Von Bürgerreporter/in Petra Scharf  |  01.02.2012  | Netzcode: 3125696  |  278 Mal gelesen.Beitrag einer OWZ-Bürgerreporter/in
Amberg

Startschuss zum diesjährigen Gesundheitsforum

Beitrag zur Geriatrie und Frührehabilitation nach dem Motto “Heim oder heim?”

Bild zu Beitrag zur Geriatrie und Frührehabilitation nach dem Motto “Heim oder heim?” gibt den Startschuss zum diesjährigen Gesundheitsforum
Dr. Jens Trögner ist Leiter der Abteilung Geriatrie und Frührehabilitation am Klinikum St. Marien.
Der demografische Wandel in Deutschland ist gekennzeichnet durch eine niedrige Geburtenrate und eine abnehmende Bevölkerungszahl. Darüber hinaus ist die Zunahme des Anteils älterer Menschen in Deutschland nicht zu übersehen. Die über 90-Jährigen stellen die am schnellsten wachsende Gruppe dar. Auch in Amberg hat man eine Zunahme bei den über 75-Jährigen um 39 Prozent in den letzten 15 Jahren zu verzeichnen, Tendenz steigend.

Immer mehr Menschen werden bei immer besserer geistiger als auch körperlicher Leistungsfähigkeit immer älter. Doch die zusätzlichen Lebensjahre sind nicht zwangsläufig immer auch mit gesunden Lebensphasen verbunden. Bei einem wachsenden Anteil älterer und hochbetagter Menschen werden die Sozialsysteme wie etwa Gesundheitssystem oder Pflegeversicherung künftig sowohl mit steigenden Ausgaben als auch mit tendenziell sinkenden Einnahmen konfrontiert.

„Ursächlich für den Ausgabenanstieg ist der zunehmende Bedarf an Leistungen. Hinzu kommen eine wachsende Belastung für die Familien zum Beispiel bei Krankheit oder Pflegebedürftigkeit ihrer älteren Angehörigen. Ziel muss es also sein, die älteren Menschen so lang wie möglich selbständig und fit zu erhalten“, so Dr. Jens Trögner, Leiter der Abteilung Geriatrie und Frührehabilitation am Klinikum St. Marien, die im November 2011 mit 24 Betten für ältere und vor allem hochbetagte Patienten (älter als 80 Jahre) eröffnet wurde. Die Station wurde umfangreich auf die Bedürfnisse und Erfordernisses der Geriatrie hin umgestaltet: Es wurden große Zwei-Bettzimmer wegen der erforderlichen Hilfsmittel eingerichtet sowie zwei Therapieräume direkt auf der Station und ein Speise- und Aufenthaltsraum zur Aktivierung durch Essen in der Gemeinschaft, zur Betreuung von schluckgestörten Patienten und für die Therapie in Kleingruppen.

Die Aufnahme der Patienten in diese Abteilung erfolgt über die Notaufnahme, durch direkte Einweisung, von anderen Stationen im Haus oder auch aus anderen Kliniken.

Typische Diagnosen sind: Allgemein-Internistische Krankheitsbilder (wie Herz- und Niereninsuffizienz, Lungenembolie etc.), neurologische Erkrankungen (zum Beispiel Schlaganfall, Parkinson etc.), psychiatrische Erkrankungen (Abklärung von Demenzen, Behandlung von Depressionen im Alter) und unfallchirurgisch-orthopädische Krankheitsbilder (nach Schenkelhalsfrakturen, Wirbelkörperfrakturen etc.).

Im Rahmen von Assessments (Einschätzungen, Beurteilungen) wird der Allgemeinzustand der Patienten, wie sein Ernährungszustand oder das Sturzrisiko begutachtet. Neben medizinischen Untersuchungen wird auch überprüft, wie selbständig die Patienten in der Alltagsbewältigung noch sind, bzw. ob es eventuelle Anzeichen für eine Depression oder eine Demenz gibt. Erst dann beginnt das individuelle Behandlungsprogramm. Die Geriatrie arbeitet eng mit den anderen Fachabteilungen im Haus zusammen.

Sofern der Gesundheitszustand der Patienten es zulässt, werden gleichzeitig mit der medizinischen Behandlung auch die ersten Reha-Maßnahmen eingeleitet. „Je früher man mit der Reha beginnt, desto größer sind die Erfolgsaussichten“, weiß Dr. Trögner. Ärzte, Pflegepersonal, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen und Überleitungspflegekräfte behandeln die Patienten.

„Ein 80-Jähriger, der beispielsweise nach einer Operation zehn Tage im Bett liegt, verliert enorm an Muskelkraft“, so Dr. Trögner. Deshalb sollte gerade bei älteren Patienten möglichst schnell mit Rehamaßnahmen begonnen werden. „Am besten gleich im Krankenhaus“, erläuterte er beim ersten Vortrag des diesjährigen Gesundheitsforums.

“Ein Teil der Patienten kann unmittelbar nach der Früh-Rehabilitation nach Hause oder ins Pflegeheim entlassen werden. Aber auch die möglichst nahtlose Weiterversorgung in einer klassischen Reha-Klinik kann sinnvoll sein, wenn die Patienten soweit sind, dass sie an den dort angebotenen Therapien aktiv teilnehmen können“, so Dr. Trögner über die Vorteile der Frührehabilitation.

Gemäß dem Motto der Geriatrie „Nicht dem Leben Jahre geben, sondern den Jahren Leben“, stehen Lebensfreude und Leistungsfähigkeit ganz im Vordergrund. Gesund zu sein und zu bleiben und so lange es geht, selbständig im Leben zu stehen, das sind die Wünsche für die Zukunft eines alternden Menschen.


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