Von Bürgerreporter/in Hans-Dieter Gerhartz  |  28.02.2011  | Netzcode: 2701731  |  277 Mal gelesen.Beitrag einer OWZ-Bürgerreporter/in
Oberbibrach

Der Zorn der Wölfe

Ein Roman von Jiang Rong

Bild zu Buchbesprechung
Es gibt sie noch, die Romane, die eine Story erzählen, die einen von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann schlagen. Aber nicht nur die Story an sich ist interessant, auch die Entstehung des Buches, und der sensationelle Erfolg würde sogar einen eigenen Roman rechtfertigen.

Der Zorn der Wölfe ist so ein Buch. Vom chinesischen Dissidenten Jiang Rong geschrieben, wurde das Buch in kürzester Zeit zum Bestseller. Bei geschätzten 23 Millionen verkauften offiziellen Exemplaren, wurde nur die Mao-Bibel von mehr Chinesen gelesen. Die unterschwellig eingepackte Kritik am Modernisierungswahn und der Umweltzerstörung treffen den Nerv der Zeit und sind auch für den westlichen Leser interessant und spannend.

Als junger Rotgardist verließ Jiang Rong 1967 die Hauptstadt in Richtung Innere Mongolei.
Er lebte als Schafhirte auf der Hochebene und war von Beginn an fasziniert von Land und Leuten, Sitten und Gebräuchen, der urtümlichen Natur, insbesondere dem seltsamen Gleichgewicht zwischen Nomaden, Schafen und Wölfen. Allgegenwärtig das mongolische Totemtier, der Wolf.

In Bilgee findet Rong einen geduldigen Lehrmeister und im Laufe der Zeit versteht er so langsam die Geheimnisse der Natur. Um aber immer noch mehr zu erfahren, zieht er einen jungen Wolfswelpen groß – für die Einheimischen ein absoluter Tabubruch – der ihm fast die Freundschaft zu seinen Förderern kostet.

Das atemberaubende Panorama einer Landschaft und einer Kultur, das hierzulande kaum einer kennt, hat einen großen Roman entstehen lassen. Doch das Grasland verändert sich, nachdem immer mehr Han-Chinesen dort hinziehen und dort siedeln.

Ein überaus interessantes Buch, für kurzweilige Leseabende. Vielleicht kommt noch mehr aus dem Reich der Mitte.


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