Von Harald Mohr  |  20.12.2011  | Netzcode: 3081312  |  186 Mal gelesen.
Windischeschenbach

Das Christkind kommt mit dem Zug

Modellbahner vertreiben an Heiligabend die Wartezeit

Robert Beer ist der erste Vorsitzende der
Robert Beer ist der erste Vorsitzende der Modelleisenbahnfreunde Windischeschenbach. Bild: Harald Mohr
Wie verbringt man den gefühlt längsten Tag des Jahres kurzweilig bis zur Bescherung? Diese Frage stellen sich am Heiligabend Millionen. Die Modelleisenbahn-Freunde Windischeschenbach haben eine Lösung: Von 9 bis 12 Uhr kann man in den neuen Vereinsräumen an der Mittelschule mit den Modellbahnern gemeinsam aufs Christkind warten.

Auf der großen Clubanlage ist dann die Nebenbahn in Betrieb, ebenso die sogenannte „Spiegelbahn“, die dank seitlicher Spiegel optisch größer wirkt. Dazu kommt die Bahn, die eigentlich eine Autobahn ist: Auf einer eigenen Anlage betreiben die Fans das „Faller-Car-System“, bei dem die Eisenbahn nur eine Nebenrolle spielt. Und wer an diesem Tag mit Schrecken entdeckt hat, dass eine Lok nicht mehr auf der wieder aufgebauten Weihnachtsanlage läuft, kann sie in einer Last-Minute-Aktion zu den Modellbahnern bringen, die dann versuchen, sie bis zum Fest wieder zum Laufen zu bringen.
Ist diese Feuerwehr-Übung Realität oder Modell?
Ist diese Feuerwehr-Übung Realität oder Modell? Bild: Harald Mohr


Die Gelegenheit nutzen die Modellbahner auch, um ihr Image zu verbessern. Robert Beer, der erste Vorsitzende des Vereins, weiß nur zu gut, wie das oft aussieht: Ein Mann mit einer Dienstmütze auf dem Kopf und einer Abfahrtskelle in der Hand, offensichtlich in die frühe Kindheit zurückgefallen, steht da albern neben einem kleinen Schienenoval, auf dem sinnlos Züge im Kreis herum in irrwitziger Geschwindigkeit ihre viel zu engen Kurven ziehen.

„Wir wollen aus der Ecke Spielbahner“ rauskommen“, sagt Robert Beer. Denn das Modellbahner-Hobby, konsequent zu Ende gedacht, ist eines der anspruchsvollsten überhaupt. In einem fiktiven „Stellenangebot“ sucht der Verein „Modellbauer, Elektroniker, Feinmechaniker, Gleisbauer, Landschaftsgärtner, Schreiner, Stuckateure und Waggonbauer“. So vielseitig sind die Ansprüche, dass sich in einem Verein wie dem MEF Windischeschenbach Spezialisten für die einzelnen Aufgaben herausbilden.
Viel mehr als nur Eisenbahn: Auf einer eigenen
Viel mehr als nur Eisenbahn: Auf einer eigenen Anlage steht der Straßenverkehr mit im Vordergrund. Hier fahren gerade zwei Lastwagen des "Faller-Car-System" am Garten der Klinik vorbei. Bild: Harald Mohr


Robert Beer etwa, der im „normalen Leben“ als Baumaschinen-Servicetechniker arbeitet, kennt sich hervorragend mit Elektronik aus. Die gesamte Zugsteuerung der Anlagen stammt von ihm. Andere schaffen es, liebevoll kleine Szenen mit den Miniatur-Figuren zu drapieren, die auf einem Foto kaum mehr von der Realität zu unterscheiden sind. Und wieder andere wissen genau, welche Lok zu welchen Waggons passt. Diese Ansammlung von Spezialisten zieht immer weitere an. „Wir sind mittlerweile der größte Modellbahnclub der Oberpfalz“, ist Robert Beer stolz. Und man sorgt dafür, dass das auch so bleibt. Von den 80 Mitgliedern sind 20 Jugendliche. „Sie sind bei uns mittendrin.“

In allen genannten Bereichen kann man hier etwas lernen, was auch im späteren Berufsleben hilfreich sein kann. „Eines unserer Mitglieder ist inzwischen Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mechatronik der Universität Bayreuth“, ist Robert Beer stolz. Angefangen hat bei diesem Mitglied alles mit dem Aufbau kleiner Schaltungen im Modellbahnclub.
Das ist die Anlage mit dem "Spiegel-Trick".
Das ist die Anlage mit dem "Spiegel-Trick". Bild: Harald Mohr


Ein weiteres Vorurteil ist, dass Modelleisenbahner sich von ihrer Umgebung abschotten und sich nostalgischen Gefühlen hingeben. „Modelleisenbahn ist nicht nur Nostalgie, sondern auch Gegenwart“, widerspricht Robert Beer und betont: „Wir gehen auch raus.“

Zum Beispiel war man am zweiten und dritten Adventswochenende auf dem Weihnachtsmarkt auf Schloss Wildenreuth mit einer Anlage präsent. Einmal setzten sich Mitglieder in den ICE und brausten nach Hamburg, wo die berühmte Riesen-Anlage „Miniatur-Wunderland“ in der Speicherstadt besichtigt wurde. Und in den Schulferien unternimmt man Sonderfahrten im Rahmen des Ferienprogramms der Stadt Windischeschenbach.
Wer etwas über Elektronik lernen will, hat bei
Wer etwas über Elektronik lernen will, hat bei den Modelleisenbahnfreunden dazu reichlich Gelegenheit. Bild: Harald Mohr


Wer mehr über den Verein wissen will: Unter www.mef-wesb.de steht alles. Und man kann natürlich auch gerne mal vorbeischauen. Jeden Dienstag und Freitag ab 19.30 Uhr (Zugang über den Weg links vom Haupteingang der Schule). Der Freitag ist speziell auch für die Jugendlichen gedacht, weil sie am Freitag länger aufbleiben können.

Am 12. Februar 2012 ist die offizielle Eröffnung der neuen Vereinsräume mit einer Verkaufsbörse. Die Details zu dieser Veranstaltung erfährt man aktuell im Internet.

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