Wurz
Von der Liebe und von russischen Frauen
Ensemble "Exprompt" muss bei seinen "Moskauer Nächten" in die Wurzer Pfarrkirche St. Matthäus ausweichen
Über Pagagnini wird erzählt, dass ihm einmal bei einem seiner extremen Violinenkonzerte fast alle Saiten seines Instruments rissen und er genauso virtuos auf der einzig verbliebenen weiterspielte. Auch das russische Ensemble "Exprompt" zeigt, obschon ihnen in der voll besetzten Pfarrkirche ein ähnliches Malheur erspart blieb, wie wenig Zutaten vollendete Musik braucht.Im Falle der berauschenden "Moskauer Nächte" von Alexei Kleschtschenko (Balalaika), Olga Kleschtschenko (Domra), Mikchael Totski (Bajan), und Eugueni Tarassenko (Kontrabass-Balalaika) bei den Wurzer Sommerkonzerten am Sonntag waren lediglich einige dreisaitige traditionelle Instrumente, ein reicher Schatz an inpiriertem Volksliedgut und natürlich der Gedanke an einige schöne Mädchen nötig.
Denn um die Liebe und die Frauen geht es in den meisten russischen Liedern, denen sich das Quartett aus dem nordwestrussischen Petrosavodsk nahe des Onegasees zum Abschluss ihrer Sommertour verschrieben hatte. Ob sie nun wie im emotionalen "Das Mädchen Nadja" das seelische Auf und Ab einer launischen Frau oder in der sibirischen Weise "Filzstiefel" eine junge Frau, die barfuß zu ihrem Geliebten geht, beschreiben - das Romantische dominierte.
Doch wer dabei dem Klischee aufsaß und ein zweistündiges, melancholisches Balalaika-Geschrummel erwartet hatte, sah sich getäuscht: In Stücken wie Derbenkos "Waldwiese" oder Iwanows "Eintönig klingt des Glöckchen" schöpften die Musiker die volle Ausdruckskraft ihrer Instrumente aus. Übertroffen wurde Alexeis locker-gekonnte Spielweise lediglich von seiner Lebensgefährtin Olga, die mit ihrer genialen Fingerfertigkeit besonders bei schwierigen Läufen auf dem kleinen Griffbrett ihrer Alt- und Sopran-Domra Staunen ließ. Mit brillanter Technik imitierte sie auch eine Mandoline und ein Banjo.
Das Duo verzauberte im Balalaika- Duell mit aberwitzig schnellen Tänzen, aber auch ruhigeren Dorfliedern. Höhepunkte waren die bekannte Zigeuner-Romanze "Die schwarzen Augen" oder die Fantasie "Die Zigeunerin". Von ihrer beeindruckenden Spielweise dürfte sich sogar Gitarrenikone und "Deep Purple"-Gründungsmitglied Ritchie Blackmore, mit dem "Exprompt" auf Tournee war, noch das eine oder andere abgeschaut haben.
Doch auch Tarassenko - mit seinem Plektrum von der Größe eines Eishockey-Pucks an der unhandlichen Kontrabass-Balaleika zugange - und Totski auf seinem Knopfakkordeon gefielen. Vor allem Totski blieb mit ausgefeilten Solo-Parts nicht in der Begleit- und Statistenrolle und glänzte beim traurigen "Wolgalied" und beim nachdenklichen "Erinnerungswalzer".
Obgleich in ihrem Programm angekündigt verzichteten die Vier dankenswerterweise auf das leider schon etwas abgespielte "Kalinka" und entlockten mit einem griechischen Sirtaki dem begeisterten Publikum, das sich zu keiner Zeit reserviert gab und temperamentvoll mitging, verdiente Beifallsstürme.
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