Reißverschluss für d'Innenstodt
"Döi krempeln unsre ganze Innenstodt um", schimpfte der Hans und legte den "Neia Toch" zur Seite. "Des stimmt", meinte auch der Luck, der die Auffassung vertrat, dass sich beim Dänner-Eck endlich was tun muss. "Ober, dass etzat a des Vereinshaus oreissen wolln, des find i wirklich niat guat. Bloß, weil's dann wohrscheinle a poar Porkplätz' mehr homm. Des göiht mir z'weit", ärgerte er sich. "Des woar scho immer a kultureller Mittelpunkt, wöi's nu koi Mehrzweckhall' oder Max-Reger-Hall' gem houd", erinnerte sich der "roude Kare", der in den 50er und 60er Jahren keinen Ball ausließ. Der Rudl hatte Verständnis, machte aber auch darauf aufmerksam, dass der Investor darauf keine Rücksicht nehmen könne. "Irgendwou möins doch afanga und bestimmt machen döi glei Negel mit Kepf und koi kloine Lösungen!" Der Wirt scherzte wieder einmal und schlug vor, das Evangelische Vereinshaus vorher unter Denkmalschutz zu stellen, weil der "roude Kare" dort seine jugendliche Sturm- und Drangzeit erlebt hat. "Der aber winkte nur ab. "Dann hätten's a die Arosa-Alm schützen möin. Döi woar doch Dei zwoate Hoamat, oder niat?" "Etzat hert's amal wieder af, mit eirer Jugend. Döi is vorbei. Der neia Innenstodt g'hert d'Zukunft", schritt der Rudl ein. "Ich bin bloß g'spannt, obs den Hertie a oreissen. Dann kannt des neie Dänner-Eck mitsamt der Mohrenapothech scho wos Schöins wern, wenn dann bloß nu des Dostler-Haus dazoukommt, a pfundige Sach", brummte der Sepp. Er verstand aber nicht, warum dann noch die Volkshochschule abgerissen und eingebunden werden soll. Und vor allem das Evangelische Vereinshaus. "Ich glab, unserm OB, dem Seggewiß-Kurt, wars löiber, wenn des Josefshaus dem Erdboden gleichg'macht werat", stichelte der Toni wieder. "Af jeden Fall göiht etzat wos vorwärts mit unserm Schandfleck. Wenn'sa döi portugiesische Firma nu mit den Besitzern rundherum einig wird, dann kann's doch scho im Fröihjohr lousgöih und in zwoa Johr homma a schöine Innenstodt", meinte der Rudl. Aber der Schorsch, der bislang schwieg und wieder einmal einer Niederlage seiner Spülvereinigung nachtrauerte, schaltete sich ein: "Hoffentlich baun's dann niat wieder bloß Bürozentren für Anwält', Arztpraxen, Schouhgschäftln oder Handy-Ladl. Wos ma für die Leit, vor allem die älteren Bürger, in der Innenstodt brauchen, san Lebensmittelgschäfte, woust nu Butter und Brot, Brathering oder wos Söiß kröigst und vielleicht nu a Ladl mit Kurzwaren, denn wou kröing unsere Frauen heitzutoch in der Stodt drin nu an Reissverschluss oder a Nähgorn?" (kf)Kommentare
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