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Von Anastasia Poscharsky-Ziegler  |  21.08.2007  | Netzcode: 11061755  |  359 Mal gelesen.

Vier Tubisten im Ensemble-Rausch

Humorvolles Melton Tuba Quartett begeistert 300 Zuhörer der Wurzer Sommerkonzerte

Püchersreuth/Wurz. Ganze Heerscharen von Streichern gibt es im Orchester. Auch die Bläser sind in Kleingruppen vorhanden, - nur der Tubist führt ein einsames Einzelleben, rechts unten hinten im Orchestergraben.

Vermutlich aus therapeutischen Gründen hat sich daher 1987 bei einem Bewerbungs-Vorspiel um eine Orchesterstelle in Bonn das Melton Tuba Quartett aus hervorragenden Tubisten großer deutscher Orchester zusammen gefunden.

Virtuoses Spiel



Die "Selbsthilfegruppe" vereinsamter Tubisten begeisterte mit virtuosem Spiel und humorigen Moderationen über 300 Besucher im Wurzer Pfarrgarten mit klassischen Bearbeitungen und amerikanischer Originalliteratur. Das in Deutschland einzigartige, nun seit zwanzig Jahren bestehende Ensemble, das charmant immer wieder Parallelen zum zwanzigsten Jubiläum der Wurzer Sommerkonzerte zog, marschierte mit Überraschungseffekt aus dem Obstgarten im Gänsemarsch ein: der "Washington Post March" des amerikanischen Marschkönigs John Philip Sousa und der "Baby Elephant Walk" des Filmkomponisten Henry Mancini ("Peter Gunn", "Moon River") wollten nur zu gut zu den elephantös großen Instrumenten der Marke Melton aus Gold und Silber passen.

Hartmut Müller war hinter seiner riesigen Kontrabasstuba (mit 13 Kilo Gewicht) oft kaum zu sehen. Ähnlich war dies auch bei seinen Kollegen Heiko Triebener , Ulrich Haas und Jörg Wachsmuth hinter ihren verschiedenen Tenor- und Basslagen. Doch wer jetzt Schwerfälligkeit vermutet, der kennt nicht die Zungenfertigkeit und das virtuose Spiel des Quartetts, das bei Rossinis Wilhelm-Tell-Ouvertüre, oder Händels Hallelujah-Chor die Zuhörer verblüffte und erstaunte.

Die samtweich gesanglichen Eigenschaften der tiefen Instrumente kamen dafür beim Walzer von Schostakowitsch oder dem Engelsgesang von John Jacob Niles gut zur Geltung. Das Ohr gewöhnte sich schnell an die akustische Unterwelt und nahm auch zunehmend Obertöne wahr, während die tonalen Abgründe des Kontrabasses schon manchmal in die Kategorie "unanständige Töne" zu verweisen waren.

Die Melodie "Mein Hut der hat drei Ecken" wurde experimentell und lustvoll variiert. "Mitmachen!" hieß es dann im südamerikanischen Programmteil, als aus dem Koffer jede Menge von Percussionsinstrumenten an die Zuhörer verteilt wurde, und Louis Armstrongs Hymne "What a Wonderful World" wurde der Veranstalterin Dr. Rita Kielhorn für ihren kulturellen Unternehmergeist und zwei Jahrzehnte Durchhalten gewidmet.

Augenzwinkernd Adieu



Zu einem höchst amüsanten Tubistenballett mit Klamauk diente zum Finale die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 von Franz Liszt, mit der sich die Tubisten denn doch wohl etwas übernommen hatten. Prompt streikte auch der schmollende Hartmut Müller und ließ seine Kollegen auflaufen, bis der "Kleine grüne Kaktus" augenzwinkernd "Adieu" sagte.

Das Konzert wurde zur Produktion einer Jubiläumsgala-CD professionell aufgezeichnet.


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