Fürth
"So wie Du": Kampf um ein Stück Normalität
Marathon trotz Down-Syndroms: Am 15. Juni gehen in Fürth auch Behinderte als Läufer an den Start - Eine Mut-Initiative
In Deutschland werden jährlich etwa 1200 Kinder mit Down-Syndrom geboren. Durch die herabgesetzte Muskelspannung ist das Training für sie wesentlich anstrengender als für andere Menschen.
Dreh- und Angelpunkt der Down-Syndrom-Staffel ist Anita Kinle. Sie hat die Gruppe gegründet. Die Fürtherin ist selbst begeisterte Läuferin und hat einen achtjährigen Sohn mit Down-Syndrom. In der Zeitschrift "Leben mit Down-Syndrom" las sie einen Bericht über Simon Beresford. Der Engländer schaffte als erster Mensch mit Down-Syndrom die Marathon-Distanz. "Das hat mir so imponiert, dass ich spontan eine eigene Mannschaft gründen wollte", berichtet Kinle über ihre Initialzündung. "Ich wusste vorher gar nicht, dass unsere Kinder diese Ausdauerleistung bringen."
Ein Bild verändern
Mit ihrer Idee fand Anita Kinle auf Anhieb viel Unterstützung und konnte das Projekt schnell auf professionelle Beine stellen: "Eine Mannschaft braucht einen Trainer und ein Trikot. Wir wollen das Gesellschaftsbild von Menschen mit Down-Syndrom nachhaltig positiv verändern. Dafür müssen wir entsprechend auftreten", erklärt Kinle. Für die Leitung des Trainings bot sich Angela Weber an, die bereits ein Team für den "Jahrtausend-Marathon" im vergangenen Jahr in Fürth gecoacht hatte.
Auf der Suche nach Läuferinnen und Läufern wandte sich Kinle an das Deutsche Down-Syndrom-InfoCenter, das seinen Sitz in Lauf/Pegnitz hat. Die Geschäftsführerin Cora Halder war von der Idee sofort begeistert. So wuchs die Mannschaft über eigene Initiative, Selbsthilfegruppen und Mund-zu-Mund-Propaganda: "Jeder kannte jemanden, den man noch fragen könnte. So hat sich das bis nach Hamburg fortgesetzt", erzählt Kinle. Schauspieler Bobby Brederlow ist mit 47 Jahren der älteste Läufer, Fenea mit 16 Jahren die Jüngste.
Das erste Etappenziel auf dem Weg zum Metropol-Marathon ist der Fürth-Lauf am 13. April. Um sich noch nicht zu überanstrengen, will das Team die zehn Kilometer, gestaffelt in Ein-Kilometer-Etappen, gemeinsam laufen. Motiviert werden die Ausnahme-Sportler dabei durch ihre persönliche Lauf-Hymne "So wie Du", die die Band "taram duram" extra für das Team 21 komponiert hat. Inzwischen zeichnen sich im Team erste Spitzenläufer ab: "Bei uns ist das wie in jeder Mannschaft", erklärt Kinle. "Manche wollen sich einfach nur bewegen und dabei sein.
Der Ehrgeiz kommt
Andere packt jetzt langsam der Ehrgeiz." Albin aus Ingolstadt etwa ist ein echter Sprinter. Gabriele aus Nürnberg und Jesko aus Ingolstadt können dafür längere Strecken gleichmäßig durchhalten. Simon aus der Schweiz ist den anderen noch weiter voraus: Er schafft bereits 14 Kilometer in zwei Stunden.
Der Metropol-Marathon ist das erste große Ziel für Anita Kinle, doch danach soll auf keinen Fall Schluss sein: "Die Folge des Trainings ist ein aktiveres und selbstbewussteres Leben. Denn Menschen mit Down-Syndrom profitieren vom Sport nicht weniger als alle anderen Menschen auch", sagt sie.
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Hut ab, der Beitrag ist super. Ich bin selbst Mutter eines Kindes mit DS und finde diese Idee von Anita Kinle klasse.