Von (scs) |
12.03.2008
| Netzcode: 1302223 | 908 Mal gelesen.
Amberg
Latein: Tot oder lebendig?
Professor Dr. Wilfried Stroh: Sprache erlebt einen Aufschwung
Amberg. (scs) Fast wäre Professor Dr. Wilfried Stroh nicht pünktlich mit dem Zug angekommen. Anstatt eines Tickets nach Amberg hatte er sich eines nach Ansbach gekauft. "Es war einfach noch zu früh heute Morgen um sechs", entschuldigte sich der Latein-Spezialist. Gerade noch rechtzeitig traf er dann gestern im Gregor-Mendel-Gymnasium ein und erzählte den Schülern vom Aufstieg und Tod der lateinischen Sprache.
Jedes Jahr stehe er hier aufs Neue und müsse die Eltern überzeugen, dass ihre Kinder eigentlich Latein wählen sollten, merkte Fachbetreuer Roland Völkl an. Für ihn sei es nicht immer einfach, die Schüler für eine "tote" Sprache zu begeistern. Um Latein richtig schmackhaft zu machen, hatte er Professor Dr. Wilfried Stroh von der Ludwig-Maximilians-Universität München eingeladen. Bereits 2002 war Stroh am GMG gewesen und von den Schülern angetan. Er habe damals von dem Vortrag profitiert, sagte er.
Anders als vor sechs Jahren ging es am Dienstag nicht um die Macht der lateinischen Sprache, sondern um die Frage, ob sie tot oder lebendig ist. Roland Völkl war stolz, dass er den Lateinprofessor zum zweiten Mal nach Amberg holen konnte. Die Schüler aus der 11. Jahrgangsstufe und die Leistungskurse hatten sich schon im Vorfeld auf den Vortrag der "Latein-Koryphäe" gefreut. Auch vom Max-Reger- und Erasmus-Gymnasium waren Klassen gekommen, um den Münchner zu erleben.
Mit Latein zum Millionär
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Amberg
Latein: Tot oder lebendig?
Professor Dr. Wilfried Stroh: Sprache erlebt einen Aufschwung
Viele Gegner seien der Ansicht, so Professor Stroh, "es lohne sich nicht, eine Sprache zu lernen, die seit 2000 Jahren tot ist". Darauf könnte man entgegnen, dass Latein der Ursprung der romanischen Sprachen sei und somit in ihnen weiterlebe. Bei dieser Gelegenheit verwies Stroh auf Günther Jauch, der behaupte, mit einer soliden Lateinausbildung schaffe man es in seiner Show zum Millionär.
"Ich möchte nicht Latein als lebendig bereden, sondern zeigen, dass Latein gestorben ist, und das ganze fünf Mal", erklärte der Lateinprofessor. Die Sprache habe viele Hoch- und Tiefpunkte durchleben müssen. "Doch Latein hat seine fünf ,Tode' immer überlebt und ist unsterblich geworden."
Anders als die meisten anderen Sprachen, sei Latein in seiner Entwicklung seit der Geburt Christi stehengeblieben. Dies ist für Stroh ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Sprache im linguistischen Sinn tot sei. Wegen dieser These habe er viele Gegner.
Es habe lange gedauert, bis Latein eine Weltsprache wurde. Auch wenn heute Englisch diese Stellung einnehme, sei es oft unmöglich, sich so auszudrücken, wie mit Latein, betonte Stroh. Viele Wörter stammten aus dem Lateinischen. In der Ursprungssprache wäre vieles einfacher.
Beruf mit Zukunft
In den letzten Jahren habe Latein einen Aufschwung erlebt. Dies zeigten die aktuellen Schülerzahlen der Lateinklassen. Momentan herrsche ein Lehrermangel. Stroh empfahl den Schülern ein Lateinstudium. Es wäre ein Beruf mit Zukunft.
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