Von Harald Mohr  |  16.11.2011  | Netzcode: 3039863  |  219 Mal gelesen.
Wöllershof

Fische aus der Urzeit

Sterlet aus Wöllershof soll in der Oberpfalz wieder heimisch werden

Seit Jahrmillionen haben Sterlete ihr Aussehen
Seit Jahrmillionen haben Sterlete ihr Aussehen nicht mehr verändert. Archivbild: Mohr
Er sieht aus wie ein Tier aus der Urzeit: Der Sterlet, der im Teichwirtschaftlichen Beispielbetrieb des Bezirks Oberpfalz Wöllershof vermehrt wird. Mit seinem unterständigen Maul und dem nach oben gebogenen Schwanz erinnert der Sterlet an einen kleinen Hai.

Tatsächlich sind die Störe, zu denen der Sterlet gehört, wie die Haie sehr altertümliche Tiergruppen, auch wenn Störe zu den Knochenfischen und nicht wie die Haie zu den Knorpelfischen zählen. Dafür haben Störe statt der üblichen Schuppen schwere Knochenplatten.

Der natürliche Lebensraum der meisten Störarten sind die Küstengebiete der Nordhalbkugel, zum Laichen wandern sie aber teilweise weit in die Flüsse ein. Heute verhindern das Kraftwerke und Staustufen. Der Sterlet, die kleinste Störart, ist die einzige, die das ganze Jahr über im Süßwasser der Flüsse lebt. Früher war der Sterlet in der Donau bis hinauf nach Ulm und in unserer Region sogar bis in die Zuflüsse Naab, Regen und Schwarze Laaber heimisch.

Wollen die Verbreitung der Sterlete erforschen:
Wollen die Verbreitung der Sterlete erforschen: Doktorandin Anja Nastoll und Norbert Pichlmaier von der Fachberatung für Fischerei der Oberpfalz. Bild: Harald Mohr
Mit einem Artenhilfsprojekt will der Landesfischereiverband den Sterlet hier wieder ansiedeln. Schon im vergangenen Jahr hat man zu diesem Zweck Sterlete aus Wöllershof jeweils in den Mündungsbereichen dieser Flüsse eingesetzt, die genetisch identisch mit den früher hier lebenden Fischen sind.

Bis ins Jahr 2013 will der Landesfischereiverband jetzt weitere Sterlets einsetzen, dies aber zusätzlich wissenschaftlich begleiten. Ab 1. Januar 2012 wird die aus Grafenwöhr stammende Biologin Anja Nastoll diese Aufgabe im Rahmen ihrer Doktorarbeit übernehmen. Die Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberpfalz erwartet von den Ergebnissen detaillierte Erkenntnisse zur Lebensweise dieser Fischart und hofft auf eine ökologische Aufwertung der Donau.

Um zu erfahren, was die ausgesetzten Sterlets so treiben, wird jeder mit einem farbigen Punkt am Bauch markiert. In jedem Jahr wechselt die Farbe wie beim TÜV-Siegel, so dass man an einem gefangenen Sterlet erkennen kann, wann er ausgesetzt wurde. Anhand der Stelle, an der der Farbpunkt sitzt, kann man zudem sehen, an welcher Stelle er ausgesetzt wurde. Ein Angler oder Fischer, der einen der Sterlete fängt, meldet seinen Fang und setzt den unter strengen Artenschutz stehenden Fisch wieder aus.

Einige Sterlete werden sogar mit einem kleinen Sender ausgestattet, so dass man immer verfolgen kann, wo sie gerade herumschwimmen. Jedes Jahr werden im Zeitraum 2010 bis 2013 6000 ein Jahr alte und dann rund 25 Zentimeter lange Sterlete ausgesetzt, insgesamt also 24 000. Bei dem Projekt geht es aber um mehr als die Erhaltung einer einzigen Fischart. Sterlete sind sogenannte "Leitfische" im Donauraum. Das bedeutet, dass überall dort, wo es Sterlete gibt, die Gewässerökologie stimmt und sich allmählich der ursprüngliche Artenpool wieder einstellt. Auch will man mit dem Projekt überprüfen, ob die heute überall an Staustufen angebrachten "Wanderhilfen" auch tatsächlich angenommen werden. Wie bei jeder wissenschaftlichen Arbeit ist kein Ergebnis auch ein Ergebnis: Sollte die Wiederansiedlung nicht gelingen, kann man die Ursachen erforschen und bei künftigen Aktionen dieser Art verwerten.

Sollte die Wiederansiedlung gelingen, wird es bis zu 15 Jahre dauern, bis sich wieder die ursprüngliche Populationsdichte eingestellt hat. Vielleicht kann man dann den Sterlet sogar wieder zum Angeln freigeben. Die Angler werden an dem seltsamen Fisch aus der Urzeit jedoch keine rechte Freude haben. "Ihr Fleisch ist ziemlich fettig", berichtet Anja Nastoll.


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