Von Bürgerreporter/in Maja Berendes  |  14.10.2011  | Netzcode: 3002615  |  142 Mal gelesen.Beitrag einer OWZ-Bürgerreporter/in
Amberg

Neue Strategien des Rechtsradikalismus

Vortrag beim Evangelischen Bildungswerk

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Dr. Peter Lehner, Mitbegründer der Plattform gegen Rassismus und Menschenverachtung.
Mit den Perspektiven eines demokratischen Widerstandes gegen den organisierten Rechtsradikalismus befasste sich ein Vortragsabend des Evangelischen Bildungswerkes. Der Moderator des Abends Dr. Reinhard Böttcher begründete eingangs, warum gerade dieses Thema keine Randfrage der christlichen Erwachsenenbildung sei, sondern den Kern der biblischen Botschaft treffe. Ausgehend vom christlichen Menschenbild sei es Aufgabe eines jeden, sich für die Unversehrtheit des Lebens und die Würde aller Menschen einzusetzen, das heißt Vorurteile, Feindbilder und Gewalt gegen andere zu bekämpfen.

Dass in der Oberpfalz in der rechten Szene die Zahl der Aktiven und deren Aktivitäten zunehme, davon wusste Stefan Dietl, Bezirksvorsitzender der Verdi-Jugend zu berichten. Es gebe im Bezirk eine enge Zusammenarbeit zwischen der NPD und den sogenannten „freien Kräften“, die nahezu in jedem größeren Ort der Oberpfalz vertreten seien. Sehr oft würden diese, um Anhänger zu finden, aktuelle kommunalpolitische Themen mit ihrer Ideologie verknüpfen. Soziale Themen, Arbeitnehmerfragen und Umweltprobleme dienen ihnen dazu, Vorurteile zu verstärken und rechtes Gedankengut zu verbreiten. So hetzt man zum Beispiel gegen die Bundeswehr, weil diese angeblich für fremde Interessen, für die USA und für Israel kämpfe. Themen und Verhalten der Neonazis lassen eine große Nähe zum historischen Nationalsozialismus erkennen. Zielgruppe vieler Aktivitäten sind vor allem Schüler und junge Erwachsene.

Dr. Peter Lehner, Mitinitiator der Sulzbacher „Plattform gegen Rassismus und Menschenverachtung“ berichtete anschließend über seine persönlichen Erfahrungen im Umgang mit den Neonazis und erläuterte seine Überlegungen, wie man der Gefahr von Rechts angemessen begegnen könne. Notwendig sei eine vorbeugende Vernetzung aller demokratischen Personen und Gruppen sowie die ständige Information über die Aktivitäten der Rechtsradikalen. Politische Gegenaktionen haben nur dann eine nachhaltige Wirkung, wenn die lokalen Medien darüber berichten und somit permanent Öffentlichkeit hergestellt wird. Dadurch erst entstehe ein Klima, in dem sich Werte wie Toleranz, Völkerverständigung und Demokratie verankern. Ein breites Bündnis gegen Rechts setzt voraus, dass angesehene Bürger, Kommunalpolitiker und Vertreter der Kirchen in vorderster Reihe mitmachen.

Wo, wie in Sulzbach, eine lebendige, alternative Jugendkultur ohne Parteibindung ermöglicht wird, kann man auch die Jugend für den gewaltfreien Widerstand gewinnen. Der Zusammenhalt der Demokraten werde aber aufs Spiel gesetzt, wenn man mögliche Partner als „linksextrem“ an den Rand abschiebt. Vorurteile und menschenverachtende Einstellungen kommen nicht vom Rand der Gesellschaft, sondern aus deren Mitte. Die Verharmlosung rechter Ideen untergräbt jede demokratische Gegenaktion. Voraussetzung für den demokratischen Widerstand ist allerdings strikte Gewaltlosigkeit.


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