Bärnau
Die Zeitreise hat schon begonnen
Selbst mitbauen am Geschichtspark in Bärnau
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| Benjamin Zeitler (von links), Initiator Alfred Wolf und Stefan Wolters vor dem ersten Flechtzaun. Bild: Harald Mohr |
Denn das gehört zum neuartigen Konzept: Das Leben im Mittelalter lebendig darzustellen. Die Bauarbeiten sind schon ein Teil dieses Lebens. „Der Bau und die spätere Benutzung werden wissenschaftlich dokumentiert“, erklärt Stefan Wolters. Schon bei der Planung mit den jungen Architekten Katrin Roider und Georg Sollfrank aus Bärnau kam Bewegung in die Mittelalter-Forschung: Schließlich genügte es nicht, ein Fantasiehaus zu zeichnen, sondern der zweidimensionale Bodenbefund eines tatsächlichen Langhauses musste in die Realität umgesetzt werden. Archäologie und Architektur befruchteten sich dabei gegenseitig.
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| Familie Brandauer aus München, hier mit Stefan Wolters, hat schon am Lehmofen mitgebaut. Bild: privat |
In diesen Tagen beginnt man damit, die ersten drei Häuser aufzubauen. Auf dem Gelände wird eine Zeitreise stattfinden: Alles soll so werden wir früher. Sogar eine Hochspannungsleitung, die quer über das Gelände zog, hat man eigens unter die Erde verlegt. Es gibt keine Kompromisse wie etwa versteckte neuzeitliche High-Tech-Baustoffe. Die gab es nämlich schon damals. Den Saft des Färber-Waids nutzte man als brandhemmende Beschichtung, das Dach isolierte man mit wasserdichter Birkenrinde als Teerpappe-Ersatz.
All das wird beim Bau nachgemacht und auf seine Tauglichkeit getestet. So will man die bisher meist nur theoretischen Erkenntnisse in der Praxis belegen oder auch widerlegen. Auch die Studenten der Archäologie der Uni Bamberg freuen sich schon: „Sie können bei uns ihren Schein in experimenteller Archäologie machen“, kündigt Stefan Wolters an.
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| Das Gelände ist geformt, der Teich angestaut und die Wege gebaut: Dieser Tage beginnt der Hochbau. Bild: Harald Mohr |
Ein sechsköpfiger wissenschaftlicher Beirat wird zweimal im Jahr den Fortgang des Projektes begutachten. Dazu gehören die renommiertesten Archäologen Bayerns, wie Privatdozent Dr. Hans Losert von der Universität Bamberg, sowie hochrangige staatliche Denkmalpfleger wie Dr. Silvia Codreanu-Windauer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege oder Dr. Michael Henker, Direktor der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern.
Man wird aber dafür sorgen, dass nicht vor lauter Wissenschaft die Attraktivität für den Besucher leidet, der einfach nur mal durchs Gelände bummeln will. „Der Besucher kann die Tiefe der wissenschaftlichen Durchdringung selbst bestimmen“, versichert Stefan Wolters. Zuerst betritt man das einem Dreiseithof nachempfundene Funktionsgebäude mit den Büros, einem Museum und dem Museumswirtshaus. In diesem Bereich können auch Veranstaltungen stattfinden, bei denen es nicht so sehr auf Authentizität ankommt.
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| Noch sieht man nicht viel, aber auf den markierten Flächen werden in Kürze die ersten Häuser entstehen. Bild: Harald Mohr |
Ein Palisadenzaun wird auch optisch die Grenze zwischen künstlerischer Freiheit und Wissenschaft bilden. „Stefan Wolters ist unser Sittenwächter“, lacht Projektbetreuer Benjamin Zeitler. Die Besucher bekommen an der Kasse Infomaterial, die berühmt-berüchtigten Infotafeln wird es im Kernbereich genauso wenig geben wie mit Eis-Reklame verzierte Papierkörbe, elektrisches Licht oder Wasserhähne. Nur noch die vorgeschriebenen Feuerlöscher werden aus unserer Zeit stammen, obwohl man im Mittelalter schon seine eigene intelligente Methode im Umgang mit Feuer hatte: „Man zog mit Stangen das brennende Stroh von den Dächern und ließ es einfach ausbrennen“, erklärt Stefan Wolters.





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