25.01.2012  | Netzcode: 3116769  |  210 Mal gelesen.

Mehr Kirwabäume als Windräder

Landrat Richard Reisinger hält kabarettreife Neujahrsrede - ATZ Teil des Fraunhofer-Forschungszentrums

Rund 300 Gäste waren zum Neujahrsempfang geladen.
Rund 300 Gäste waren zum Neujahrsempfang geladen. Jeder bekam vom Landrat Richard Reisinger (Bild) und seinen Stellvertretern Franz Birkl, Richard Gaßner und Martin Weiß die Hände geschüttelt. Bild: Harald Mohr
AMBERG-SULZBACH. Wenn der Landrat, bekennender Grußwort-Hasser und Kurzredner Richard Reisinger beim Neujahrsempfang im König-Ruprecht-Saal des Landratsamts seine Neujahrsrede hält, muss dabei etwas Besonderes herauskommen. Am vergangenen Sonntag war es wieder soweit.

Für seine kabarettreife Satire-Rede hätte Richard Reisinger Eintritt verlangen können, stattdessen gab es noch geschmortes Hirschragout mit Semmelknödel und Blaukraut, vom Chefkoch des Sulzbach-Rosenberger St. Anna-Krankenhauses Andreas Gallner zubereitet, als Dreingabe.

Schließlich mussten die geladenen Ehrengäste für ihr Stehvermögen entlohnt werden. Der Landrat weiß, wie sehr das gebraucht wird, schließlich gehörten zu seinen Aufgaben "unzählige Neujahrsempfänge, bei denen der Norovirus nachhaltig in seiner Verbreitung gefördert wird". Und nun "droht mir bereits die Faschingssaison", ätzte Richard Reisinger weiter. Eine Zeit, in der der Landrat "am liebsten einen Winterschlaf anberaumen" würde, um nicht als "tanzende Rampensau" auftreten zu müssen.
Ausnahmsweise eine lange, aber kurzweilige Rede
Ausnahmsweise eine lange, aber kurzweilige Rede hielt Richard Reisinger am Sonntag im König-Ruprecht-Saal des Landratsamtes. Bilder: Harald Mohr


Schon jetzt denkt Richard Reisinger an den Sommer mit seinen vielen Festen. Kurz: "Die Zeit, bei der unser Suchtarbeitskreis wieder an die Grenzen seiner Überzeugungsarbeit gelangt." Es sei "die Zeit der Festzelte mit den Toilettenwagen auf durchfeuchteten, verschlammten Wiesen", in denen es immerhin zu "intensivsten Bürgerkontakten" komme.

Zum Thema erneuerbare Energien beruhigte Richard Reisinger: "Die Zahl der Kirwabäume wird auch künftig die der Windräder deutlich überschreiten." Die gut funktionierende Abfallwirtschaft hat für ihn noch einen sozialen Nebeneffekt. Die Wertstoffhöfe seien "die heimlichen Gemeindezentren". Dass die Landkreisbürger im Vorjahr 2800 Tonnen Sperrmüll angeliefert haben, lässt für ihn den Schluss zu: "Eine Vielzahl an Häusern und Wohnungen scheint leerzustehen."
Johann Georg Pickel aus der Gemeinde Weigendorf
Johann Georg Pickel aus der Gemeinde Weigendorf bekam vom Landrat die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.


Natürlich gab es auch noch genügend Fakten zu berichten. So freut sich der Landrat darauf, dass das ATZ-Entwicklungszentrum in Sulzbach-Rosenberg künftig in das Fraunhofer-Forschungszentrum eingegliedert wird. Der Landkreis Amberg-Sulzbach wirtschafte solide, "und das nicht erst seit der Ära Reisinger". Man baue kontinuierlich Schulden ab: 2003 seien es noch 30,04 Millionen Euro gewesen, 2011 nur noch 11,24 Millionen Euro. Bei der Breitband-Versorgung gebe es "einzelne Silberstreifen am Horizont", dennoch forderte er: "Liebe Landespolitik, rüstet diesbezüglich finanziell auf!"

Richard Reisinger bedauerte die zunehmende Bürokratie: "Zu 80 Prozent ist aus einem bayerischen Landrat ein Behördenleiter für staatliche Aufgaben geworden, die sich der politischen Einflussnahme grundsätzlich entziehen." Der Landrat erinnerte auch daran, dass heuer vor 40 Jahren bei der Gebietsreform eine Neugliederung der bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte erfolgte.

"Die Altlandkreise Amberg mit ehemals 62 Gemeinden und Sulzbach-Rosenberg mit 31 Gemeinden wurden zusammengelegt." Am 17. Juni wolle man das "flankiert von unserem Rosenfest" feiern. Harald Mohr
Johann Weigert aus Rieden (Zweiter von links) und
Johann Weigert aus Rieden (Zweiter von links) und Wolfgang Kredler aus Gebenbach (Dritter von rechts) bekamen die kommunale Verdienstmedaille. Es gratulierten auch der Riedener Bürgermeister Gotthard Färber (links), der Gebenbacher Bürgermeister Peter Dotzler (rechts), der Landrat (hinten links) und der Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl (hinten rechts).


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