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Von Anne-Beatrice Clasmann und  |  01.09.2007  | Netzcode: 11067664  |  678 Mal gelesen.
Istanbul

Stiller Krieg an der Nordgrenze des Iraks

Sowohl Iran als auch die Türkei bekämpfen Kurden-Milizen im Zweistromland - Kein Aufschrei aus Bagdad

Carsten Hoffmann, dpa Die Türkei und der Iran haben an der irakischen Nordgrenze einen gemeinsamen Feind ins Auge gefasst. Die Armeen beider Länder kämpfen im Grenzgebiet gegen rund 7000 kurdische Rebellen, die sich, geduldet von der kurdischen Autonomieregierung in Erbil, in den Bergen des Nordiraks verschanzt haben. Sie gehören der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der iranischen Partei für ein freies Leben in Kurdistan an. Es ist ein stiller Krieg, der dort geführt wird.

Zwar ist inzwischen fast täglich das Artilleriefeuer der iranischen Armee zu hören, die mutmaßliche Stellungen der PJAK in den Provinzen Suleimanija und Erbil beschießt. Doch an der politischen Front ist nur wenig zu hören. Denn außer kurdischen Dorfbewohnern, die aus ihren Häusern geflohen sind, scheint dieser Krieg im Grenzgebiet niemanden so recht zu kümmern. Im Vergleich zu den Autobombenanschlägen auf Märkte, Kasernen und Brücken in Bagdad ist der Kleinkrieg im Norden für die Politiker in der Hauptstadt nicht mehr als ein Nebenkriegsschauplatz.

Gelegentlicher Protest



In Bagdad protestiert zwar gelegentlich der kurdische Außenminister Hoschiar Sebari, und der iranische Botschafter muss eine Protestnote entgegennehmen. Doch die Beziehungen zwischen der von den Schiiten dominierten irakischen Regierung und der schiitischen Führung in Teheran sind nach wie vor gut.

Selbst in Washington hält sich die Empörung über die militärischen Angriffe der Iraner in Grenzen. Das Problem für US-Präsident George W. Bush ist, dass die zwei großen Kurdenparteien von Massud Barsani und Dschalal Talabani die treuesten Partner der USA im Irak sind, die er vor den Kopf stoßen müsste, um den Nato-Partner Türkei zu besänftigen.

"Wie soll Washington aus diesem Dilemma herausfinden, wenn sich zwei Freunde an einer unerwünschten neuen Front im Irak bekämpfen?" frägt Kolumnist Robert Novak in der "Washington Post".

Bislang setze Bush vor allem auf "Schweigen" als Strategie, kritisiert der irakische Kurden-Politiker Mahmud Othman. "Amerika sind die Beziehungen zur Türkei offensichtlich wichtiger als die Beziehungen zu den Kurden", zitiert Aswat al-Irak den islamisch-konservativen Kurdenführer. Völlig unverständlich sei es dagegen, dass Washington auch zu den Angriffen der Iraner schweige.

In der Türkei, wo mit 14 Millionen etwa die Hälfte aller Kurden leben, wird das Stillhalten der USA immer verbitterter kritisiert. Neue Berichte darüber, dass kurdische PKK-Rebellen inzwischen sogar mit amerikanischen Waffen gegen türkische Soldaten kämpfen, sorgen in Ankara für Empörung. Die Waffen stammen offensichtlich aus Lieferungen des US-Militärs an irakische Polizeikräfte.

Über die Frage eines mit dem Iran koordinierten Vorgehens gegen Kurden-Rebellen im Irak wird in der Türkei nicht gesprochen. Die Armeeführung hat zehntausende Soldaten entlang der Grenze zum Zweistromland in Position gebracht und macht sich für eine Offensive stark. Allerdings hat es die Türkei bisher aber bei einzelnen Einsätzen belassen.

Drohung vom Berater



Die Politik der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist auf Mäßigung ausgerichtet. "Wir hoffen, dass unsere Alliierten endlich etwas unternehmen. Falls nicht, haben wir selbst viele Möglichkeiten", warnt aber ein Erdogan-Berater.


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