Wurz
Schwergewichtige Viersaiter mit Soloqualitäten
Abschlusskonzert des Kontrabass-Meisterkurses Pleystein im Wurzer Pfarrgarten mit Christoph Höning
Ein Kontrabass spielt selten allein. Wenn doch, dann fallen meist drei Namen. Karl Ditters von Dittersdorf, Giovanni Bottesini und Sergej Koussevitzki. Sie gehören zu jenen wenigen Komponisten, welche die Bassgeige aus schummrigen Ecken und hintersten Orchesterreihen ins gleißende Solistenlicht rückten. Wen wundert's, wenn dem Instrument da vor lauter Aufregung der eine oder andere Kratzer und Kiekser entfährt.Den einen oder anderen Kratzer und Kiekser gab es auch beim Kontrabasskonzert am Sonntag zu hören. Doch was an diesem entspannten Sommernachmittag im Wurzer Pfarrgarten zählte, waren die ungeahnte Klangschönheit und Beweglichkeit dieses sträflich unterschätzten Instruments. Und das demonstrierten die zehn Teilnehmer des Kontrabass Meisterkurses Pleystein in aller Deutlichkeit.
Schüler von Thomas Jauch
Zum dritten Mal trafen sich vor gut zwei Wochen Kontrabass-Studenten aus aller Herren Länder im Musikzentrum Pleystein, um unter der Leitung von Professor Veit Schüsseler (Musikhochschule Köln) ihr Können zu perfektionieren. Unter ihnen war Christoph Höning aus Neustadt/WN, der nach profunder Ausbildung an der Musikschule Neustadt/WN nun zielstrebig die Bassistenlaufbahn anvisiert. Mittlerweile ist der erst 13-jährige Neustädter festes Mitglied des Ostbayerischen Jugendorchesters und zum Schüler von Thomas Jauch, Solobassist an der Bayerischen Staatsoper München, avanciert.
Als Jüngster eröffnete er den Konzertnachmittag, demonstrierte mit Antonio Capuzzis Konzert F-Dur erstaunlich reifes Spiel. Ihm folgten Studenten aus den USA, Korea, China, Chile und Bulgarien. Für souveränen Begleitservice sorgte Klaus Bernhard Roth am Klavier. Auf dem Programm standen Originalliteratur und Werkbearbeitungen für Kontrabass. Darunter ein mitreißender, temperamentvoll aufgespielter "Kicho" von Tango-Meister Astor Piazzolla.
Virtuose Koreanerin
Konzerthöhepunkt war der Auftritt der Koreanerin Jung-Min Cho, die mit dem Konzert E-Dur von Karl Ditters von Dittersdorf allerletzte Zweifel an den Soloqualitäten ihres Instruments eindrucksvoll beseitigte. Vorbildhaftes Kontrabassspiel, das über intonatorische und klangliche Untiefen erhaben, höchst anspruchsvolle Kontrabassliteratur zum ungetrübten Hörgenuss werden ließ.
Und wer schon immer wissen wollte, wie ein heißer Flirt zwischen Kontrabässen klingt, der war am Ende dieses Konzertnachmittags um eine Hörerfahrung reicher. Mit Bottesinis "Passione amorosa", einem ungeahnt zauberhaften Techtelmechtel zweier schwergewichtiger Viersaiter, verabschiedete man sich.
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