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18.06.2003  | Netzcode: 10102407  |  2082 Mal gelesen.

Kolibris: jetzt heimisch in der Oberpfalz?

Seltsamer Besuch im Garten war wohl doch "nur" ein Schmetterling

MANTEL Er kommt immer am späten Nachmittag, meist Punkt halbsieben: Seit einigen Tagen bekommt Familie Hacker aus Steinfels bei Mantel seltsamen Besuch. Andrea Hacker und ihr Lebensgefährte Guido Hackl saßen beim ersten Kontakt mit der unheimlichen Spezies gerade auf der Terrasse beim gemütlichen Rotwein zusammen, als ein schwirrendes Geräusch ihre Blicke auf das Veronika-Gebüsch im Steingarten lenkte.

Die Lebensform, die da rasant von Blüte zu Blüte flog und Blütennektar schlürfte, war nur wenige Zentimeter lang, oben stahlblau und unten weiß und hatte rote Flügel mit einer Spannweite von vielleicht vier bis sechs Zentimetern. "Ein Kolibri!", waren die Hackers sicher.

Ein Kolibri mitten in der Oberpfalz? Diese seltsame Beobachtung ließ die OWZ nicht ruhen. Wir legten uns bei Familie Hacker auf die Lauer. Und tatsächlich: Wie nach Stundenplan tauchte das eigentümliche Geschöpf auf und vollführte seine Flugübungen nur wenige Meter vor unseren Augen. Es sah in der Tat einem Kolibri verblüffend ähnlich. Für einen Kolibri war es aber ein wenig zu klein, nämlich nur etwa zwei Zentimeter lang.

Der Hummelkolibri ist der kleinste Vogel der Welt und misst gerade mal sechs Zentimeter, Schwanz und Schnabel eingerechnet. Das wäre gerade noch so hingekommen, allerdings kommt der Hummelkolibri nur auf Kuba vor. Eine genauere Betrachtung der Fotos brachte dann etwas mehr Licht ins Dunkel: Der vermeintliche Kolibri hat gar keinen Schnabel, sondern einen Saugrüssel sowie zwei riesige Fühler und ist mithin ein Schmetterling.

Nur welcher genau? Offenbar handelt es sich um eine tagsüber fliegende Nachtfalterart aus der Familie der Schwärmer. Manche Arten aus dieser Gruppe sind nämlich bekannt dafür, in Verhalten und Habitus erstaunliche Ähnlichkeiten zu Kolibris zu haben.

Die OWZ-Redaktion war alsbald vom Kolibri-Fieber gepackt und half zusammen, um den "seltsamen Vogel" genau zu identifizieren. Es gelang schließlich, auf einer Internetseite durch einen Bildervergleich den Flattermann dingfest zu machen.

Und es handelt sich in der Tat um eine Seltenheit: Das possierliche Tierchen hat bezeichnenderweise den Namen Kolibri-Schwärmer, auch Taubenschwärmer oder mit wissenschaftlichem Artnamen Macroglossum stellatarum genannt. Während die meisten der etwa zwanzig europäischen Schwärmerarten eher unscheinbar sind und nur nachts fliegen, lässt sich der "Großzüngige" Falter gerne tagsüber blicken. Immerhin: Ein wenig war es dann ja doch ein Kolibri, wenn auch halt ein Kolibri-Falter.

Harald Mohr

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