Zwischen Ernst, Spielwitz und Humor
Stuttgarter Quintett präsentiert beim Wurzer Sommer "Romantische Bläserliteratur"
Von Andrea Prölß
Wurz. Zu einer schweißtreibenden Angelegenheit geriet die Serenade mit dem Stuttgarter Bläserquintett am Sonntagabend im Wurzer Pfarrhof. Weniger für die rund 80 Besucher, die entspannt und wohl beschattet den spätromantischen Bläserklängen lauschten, als für die fünf hoch motivierten und engagierten Musiker, die bei sommerlichen Temperaturen, die die 30 Grad-Grenze deutlich überschritten, mit Schwung und Elan ihr Programm präsentierten.
Unter dem viel versprechenden Motto "Romantische Bläserliteratur Europas" präsentierte das bereits seit 40 Jahren zusammen musizierende Ensemble überwiegend unbekannte Bläserliteratur der Romantik, nicht ohne auch eine kleinen Abstecher in die Klassik und die Moderne unternehmen.
Dank ihres Pioniergeistes gelangten zu Unrecht in Vergessenheit geratene kammermusikalische Kostbarkeiten wie die Bläserquintette des tschechischen Komponisten Joseph Bohuslav Foerster, des komponierenden Dessauer Hofkapellmeisters August Kughardt und des Franzosen Charles Lefebre wieder ans Tageslicht.
Das geschickt zusammengestellte Programm, das mit emotionalem Ernst im Tonfall Mahlers begann und mit heiter unbeschwertem Spielwitz endete, barg ein flirrendes Wechselspiel von Licht und Schatten, von dunkel eingefärbten, spätromantischen Anklängen und heiter dahin fließenden Tönen in sich. Neben den romantischen "Neuentdeckungen", die sich als typische Werke der Spätromantik erwiesen, denen es trotz humoristischer Effekte nicht an dramatischer, kontrapunktischer Aufregung mangelte, zeigte sich Rossinis Bläserquartett B-Dur als melodienseliges, unbeschwertes Leichtgewicht. Gefühlvoll, ohne dabei zu sehr aufs Sentiment zu drücken der Andante-Satz, der in einen munteren Wettstreit der einzelnen Instrumente mündete.
Wie "romantisch" mitunter auch klassische und moderne Werke klingen können demonstrierte das Ensemble mit einer Bearbeitung von Mozarts Adagio B-Dur und dem Bläserquintett des zeitgenössischen Komponisten Endre Szervansky, das die überlegene Interpretationskunst des Stuttgarter Bläserensembles gänzlich offenbarte. Mit stilistischen Einfühlungsvermögen gelang ihnen die Symbiose intensiver Ausdruckskraft und humoristischer Leichtigkeit und mit Kraft und Elan gestalteten sie mitreißend bis zum letzten Satz ihr erlesenes Programm.
Wen wundert es, dass sich bei soviel Schwung und Temperament während der Zugabe (Claude Debussys "The little Negro") die Querflöte in die einzelnen Bestandteile auflöst. Kein Problem für Willy Freivogel, der den Satz gelassen und souverän mit den verbleibenden zwei Drittel seines Instruments beendete.
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