefühle. Das kostet Puls, das ist Adrenalin. Doch nur Augenblicke wenden das Blatt. Jetzt hüpfen die deutschen Girlies begeistert jubelnd herum, haben die Türken die Hände schon lange über dem Kopf zusammen geschlagen, die Gesichter darin verborgen. Schweinsteiger, 26. Minute, 1:1.
Schicksalsfügung
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Wenn das Herzblut auf der Fan-Seele brennt
FT Eintracht Schwandorf organisiert auf die Schnelle türkisch-deutsches Public Viewing und durchlebt ein munteres Wechselbad der Gefühle
Es bleibt eine eher fußball-philosophische Frage, ob es das Schicksal (Können war bei der DFB-Elf ja weniger am Werk) an diesem EM-Abend mit Deutschen wie Türken sonderlich gut gemeint hat. Es mussten noch die 79. (2:1), 86. (2:2) und 90. Minute (3:2) durchlebt, überstanden werden. Welch Glück, dass es keine Verlängerung gab. Wer weiß, wie das für Ballack & Co. ausgegangen wäre? Aber jetzt, jetzt kann Deutschland so richtig aufschrauben, weil die Türken gesagt haben, dass sie auf unserer Seite stehen, wenn sie verlieren!
Ferdi Eraslan steht da im Wort. Seit März Stadtrat und bei Eintracht Schwandorf schon lange aktiv, hat er "zusammen mit meinen Freunden" diesen Abend auf die Beine gestellt. Über Integration wird da nicht geredet, einfach nur hin gehen. Und Eintracht-Vorsitzender Dieter Jäger, er hat es auch in den Stadtrat geschafft, legt nach dem Abpfiff dieses für Deutschland so schmeichelhaften 3:2 mit Blick auf den Sonntag nach: "Wir haben auch genügend Spätaussiedler im Verein." Heute wissen wir mehr.
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