Winterfest beim "Winterfest"
Aktionstag im Geschichtspark: Überleben im Mittelalter
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| Mittelalterliches Schlittschuhfahren war wegen mangelnder Eisschicht leider nicht möglich. Dr. Stefan Wolters zeigt dafür einen "Schlittschuh": Ein simpler Mittelfußknochen eines Rinds. Bild: Harald Mohr |
Wir klopfen. Man lässt uns ein. Ein paar Männer und Frauen hocken um ein Feuerchen herum, das auf einer Art Wohnzimmertisch brennt. Beißender Qualm ist in der Luft. Das Feuer ist die einzige Wärmequelle in dem Holzhaus. Am Tisch nebenan flackern ein paar Kerzen aus Rindertalg, der in Tonschüsseln gefüllt wurde.
Bitte Platz zu nehmen. Auf der harten Holzbank kommt es von vorne heiß und von hinten eiskalt. Die Menschen sitzen eng aneinander gekuschelt da. Man kann gerade noch ihre Gesichter im Flackerlicht erkennen. Lesen? Fehlanzeige. Macht aber nix, denn im Mittelalter gab es ja auch nichts zu lesen.
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| Lesen war bei dieser Funzelbeleuchtung nicht möglich. Egal: Es gab ja auch nichts zu lesen. Bilder: Harald Mohr |
Alles hier ist authentisch Mittelalter. Kein Strom, kein Handy, nicht einmal fließendes Wasser gibt es hier. Das ist die Idee des Geschichtsparks. Dass alles auch authentisch bleibt, darüber wacht Dr. Stefan Wolters, der wissenschaftliche Leiter des Geschichtsparks. Ausgerechnet jetzt läutet sein Handy. Die Besucher aus der Jetztzeit dürfen natürlich alles mitnehmen, was unsere Zivilisation so erfunden hat.
Nur die „Darsteller“ müssen absolut mittelalterlich leben, so sind die Spielregeln. Nun ja, bis auf wenige Ausnahmen: Eine moderne Sanitäranlage steht im Hauptgebäude zur Verfügung, für den kurzen Zeitsprung zwischendurch. Beim Essen dagegen gibt es keine Ausnahmen: „Sie haben originale Gerichte gekocht“, ist Dr. Stefan Wolters begeistert. „Gerichte“ ist leicht übertrieben: „Es gab hier leckeren Hirsebrei.“ Den Archäologen freut’s, denn Hirsebrei hat man damals tatsächlich gegessen: „Man weiß das aus angebrannten Speiseresten in Töpfen.“
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| Ulrike Gschwendtner (von links) und Sylvia und Rainer Suttner aus Weiden fühlen sich sichtlich wohl in ihrem spätmittelalterlichen Haus. |
Als Lohn für ihre Entbehrungen haben Rainer und Sylvia Suttner, Ulrike Gschwendtner und Jonas Murr aus Weiden hier auch ein kostenloses Wochenendhaus. Sie sind die „Hauspaten“ des Hochmittelalter-Hauses, in dem wir gerade sitzen. Schon beim Ausbau des Holzhauses haben sie mitgearbeitet. Wenn es heuer fertiggestellt wird, werden sie auch hier übernachten. „Es ist direkt vor unserer Haustür“, freuen sich die vier, die sich zur zwanglosen Gruppe „IG Bürgertum um 1250“ zusammengefunden haben.
Das Projekt Geschichtspark Bärnau-Tachov passt in die Zeit. Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, wie die Altvorderen tatsächlich gelebt haben. Und sie verzichten gerne für ein paar Stunden oder wenige Tage auf die Annehmlichkeiten der Zivilisation. Manche pilgern regelrecht von einer Location zur anderen. Dem „Projekt erster Kreuzzug“ zum Beispiel kam der Geschichtspark gerade recht. „Ragna“ aus Speyer und „Sebastian aus Utrecht“ aus dem holländischen Ort Lopik haben es sich zusammen mit Hund „Lancelot“ im Flechtwandhaus gemütlich eingerichtet. Die Mitglieder der Gruppe haben sich zum Ziel gesetzt, einen Tross auf dem Weg ins „Heilige Land“ zur Zeit des ersten Kreuzzuges (1096 bis 1099) geschichtsnah darzustellen.
Was den Einen ihr Hobby, ist von Wert für die Wissenschaft: Kann man tatsächlich so leben, wie es die archäologische Forschung herausgefunden hat, in einem einzigen Raum, in dem ein Feuerchen brennt? Erstes Ergebnis: Man kann. Im Hochmittelalterhaus zieht der Rauch effektiv ab. Rainer Suttner, im wirklichen Leben Bauzeichner, ist begeistert: „Das Haus steht in der Hauptwindrichtung.“
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| Gar nicht mal so ungemütlich: Mittelalterliche Schlafstatt. |
Das nach originalen Funden exakt nachgebaute Haus verfügt somit sozusagen über eine Klimaanlage: Der vorherrschende Westwind bringt frische Luft und bläst gleichzeitig den Rauch aus dem Häuschen. Nicht alle „Darsteller“ sind so detailverliebt wie Rainer Suttner. „Manche kommen aus der Großstadt und schauen hier einfach nur die Sterne an“, weiß Dr. Stefan Wolters. Die kann man hier besonders gut sehen, denn im Osten ist die Gegend weitgehend unbewohnt. So wie im Mittelalter eben. Harald Mohr
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