Sprachlicher Super-GAU!
Lange habe ich überlegt, ob man das Thema "25 Jahre Tschernobyl" an dieser Stelle satirisch aufarbeiten könnte. Schließlich sollte man so einen Super-GAU nicht...Halt, jetzt hab ich ein Thema! Manche Medien gehen auch nach 25 Jahren noch recht sorglos mit den drei Buchstaben um, wie Japan gezeigt hat. Sie stehen ja für "Größter Anzunehmender Unfall", was bedeutet, dass man bei der Auslegung des Kraftwerks so tut, als würde der GAU mit der Wahrscheinlichkeit 1, also 100-prozentig, eintreten. Ein GAU, meist der Bruch der Hauptkühlleitung, ist also ein Auslegungs-Störfall und wird durch entsprechende Einrichtungen wie Notkühlsysteme abgefangen.
Sowohl in Tschernobyl als auch in Fukushima hatten wir es aber mit Unglücksfällen zu tun, für die die Kraftwerke eben gerade nicht ausgelegt waren. Dafür haben Journalisten das sprachliche Konstrukt "Super-GAU" erfinden müssen, denn für den Techniker gibt es ja nur den GAU.
Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen von den überregionalen Medien: Wenn wir schon das Wort erfunden haben, sollten wir es auch richtig anwenden. Wer bei Tschernobyl vom GAU schreibt, begeht einen sprachlichen Super-GAU!
Ihr Harald Mohr
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