Kabul/Neu Delhi
Bei den Afghanen wächst die Wut
Isaf fällt es zunehmend schwerer, die Herzen der Menschen zu gewinnen - Zivilisten im Kreuzfeuer
Die "bedauerlichen" Vorfälle in Afghanistan häufen sich: Am Montag starben sieben Kinder bei einem US-Luftangriff in der Provinz Paktika, am Wochenende schoss ein US-Soldat nach einem Anschlag in Kabul "irrtümlich" in die Menge und tötete einen Zivilisten, wenige Tage zuvor starben sieben afghanische Polizisten nach einem "Irrtum" von US-Soldaten.
Auf Seiten der Taliban und der anderen Milizen sieht es nicht anders aus. Auch hier sind bei Anschlägen häufig Zivilisten die Opfer. Doch das Imageproblem haben die ausländischen Truppen, nicht zuletzt die Nato-geführte Schutztruppe Isaf. Sie ist angetreten, Herzen und Köpfe der Afghanen für sich zu gewinnen. Und dies fällt ihr zunehmend schwerer.
In der Bevölkerung wächst die Wut nach jedem tödlichen Angriff jener, die von sich behaupten, sie seien gekommen um zu helfen. Nach Angaben von Hilfsorganisationen in Kabul hat sich die Zahl der getöteten Zivilisten seit Jahresbeginn vervielfacht. Und mit jedem Toten wird die Aufgabe der Isaf schwerer. Die wachsende Zahl ziviler Opfer treibe die Afghanen praktisch in das Lager der Taliban, meinte ein Entwicklungshelfer kürzlich. Dies gilt umso mehr als in der afghanischen Gesellschaft der Rachegedanke noch tief verankert ist.
Karsai kritisiert Koalition
Im vergangenen Jahr waren nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen ein Viertel der 4000 Toten Zivilisten. Und die Entwicklung geht weiter zu Lasten der Zivilbevölkerung. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz drückte Anfang des Monats die Befürchtung aus, dass die Zahl der zivilen Opfer steigen werde. Der afghanische Präsident Hamid Karsai hatte die Koalitionstruppen immer wieder aufgefordert, mehr Zurückhaltung zu üben. In Kreisen der Isaf werden vor allem die USA mit ihrer Anti-Terroroperation Enduring Freedom für die zivilen Toten verantwortlich gemacht.
Beobachter sahen in der schnellen Reaktion des US-Militärs am Montag eine gewisse Umstellung. Nachdem sich das US-Militär sonst oft Zeit lässt mit Erklärungen über zivile Tote, ging es am Montag sehr schnell. Noch bevor örtliche Behörden den Tod der sieben Kinder vermelden konnten, hatten amerikanische Militärsprecher über den Zwischenfall aus ihrer Warte berichtet.
Möglicherweise wolle man mit einer detaillierten Schilderung der Hintergründe verhindern, dass es wieder zu Protesten kommt, hieß es. So erklärten die Amerikaner, dass die El-Kaida-Kämpfer die Kinder bewusst als Geiseln in dem Gebäudekomplex gehalten hätten, in dem auch eine Moschee und eine Religionsschule waren. Zwar werfen die USA den Aufständischen stets vor, Zivilisten als menschliche Schilde zu benutzen, doch diesmal untermauerten sie dies mit der Aussage überlebender Kinder.
Proteste gegen USA
Noch zwei Tage vorher hatten sich die Amerikaner weniger auskunftsfreudig gegeben. Auf Fragen nach einem US-Soldaten, der nach einem Anschlag in Kabul mit vier Toten plötzlich das Feuer eröffnet und einen Zivilisten getötet und mehrere angeschossen hatte, reagierte ein Sprecher spürbar gereizt und verwies auf eine knappe Presseerklärung. Nach dem Vorfall hatte es sofort eine Protestkundgebung von Afghanen gegen die USA gegeben - obwohl die vier Toten bei dem Anschlag selbst auf das Konto der Taliban gingen.







































































