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06.08.2003  | Netzcode: 10109669  |  415 Mal gelesen.

Ungewohnte Klänge im Pfarrgarten

Gelungene Jazz-Premiere bei den Wurzer Sommerkonzerten



Von Louis Reitz

Wurz. Seit 15 Jahren ist die Konzertreihe "Wurzer Sommerkonzerte" ein Begriff für die Liebhaber der klassischen Musik. Zum ersten Mal in seiner fast 300-jährigen Geschichte drangen nun Blue Notes, Synkopen und lateinamerikanische Rhythmen durch den Garten des historischen Wurzer Pfarrhofes. Wie die Initiatorin Frau Dr. Rita Kielhorn in ihrer Begrüßung ausführte, war sie bei einem Konzert der "Jazz Five" in Berlin von deren Musik so angetan, dass sie spontan diese Klänge auch in der Oberpfalz präsentieren wollte.

Als Einstieg in die "klassische amerikanische" Musik war die Berliner Formation sicherlich geeignet, denn auf dem Programm standen gefällige, eingängige Melodien aus dem Standardbook des Jazz, brav und technisch perfekt intoniert von einem "klassischen" Jazzquintett und einem Sänger. Eddy Hayes aus Boston überzeugte durch seinen warmen und brillanten Ton auf dem Flügelhorn vor allem bei Balladen wie Billy Strayhorns "Lush Life" oder "I Fall In Love Too Easily". Die originellen Westcoast Arrangements und Bläsersätze, zusammen mit Friedemann Matzeit am Tenorsaxofon, konnten auch so populären Themen wie Duke Ellingtons "In A Mellow Tone" oder "Take The A-Train" neue Dimensionen abgewinnen.

Noch etwas verhalten

Etwas zu diszipliniert und klangneutral wirkte der junge Sänger Markus Fritsch. Er verfügt über eine gute Intonation und meistert auch harmonisch kniffelige Passagen, wie Intros zu den Songs, wobei die Stimme oft nur vom Piano unterstützt wird. Doch fehlt der Stimme noch die Reife und Ausdruckskraft, wie man sie von den großen Songinterpreten kennt, etwa wenn Frank Sinatras Markenzeichen "I've Got You Under My Skin" oder Duke Ellingtons "I Let A Song Go Out Of My Heart" intoniert werden. Bluestitel wie "Evil Man" oder Nat King Coles "Route 66" kommen etwas zahm und steril zum Vortrag, vielleicht wollte man das "klassisch geschulte" Publikum nicht durch Emotionen und Lautstärke verschrecken?

Routiniert und sattelfest gab sich die Rhythmusgruppe mit Steffen Illner am Kontrabass, Robert Michels am Schlagzeug und Guido Raschke am Keyboard, das leider etwas zu verhallt eingestellt war, und gelegentlich an die Klangwelt seichter Barmusik erinnerte.

Das zahlreich erschienene Publikum war von diesem Ausflug in den Jazz sehr angetan und forderte begeistert einige Zugaben. George Gershwins "Summertime" drückte dabei die Stimmung eines heißen Sommertags im Schatten uralter Bäume des Pfarrgartens perfekt aus, und mit "All Blues" von Miles Davis sorgte Eddy Hayes mit seinem Flügelhorn für den stimmungsvollen Ausklang.

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