Marktredwitz
Bedarf viel größer als das Angebot
Info-Wand im Foyer des Klinikums Fichtelgebirge zum Thema "Organ-Transplantation"
Marktredwitz. (dih) Der Bedarf ist wesentlich größer als das Angebot: In Deutschland besitzen viel zu wenig Menschen einen Organspender-Ausweis. Im Foyer des Klinikums Fichtelgebirge können sich Interessenten an einer Informationswand über die Thematik und die Einzelheiten kundig machen.
Dr. Peter Höcherl, Oberarzt im Klinikum Fichtelgebirge im Haus Selb, Anästhesist und Transplantantionsbeauftragter ist froh, die begehrte Ausstellung des Sozialministeriums, die seit Jahren von Krankenhaus zu Krankenhaus unterwegs ist, nun auch in das Klinikum Fichtelgebirge gebracht zu haben.Wie Dr. Höcherl bedauert, liege eine Entscheidung für die Organspende bei weniger als 30 Prozent der potentiellen Spender vor. Im Klinikum Fichtelgebirge seien das im Schnitt zwei bis drei Spender pro Jahr " . . . manchmal auch überhaupt keiner". Aufklärung und Information sieht Dr. Höcherl deshalb als Grundvoraussetzung für eine individuelle Entscheidung. Diese solle nicht den Angehörigen aufgebürdet werden.
Dr. Höcherl schildert den Ablauf des Prozesses einer Organspende: "Wenn die Entscheidung klar ist, erhält man nach dem Hirntod des Spenders mit intensivmedizinischen Maßnahmen die zu übertragenden Organe bis zur Entnahme funktionstüchtig". Die Vitalfunktion des entnommenen und in einer speziellen Nährlösung aufbewahrten Organs müsse ständig überwacht werden, bis es einem anderen Menschen wieder Leben und Lebensqualität schenken kann.
Lange Warteliste
Nach den Worten von Dr. Höcherl ist die für Deutschland einheitliche Warteliste lang. Verteilt werden die zur Verfügung stehenden Spenderorgane durch eine Vermittlungsstelle nach medizinisch begründeten Regeln - insbesondere nach Notwendigkeit, Erfolgsaussicht und Dringlichkeit. Daraus ergibt sich ein persönlicher "Rangplatz" auf dieser Warteliste, der regelmäßig überprüft wird.
Die Identität des Spenders wird der Empfänger nie erfahren, auch umgekehrt gilt strikte Anonymität. Damit sollen wechselseitige, belastende Abhängigkeiten vermieden werden. Zu wissenschaftlichen Zwecken dürfen gespendete Organe nicht verwendet werden, auch wurde in Deutschland noch kein einziger Fall von Organhandel bekannt. Schon im Jahr 1990 gaben die Kirchen eine gemeinsame Erklärung zur Organtransplantation heraus: "Aus christlicher Sicht", heißt es darin, ist die Bereitschaft zur Organspende nach dem Tod ein Zeichen der Nächstenliebe und Solidarisierung mit Kranken und Behinderten.
Wer sich für das Thema "Organspende interessiert, findet an der Informationswand im Klinikum Marktredwitz sicherlich viel Neues. Die Ausstellung dauert bis 22. August. Außerdem verweist Dr. Höcherl auf das "Infotelefon Organspende", das über die gebührenfreie Rufnummer 0800 / 9040400 erreichbar ist.
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