Riekofen
Riekofener Pfarrer verhaftet
Vorbestrafter Pfarrer soll sich erneut an einem Kind vergangen haben - Generalvikar "schockiert"
Riekofen. (upl/pk/dpa) Schock in Riekofen: Bis zuletzt hielten die Katholiken in der kleinen Pfarrei im Landkreis Regensburg zu ihrem wegen Kindesmissbrauchs vorbestraften Pfarrer. Sie solidarisierten sich mit ihm, sammelten Unterschriften, weil er sich in ihrer Gemeinde nichts zu Schulden kommen lassen habe. Am Donnerstag wurde der 39-jährige Geistliche verhaftet - wegen neuer Vorwürfe und Fluchtgefahr.
|
| Der verhaftete 39-jährige Pfarradministrator von Riekofen (Landkreis Regensburg) beim Feiern der Heiligen Messe. Bild: wbr |
Die Ermittler werfen dem Mann nun vor, sich zwischen 2003 und 2006 immer wieder an seinem neuen Dienstsitz Riekofen an einem Jungen vergangen zu haben. Seit drei Jahren ist der Priester dort offiziell Ortspfarrer, vorher wurde er bereits als Vertreter in Riekofen eingesetzt. Für die neuen Fälle habe es Hinweise aus der Bevölkerung gegeben, sagte Justizsprecher Andreas Quentin. "Durch intensive Nachforschungen konnte der bestehende Anfangsverdacht konkretisiert und erhärtet werden."
Riekofen verlassen
Nachdem der 39-Jährige Riekofen verlassen hatte, schlossen die Ermittler nicht aus, dass sich der Priester absetzen wollte. Die Staatsanwaltschaft beantragte deshalb einen Haftbefehl. Am Donnerstag wurde der Geistliche schließlich festgenommen. Nähere Angaben zu dem Fall wollte Quentin nicht machen. Der Erfolg der Ermittlungen sei sonst gefährdet, sagte er. Vor wenigen Wochen war das Bistum Regensburg in die Kritik geraten, weil die Diözese den Priester erneut in einer Gemeinde einsetzt. Auch die Bürger des nur etwa 800 Einwohner großen Riekofen wussten bis dahin nichts von der Vorstrafe ihres Pfarrers.
Das Bistum Regensburg hatte damals erklärt, dass der Sexualstraftäter nach einer Psychotherapie geheilt sei. Dies habe auch ein psychiatrisches Gutachten ergeben. "Der Facharzt konnte mit Sicherheit feststellen, dass bei dem Geistlichen keine pädophile Fixierung vorliege. Das einmalig abweichende, aber behandelbare Verhalten sei therapeutisch aufgearbeitet und eine Stabilisierung seiner Persönlichkeit erreicht worden", hieß in einer Stellungnahme des Bistums vom 8. August dieses Jahres. Und weiter: "Als Pfarradministrator arbeitet der Geistliche zur allgemeinen Zufriedenheit."
Die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" kritisierte nach den neuen Verdachtsfällen nochmals das Bistum Regensburg. Wenn ein Pfarrer einmal wegen Missbrauchs aufgefallen sei, dürfe er nicht mehr in einer Gemeinde eingesetzt werden, sagte Sigrid Grabmeier vom "Wir sind Kirche"-Bundesteam.
Tiefstes Bedauern
Generalvikar Michael Fuchs zeigte sich schockiert: "Den möglichen Betroffenen gilt unser tiefstes Bedauern. Ihnen werden menschliche, therapeutische und pastorale Hilfen angeboten werden", heißt es in einer Presseerklärung. Der inhaftierte Geistliche sei mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Das Ordinariat vertraue nun auf die zuständigen juristischen Organe.
Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen
Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.
Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.























































































