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01.09.2003  | Netzcode: 10113285  |  325 Mal gelesen.

Traumhafte Vokal-Leichtigkeit

"Polish Chamber Singers" brillierten beim Wurzer Sommer



Von Andrea Prölß

Wurz. "Don't worry, be happy!" Allzu große Sorgen machte man sich eigentlich nicht, auch wenn finstere Regenwolken über den Wurzer Pfarrhof zogen und happy waren am Schluss alle, die trotz unbeständiger Wetterlage gekommen waren, um das Konzert von "Affabre Concinui", der "Polish Chamber Singers" mitzuerleben. Bobby McFerrins kultiger Reggae-Hit war nicht nur frenetisch beklatschte, krönende Zugabe, sondern zugleich treffende Devise eines gute Laune pur verbreitenden Konzertabends, der wohl ohne zu übertreiben zum Highlight der diesjährigen Sommerkonzerte erhoben werden darf.

"The Polish Chamber Singers", das sind sechs nur ein bisschen in Jahre gekommene Mitglieder zweier berühmter polnischer Knabenchören, die es sich zum Ziel setzten, mit A-cappella-Gesang der Extraklasse das Publikum zu erobern. Und das gelingt ihnen im Handumdrehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Vokalensembles schwimmen sie weder bequem im Fahrwasser der Comedian Harmonists, noch haben sie überflüssigen, billigen Klamauk nötig. Sowohl im Auftreten als auch im Gesang überzeugen sie schlicht und ergreifend mit nichts anderem als Klasse und Qualität.

Ihre stimmliche Könnerschaft demonstrierten sie zu Beginn mit Chorsätzen deutscher und englischer Renaissance: Traumhaft sichere, lupenreine Intonation und absolute Textverständlichkeit verbanden sich zu glasklarem, transparentem Zusammenklang, der - und das ist wohl ihr Markenzeichen - mit unglaublicher, geradezu schwebender Leichtigkeit daher kam. Das liegt vor allem an den beiden Counter-Tenören Robert Hylla und Leszek Marciniak: Zwei überirdisch schöne, auf die Erde gefallene Engelsstimmen, wenn da nicht das schalkhafte Glitzern in ihren Augen wäre. Denn schon bald war Schluss mit traditionellem, seriösem Chorgesang.

Überraschten schon die ungewohnten, erfrischend peppigen Arrangements der Schubert Lieder, so gerieten die Abstecher in die Instrumentalmusik zum ersten Höhepunkt des Abends. Mit lässig leichtem "Da-ba-da" intonierte man zunächst Bachs Siziliano und Badinerie, um dann gar den gesamten Orchesterapparat von Ravels "Bolero" zu imitieren. Einziges Hilfsmittel: Sechs Kämme mit Pergamentpapier, die für satten, finalen Bläsersound sorgten.

Nach der Pause servierte man s(w)ingend, schnipsend und pfeifend weltbekannte Hits der 50er, 60er und 70er Jahre: Ein zum Dahinschmelzen schönes "Silence is golden", der Italo-Klassiker "Volare" und als Abschluss eine zum Brüllen komische Vorstellung von "Speedy Gonzales", die streckenweise im hemmungslosem Gelächter des Publikums unterzugehen drohte. Rhythmisches Klatschen, lautstarke Zugabe-Rufe und nicht enden wollender Applaus für die Mitglieder dieser ungemein talentierten, charmanten "Boy-Group der etwas anderen Art", die neben perfekter Performance mit enorm hohem Unterhaltungswert vor allem eines können: Verdammt gut singen. Unbedingt wiederkommen!

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