Luhe-Wildenau
Pflege macht arm!
Sehr verehrte Leser,möchte Ihnen interessanten Leserbrief vorstellen, bestimmt interessant.
Der Titel: Pflegefall -Sozialfall-Unterhaltsfall?
Am 23. April war die Welt noch in Ordnung.
Am 24. April hatte der 60-jährige Josef einen Schlaganfall, den er glücklicherweise überlebte, der ihn zum dauerhaften
Pflegefall machte.
Seine Ehefrau Maria, 54 alt, tat alles, was man nur tun konnte, um ihren geliebten Ehemann zu pflegen und zu betreuen.
Dafür gab sie zunächst ihre Arbeitssteller auf und pflegte ihn zuhause.
Anfangs gab es noch Hoffnung, dass sich nach einer gewissen Zeit die gewohnte Vitalität wieder herstellen ließe.
Josef war kräftig gebaut und seiner zierlichen Frau Maria fehlte schon die körperliche Kraft, den 90-kg-Mann zu bewegen, zur Toilette zu bringen und zurück und alles andere zu tun, was nötig war.
Das kleine zweigeschossige Reihenhaus war zudem von vorn eingeengt gar nicht geeignet, dieser Aufgabe einigermaßen
zu entsprechen.
Hinzu kamen ganz andere Probleme, auch in Form der plötzlichen auftretenden Finanzengpässe, die Marias Psyche
extrem belasteten.
Josef hatte als Meister in einem Metallbaubetrieb ein gutes Einkommen. Zusammen mit dem der Ehefrau, die als
Sachbearbeiterin verkürzt arbeitete, kamen jeden Monat rund 3000 Euro netto in die Familienkasse.
Die Kinder waren schon lange aus dem Haus und sie hatten nichts auszustehen,
Das Haus war abbezahlt und ein neuer Passat stand in der Garage.
Der Pkw war allerdings auf vier Jahre vorfinanziert, weil sie das bisher mit jedem Auto so gehandhabt hatten und weil
ohnehin gerade das Sparguthaben der Familie ziemlich gering war.
In den letzten beiden Jahren hatten sie gerade das kleine Häuschen auf Vordermann gebracht mit allem, was auch dazu gehört - Photovoltaik, energiesparender Wärmedämmung und neuer Heizungsanlage, etc.
Einen Kredit wollten sie dafür nicht aufnehmen, das Geld war ja da.
Heute sieht das Maria etwas anders. Das Krankengeld ihres Mannes reichte gerade so zum Leben und für die
Kfz-Raten. Dabei war das gar kein Leben, denn Maria kam kaum aus dem Haus.
Ihr Mann benötigte fast rund um die Uhr Pflege. Etwas einkaufen und fertig.
Alle Fixkosten liefen zunächst weiter, auch ihre nicht so schnelle Mitgliedschaft im Fitness-Studio und seine im
Fußball- und Kegelklub.
Maria hatte seit ihrer Aufgabe ihrer Beschäftigung keine eigenes Einkommen mehr.
Jetzt musste sie mit einem Bruchteil dessen auskommen, das früher da war und in Kürze sollte über die
Berufsunfähigkeitsrente ihres Mannes entschieden werden. Diese endet dann (wie früher es vor
25 Jahren vereinbart wurde) aber ohnehin, wenn Josef 62 Jahre alt wird.
Die gesetzliche Pflegeversicherung übernahm nur einen Bruchteil der Kosten, weil Marias Arbeit als
Laienpflege eingestuft war und nur mit einem symbolischen Betrag entlohnt wurde.
Und es sollte noch schlimmer kommen.
Josef musste ins Pflegeheim.
Sämtliche Umstände ließen nur diese eine Lösung zu.
Maria war fix und fertig. Körperlich und seelisch.
Und finanziell!
Ihr Ehemann konnte ihr nicht helfen und auch nicht die Kinder, die über 100 km entfernt wohnten und
arbeiteten.
Die Autobank forderte die Raten und Maria wusste nicht, wie sie sie aufbringen sollte.
Sie hatte Rückenprobleme und war urlaubsreif - konnte aber kaum die Arzttermine zeitlich einordnen und wahrnehmen.
Nach einem Jahr gab Maria auf.
Die behandelten Ärzte hatten jede Hoffnung auf Genesung aufgegeben
Josef war ein dauerhafter Pflegefall und Maria war mental und und körperlich nicht in der Lage, das zu verkraften.
Josef brauchte einen Pflegeheim-Platz!
Dieser war glücklich schnell gefunden. Leider zu Konditionen, die für die Familie völlig überraschend waren.
Über 3900 Euro sollte der Heimplatz kosten.
In der Hoffnung, doch noch etwas tun zu können, hatten sich Maria und die Kinder für diesen
Platz in einem spezialisierten Pflegeheim entschieden und sie waren bereit, diese Kosten zu tragen.
Von der Pflegeversicherung erhielten sie einen Zuschuss von 1500 Euro und für die offenen 2400 Euro hatte auch das
Sozialamt Hilfe zugesagt.
Das Sozialamt half wirklich schnell.
Genauso schnell kam aber auch ein dicker Brief mit allerlei Fragebögen zur finanziellen Situation der
Familie (ja, auch die der Kinder) und eine Ankündigung, für die gewährten “Darlehen” Sicherheiten in Form einer Grundschuld eintragen zu wollen.
In der Folge wurde das komplette Vermögen von Josef in die Pflege gesteckt und zusätzlich die Kinder zum Unterhalt verpflichtet.
Josef starb nach 8 Jahren.
Für die Familie war es eine Erlösung.
Nach weiteren 2 Jahren kam es zu Zwangsversteigerung eines kleinen topmodernisierten Reihenhauses.
Die Kinder von Josef waren finanziell so angeschlagen, dass sie nicht in der Lage waren, für ihre Mutter
das Haus zu ersteigern.
Maria lebt heute in einer Mietwohnung und bezieht Grundsicherung, da ihre Rente nicht ausreicht, den Lebensunterhalt zu bestreiten.
Diese Geschichte hat kein Happy-End!
Anmerkung: Personen und Orte sind frei erfunden!



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