Hohenfels
Im "Teppichklopfer" über Hohenfels
Deutsch-amerikanische Partnerschaftsübung - Mit dem Helikopter zum Einsatz - Festnahme von mutmaßlichen Verbrechern
Hohenfels. Zunächst ist nur das typische klopfende Geräusch zu hören. Es schallt durch das weite Tal bei der Ortschaft Kiddensee, noch bevor in der Ferne die ersten Hubschrauber zu erkennen sind. Die sechs Helikopter vom Typ Bell UH-1 der US-Armee schweben im Tiefflug heran. Sie bringen Bundeswehrsoldaten, die den Ort durchsuchen und mutmaßliche Kriegsverbrecher festnehmen sollen.
Die Soldaten beider Streitkräfte absolvieren an diesem Mittwoch eine Partnerschaftsübung. Sie findet seit 1996 jährlich statt. Treibende Kraft auf deutscher Seite ist der Vorsitzende der Reservistenkameradschaft Holzheim, Karl Meier. Das Logistikbataillon 472, dessen 6. Kompanie eine Patenschaft mit Holzheim pflegt, unterstützt die Reservisten.
Für die deutschen und die amerikanischen Soldaten bedeutet die gemeinsame Übung Abwechslung vom Arbeitsalltag. "Das ist ein Highlight", sagt Stabsunteroffizier Philipp Finger. "Sonst sehen wir nur Lkws", ergänzt der Kümmersbrucker mit Blick auf den Hubschrauberflug zum Übungsort Kiddensee. Für Logistiksoldaten der Bundeswehr steht eine solche Übung normalerweise nicht auf dem Ausbildungsplan.
Die US-Piloten schätzen die Möglichkeit, in Formation zu fliegen und eine größere Zahl von Soldaten zum Einsatzort zu bringen. Im normalen Dienstbetrieb fliegen sie vor allem Beobachter. Und natürlich schätzen beide Seiten die Kameradschaft. Deshalb endet der Tag am Abend mit einem Barbecue in Holzheim, zu dem auch die Familien eingeladen sind.
Doch vor dem Vergnügen kommt die Pflicht. Unter der Führung von Oberleutnant Andy Sack riegeln die Deutschen, nachdem sie abgesetzt wurden, die Zufahrtswege nach Kiddensee ab. Dort suchen sie das Gespräch mit dem Bürgermeister und dem Polizeichef. Beide sollen helfen, die Gesuchten festzunehmen.
Doch nicht alle Dorfbewohner sind mit der Anwesenheit der Deutschen einverstanden. Ein Szenario, wie es auf dem Balkan oder bei anderen friedenserhaltenden Einsätzen vorkommt. "Viel Stress, sehr fordernd", sagt Sack. "Das hilft mir, mein Führungsverhalten zu verbessern." Dabei helfen ihm auch der US-Übungsleiter Major Karl Wojtkun und seine Kameraden mit ihren Erläuterungen.
Die Bell UH-1 fliegt seit Jahrzehnten. So entdeckt der 1974 geborene Hauptfeldwebel Hubert Beer, dass der Hubschrauber, der ihn zum Einsatz bringt, genauso alt ist wie er selbst. Doch die "Teppichklopfer" - so der Spitzname für die Bell wegen ihres Rotorgeräusches - werden bald durch Eurocopter ersetzt. Der "Black Hawk"-Hubschrauber, den die US-Armee sonst als Standardhelikopter einsetzt, ist "für unsere Zwecke zu groß", erläutert ein US-Offizier. Doch noch ist Hohenfels einer der letzten US-Stützpunkte, den denen der Bell UH-1 geflogen wird.
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