Von Bürgerreporter/in Petra Scharf  |  31.10.2011  | Netzcode: 3023281  |  187 Mal gelesen.Beitrag einer OWZ-Bürgerreporter/in
Amberg

Medikamente bei Magen-Darmproblemen: Rezeptfrei heißt nicht harmlos!

Telefonaktion mit Experten am 2. November 2011

Bild zu Medikamente bei Magen-Darmproblemen: Rezeptfrei heißt nicht harmlos!
Chefarzt Prof. Dr. Volker Groß.
Etwa 20 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben mit chronischen oder immer wiederkehrenden Verdauungsbeschwerden, wie Sodbrennen oder saurem Aufstoßen zu kämpfen. Viele behandeln solche „kleineren“ gesundheitlichen Probleme mit frei in der Apotheke erhältlichen Medikamenten. Betroffene sollten allerdings bei Sodbrennen, Durchfall, Verstopfung, Schmerz oder Völlegefühl vorsichtig sein. Wenn die Beschwerden trotz der Selbstmedikation über einen längeren Zeitraum anhalten oder immer wiederkehren, sollte dringendst ein Arzt konsultiert werden.

Auf die Problematik der Selbstmedikation unter dem Motto: „Der informierte Patient: Hilfe zur Selbsthilfe bei Verdauungskrankheiten“ will die Gastro-Liga am 5.11.2011 mit einem bundesweiten Aktionstag aufmerksam machen. Ziel ist es die Bevölkerung darüber aufzuklären, bei welchen gastroenterologischen Beschwerden eine Selbsthilfe möglich und sinnvoll ist und welche Therapiemöglichkeiten die moderne Medizin anbietet, wenn eine Selbstmedikation nicht angezeigt ist.

Bei der Selbstmedikation von Magen-Darm-Problemen muss man die Möglichkeiten und Grenzen gut kennen: Denn die selbst gestellte Diagnose kann falsch sein. So kann die Ursache für häufigen Durchfall in einer Darmschleimhauterkrankung liegen und nicht daran, dass man etwas Falsches oder Verdorbenes gegessen hat. „Für diesen Fall können freiverkäufliche Medikamente nicht nur nicht helfen, sie können sogar dazu führen, dass die Erkrankung verschleppt wird und schlimmstenfalls, dass ein Darmkrebs nicht diagnostiziert wird, was besonders tragisch ist, da die Heilungschancen um so besser stehen, je früher der Krebs entdeckt wird,“ so Prof. Dr. Volker Groß, Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Klinikum St. Marien Amberg.

Auch Sodbrennen und saures Aufstoßen, die zu den häufigsten Symptomen im Zusammenhang mit dem Verdauungstrakt gehören, können unter Umständen auf eine gefährlichere Erkrankung hindeuten. Darüber hinaus kann eine bloße Beschränkung auf die Symptome auch dazu führen, dass, ungesunde und schädliche Verhaltensweisen nicht abgelegt werden. Werden Verstopfungen bspw. immer wieder mit Abführmitteln bekämpft, sind die Ursachen noch lange nicht beseitigt: eine unausgewogene, ballaststoffarme und fette Ernährung, sowie zu wenig Bewegung.

Prof. Groß betont in diesem Zusammenhang, dass „Hilfe zur Selbsthilfe“ sinnvoll ist, wenn leichte und vorübergehende Befindlichkeitsstörungen vorliegen. Kurzfristig sei die Einnahme der meisten Präparate unbedenklich. Eine langfristige Eigenmedikation sei dagegen riskant. Besonders ältere Menschen, Schwangere, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen sollten besonders vorsichtig sein. In jedem Fall sei der Gang zum Arzt immer dann angebracht, wenn Beschwerden auch bei Selbstmedikation über einen längeren Zeitraum anhalten, immer wieder kehren oder die Lebensqualität nachhaltig negativ beeinflussen.

Um über die Grenzen und Möglichkeiten der Selbstmedikation bei Beschwerden des Verdauungstraktes sowie die Möglichkeiten der modernen Medizin zu informieren, findet am 2.11.2011 zwischen 18 und 19 Uhr in Zusammenarbeit mit der Amberger Zeitung eine Telefonaktion statt.

Hier werden die Experten Prof. Dr. Volker Groß, Chefarzt der Medizinischen Klinik II, Frau Dr. G. Birkofer, Chefärztin St.-Anna-Krankenhaus Sulzbach-Rosenberg und Dr. M. Köllinger, niedergelassener Gastroenterologe Amberg alle Ihre Fragen rund um Themen wie Sodbrennen, Oberbauchbeschwerden, Gallenbeschwerden, Reizdarm, chronisch entzündliche Darmerkrankungen sowie Divertikulose und Divertikulitis beantworten. Die freigeschalteten Telefonnummern sind: 09621/306201, 09621/306210 und 09621/306212.

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