Feindbilder
Man darf ja niemandem trauen, am wenigsten aber sich selber. Es fing ja alles ganz harmlos an. Bei der Heimfahrt aus meinem geschwindigkeitsbeschränkten Auslandsurlaub fuhr ich 900 Kilometer mit einer Diesel-Tankfüllung, was mich zu weiteren Höchstleistungen anspornte.Seither ertappe ich mich dabei, mit 120, 130 auf der Autobahn den Verkehr aufzuhalten, immer den Bordcomputer im Blick. Schaffe ich nicht doch eine "5" vor dem Komma? Und ich ärgere mich über die bösen Raser, die jetzt auf einmal so urplötzlich im Rückspiegel auftauchen und meinen Rekordversuch versauen.
Dabei habe ich selber noch vor ein paar Wochen mit 160, 180 Sachen die linke Spur frei geräumt und mich über diese Schleicher geärgert, die da so mit 120, 130 dahin trödeln. So ist der Mensch: So wie man selber ist, so müssen auch alle anderen sein. Wer anders ist, ist böse. Ich fahre jetzt mal 130, mal 160, und auch wieder gerne mal 200, wenn alles frei ist.
Pfeif auf die Verbrauchsanzeige. Und ich reg mich über nichts mehr auf. Denn da fährt kein Feind über die Autobahn. Es ist ein Feindbild, und es sitzt im Kopf.
Ihr Harald Mohr
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