Auf die Verspätung ist Verlass
Die Älteren werden sich noch erinnern: Früher brauchte man an einem Bahnhof nur ganz bequem über das Gleis auf den Mittelbahnsteig gehen. Es gab nämlich eine sogenannte Bahnsteigsperre, die von einem sogenannten Aufsichtsbeamten aufgesperrt wurde, so dass man ganz sicher über das Gleis gehen konnte.Aufsichtsbeamte gibt es bei der Bahn schon lange nicht mehr. Deshalb muss man heute ganz um den Bahnhof rum gehen, unter einer Unterführung durchkraxeln und drüben wieder hoch. Damit da auch Rollstuhlfahrer drüber können, hat man lange Auf- und Abfahrtsrampen gebaut, wo der Behinderte mal beweisen kann, dass er ordentlich Kraft in den Armen hat.
Immerhin haben sie alte Bahn-Tugenden noch nicht abgeschafft: die Verspätung zum Beispiel. Sollte sich der Rollstuhlfahrer auf seiner mühevollen Tour über die beiden Rampen etwas verspäten, kein Problem: Der Zug kommt eh ein paar Minuten später, so wie früher. Ganz sicher.
Ihr Harald Mohr
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