Wurz
Perfekte stimmliche Harmonie
"Affabre Concinui" mit Galaauftritt bei den Wurzer Sommerkonzerten
Sie miauen, gackern, zischen und quietschen. Was sich zunächst wenig nach hoher Kunst anhört, verwandelt "Affabre Concinui" zu äußerst kreativer Vokalmusik. Mit ihrem denkwürdigen Auftritt bereitete das Gesangsensemble über 400 Zuhörern ihres Sommerkonzertes ein ungewöhnliches musikalisches Erlebnis und der diesjährigen Konzertreihe einen neuen Besucherrekord.Sie singen fast überall, sagen die Ausnahmesänger aus dem Posen von sich selbst. Aber zugleich auch fast alles, ist man versucht hinzuzufügen, wenn die glasklaren Stimmen in fünf Sprachen mühelos zwischen Barockliedern, klassischen Kompositionen, Jazz-Perlen sowie Schlagern und Pop-Songs der 50er bis 70er hin und her wechseln.
Bach und Slapstick
Das Repertoire der Kontratenöre Robert Hylla und Leszek Marciniak, Tenor Przemyslaw Czkala, des Baritons Piotr Lewandowski sowie der Bassisten Piotr Dziurla und Arthur Hoffmann scheint keine Grenzen zu kennen: Lediglich die knallige Zugabe "Speedy Gonzalez" und das musikalische Schmuckstück "Badinerie" von Johann Sebastian Bach standen am Samstag ein zweites Mal auf dem Programm.
Letzteres belegte, was die "polnischen Comedian Harmonists" neben ihrem dezenten Humor und kleinen Slapstickeinlagen von anderen "A capella"-Formationen unterscheidet. Nämlich die Veredelung des Gesangs mit eleganter Verve.
Jeder Ton des zweistündigen Vortrags bis hin zum winzigsten, leisen Sing-Sang ist kunstvoll-brillant ausgeformt, die Klangfarbe exzellent und die Feinabstimmung untereinander ohne Makel. "Affabre Concinui" reduziert selbst komplexe Instrumentalstücke auf ihre wesentliche Essenz und findet stets das passende lautmalerische Äquivalent in einer reichen Palette aus Tönen und Geräuschen, um Begleitinstrumente überflüssig zu machen.
Stimmbänder sind nun einmal die variabelsten "Saiten" in der Musik. Und so hängt der Himmel über Wurz voller Geigen, Celli und Trompeten. Oder hallt schon Mal wie beim witzigen Katzenduett aus Gioachino Rossinis "Der Barbier von Sevilla" vom "Gesangsduell" liebestoller Kater wider. Im ersten Teil mit Schwerpunkt auf Klassik und französische Werke der Renaissance glaubt man aus Morleys "Sing we and chant ist" zuweilen gar eine Kirchenorgel herauszuhören.
Die außergewöhnlich kreativen Bearbeitungen zeugen vom tiefen Verständnis für die Musik. So gelingt es in der zweiten Hälfte auch schwierige Passagen der populären Musik wie den Kopfstimmen-Part Hyllas bei Roy Orbisons "Only the lonely" oder die genialen Louis Armstrong- Stimmlage Lewandowskis bei Bob Thieles "What a wonderful world" originalgetreu zu intonieren.
Federleichte Chansons
Man vergisst, dass beim wunderbaren Sommerabend im historischen Pfarrhof um einen herum noch andere Musikfreunde sitzen, wenn Lewandowski als charmanter Chansonier mit "Pour un flirt" oder mit dem polnischen "Pod Papugami" verzaubert oder in das Volkslied "Der Kuckuck" Passagen Mozarts und Beethovens eingearbeitet werden.
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