Schwandorf
„Das finstere Tal“ von Thomas Willmann
Lesen, lesen, lesen
Manches Mal fesselt ein Buch so sehr, dass man es nicht eher aus der Hand legt, bevor man die letzte Seite gelesen hat. Im Alltag lässt man dann alles stehen und liegen, der Haushalt ruht, die Steuererklärung wird nicht gemacht, das Licht nicht ausgedreht. Im Urlaub kommt das öfter vor, dass ich den ganzen Tag lese: im Hotel, im Café, am Strand. Nie gehe ich dann ohne Buch aus.Letzte Woche ging es mir mit einem Buch zum zweiten Mal so. (Das erste Mal las ich den Schluss des Buches „Der vollkommene Schmerz“ von Ugo Riccarelli in einer halben Nacht aus. Dieses Buch ist gerade jetzt aktuell, nachdem der Internationale Gerichtshof Entschädigungszahlungen des deutschen Staates an einen toskanischen Zwangsarbeiter ablehnte.) Jetzt war ich in wenigen Tagen in der Mitte des Buches „Das finstere Tal“ von Thomas Willmann angelangt und dann konnte ich den spannenden Roman nicht mehr aus der Hand legen und erst um 2 Uhr, also mitten in der Nacht, drehte ich nach der letzten Seite das Licht aus.
In einem abgelegenen, düsteren Hochtal, in dem eine „verschworene Dorfgemeinde“ ihr beschwerliches Dasein fristet, erscheint ein junger Maler und bleibt dort über den Winter. Bald schon unterbricht eine mysteriöse Todesserie das eintönige Leben der Menschen, zwei von sechs Söhnen des Brenner-Bauern kommen ums Leben. Der alte Brenner-Bauer und seine Söhne haben das Sagen im Dorf und es gibt noch einen Dorfpfarrer. Willmanns Sprache ist beeindruckend, jedes Wort scheint überlegt, dicht und atmosphärisch, wie es so schön heißt. Der Roman erinnert mich an „Via Mala“ von John Knittel und an Ludwig Ganghofer, an klassische Heimatliteratur eben, oder an Heimatfilme wie „Und ewig singen die Wälder“ oder „Das Erbe von Björntal“.
Man weiß in der ersten Buchhälfte nicht, was noch passieren wird, aber irgendetwas braut sich zusammen in dem abgelegenen Hochtal. Liegt etwa ein Fluch auf der Gegend? Ich darf hier nicht mehr verraten, aber das Erstlingswerk (!) von Thomas Willmann sollte man wirklich lesen, wenn man gute und spannende Literatur genießen will. Allerdings sollte man auf alles gefasst sein ...
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