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22.08.2007  | Netzcode: 11062295  |  242 Mal gelesen.
Sulzbach-Rosenberg

Botschaften aus der Frühzeit

Die Funde von "Arbenhofen" (Ermhof): Heimatkundler besuchen die Grabungsstätte

Sulzbach-Rosenberg. (schß/asj) Schon letztes Jahr lieferten die Grabungen um die 1979 abgerissene Wallfahrtskirche St. Martin im Weiler Ermhof bei Neukirchen für die Siedlungs- und Geschichte unserer Region ganz neue Erkenntnisse. Heuer schloss sich dank weiterer Mittel des Bezirks Oberpfalz, von Sponsoren, der Privatwirtschaft und der Politik ein zweiter Grabungsabschnitt an.

Grabungsleiter Dr. Mathias Hensch erläuterte vor Mitgliedern des Heimatkundlichen Kreises Amberg-Sulzbach die Ergebnisse der momentan laufenden Arbeiten. Da 90 Prozent der Menschheitsgeschichte nicht schriftlich niedergelegt sind, so der anerkannte Experte der Bodendenkmalforschung, stellten die Ausgrabungen von "Arbenhofen" (Hof eines Arbo) einen wichtigen Beitrag zum Kontext von Herrschafts-, Siedlungs- und Kirchengeschichte des Raumes westlich der Vils dar.

Exakte C 14-Datierungen



Dr. Hensch machte klar, dass die Ausgrabungen von Ermhof einen Beitrag zur Identitätsfindung der Menschen in der Region leisten sollen. Viele Erinnerungen an die Geschichte gingen verloren. Die Ausgrabungen und die anschließend durchgeführte C 14-Datierungen wiesen einen ersten Pfostenkirchenbau aus der Zeit des späten 8./frühen 9. Jahrhunderts nach. Es folgte ein Steinbau aus horizontal gelegten Lesesteinen, die Mauer zwei Schuh, also 60 cm breit. Die im Setzmörtel vorgefundenen Holzkohleflitter ermöglichten eine Datierung ebenfalls von der Mitte des 8. Jahrhunderts bis ins zum mittleren 9. Jahrhundert.

Der Steinbau war ein Saalbau mit eingezogener Apsis. Wohl im 11. Jahrhundert wurde das Kirchlein erweitert und ein Rechteckchor an den älteren Saal angefügt. Eine spätmittelalterliche Erweiterung im späten 13./frühen 14. Jahrhundert konnte anhand der gefundenen Gerüstlöcher in die Zeit zwischen 1217 und 1287 bzw. um 1300 datiert werden.

Aufschlussreich sind für die Archäologen und für die aus Ingolstadt hinzugezogene Anthropologin Eva Kropf vor allem die vorgefundenen Gräber. Ein ca. einjähriges Kind ist in einem sogenannten "Steinplattengrab" beigesetzt. Ein besonderer Platz für die Bestattung war zu dieser Zeit die Mitte der Nordwand der Kirche neben dem Portal.

Wenn Skelette erzählen



Im Ermhof fand man möglicherweise die Grablege eines "maior domus", also des Vorstehers des Personalverbands innerhalb einer frühmittelalterlichen Grundherrschaft und seiner Familie. Auf gleicher Ebene lagen an dieser zentralen Stelle ein Kleinkind, eine ca. 35- bis 39-jährige Frau und ein ca. 45- bis 60-jähriger Mann, die zu Lebzeiten offenbar eine enge personale Beziehung zueinander gehabt haben.

Ermhof war demnach als sogenannter Fronhof ursprünglich der Mittelpunkt einer frühmittelalterlichen Grundherrschaft und besaß eine Eigenkirche. Die Kirche St. Martin war dabei für die seelsorgerische Betreuung der Angehörigen der Grundherrschaft zuständig.

Überregional bedeutsam



Ortsheimatpfleger Walter Schraml, der mit seiner Quellenarbeit den Anstoß für die Unterschungen in Ermhof gegeben hatte, und Neukirchens Bürgermeister Winfried Franz warben für die Idee eines kleinen Dokumentationsgebäudes vor Ort. Die Wichtigkeit der Ergebnisse der Ausgrabungen strahlt schließlich weit in die mittlere Oberpfalz und nach Mittelfranken hinein aus.


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