Tirschenreuth
Die großen Zeiten des Bahnhofs
Ausstellung des Historischen Arbeitskreises in Tirschenreuth
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| Einen ganzen Bauzug bestehend aus Walze, Bauwagen, Wasserfass und Pumpe lieferte Hamm an den Bezirk Regensburg. Bild: Harald Mohr |
Das Bahnhofsgebäude, die Güterhalle und das Lagerhaus der noch von der privaten Ostbahn eröffneten ersten „Vicinalbahn“ in ganz Ostbayern nebst allen Gleisanlagen ist aber schon zu sehen. Außen herum zeigt man die Geschichte der Industrie, die sich um die Bahnanlagen herum angesiedelt hat. Auf einem Luftbild fallen sofort die vielen Güterwagen auf, die auf den zahlreichen Gleisen stehen, ein ungewohntes Bild. In der Tat war die Eisenbahn jahrzehntelang die einzige Möglichkeit zum Warenaustausch für die entstehende Industrie. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen Lastwagen diese Funktion.
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| Der inzwischen abgerissene Bahnhof Tirschenreuth im Modell. Bild: Harald Mohr |
Die Nähe zum Bahnhof suchte nach der Eröffnung der Strecke am 10. November 1872 als erste die Firma Hamm, die im Jahr 1878 ihre neue Fabrik, die damals noch landwirtschaftliche Maschinen herstellte, gleich gegenüber errichtete. Im Jahr 1911 begann Hamm mit der Produktion von Straßenwalzen, als das Königlich-Bayerische Bezirksamt eine solche benötigte.
Schon seit 1838 produzierte die Porzellanfabrik Tirschenreuth. Auch sie hatte jetzt nicht weit zum Bahnhof und nutzte das auch, um ein seit langem buchstäblich schwelendes Problem zu lösen: Zum Brennen des Porzellans verbrauchte die Fabrik Unmengen an Holz, was das knappe Bau- und Heizmaterial weiter verteuerte und entsprechend für Ärger sorgte. Jetzt konnte man sich mit der Bahn Braunkohle aus Böhmen kommen lassen.
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| Noch aus dem Gründungsjahr 1892 stammt dieser Teil der Tuchfabrik Mehler. Bild: Harald Mohr |
Auch die Landwirtschaft profitierte von der Eisenbahn. Vieh wurde bislang über große Entfernungen zu den Märkten getrieben. Jetzt konnte man es verladen, wozu es eigene Viehwaggons gab. Auch für die Vermarktung von Getreide ergaben sich neue Möglichkeiten. Im Jahr 1899 schlossen sich die Bauern zu einer Genossenschaft zusammen und bauten das „Stiftland-Lagerhaus“ gleich neben den Gleisen. Getreide konnte hier gesammelt, gelagert und dann gemeinsam per Bahntransport verkauft werden.
Im Jahr 1892 eröffnete die schon im Jahr 1644 gegründete Firma Mehler ihre neue „dampfbetriebene Tuchfabrik“ neben der Hamm-Fabrik. Die Umstellung auf industrielle Arbeitsweise brachte einen entsprechenden Warenumsatz mit sich, der nur durch die Bahn abgewickelt werden konnte. Aber auch die Dampfmaschinen verschlangen große Mengen Kohle, die ebenfalls mit der Bahn kam. Die im Jahr 1892 gebaute Spiegelglasfabrik, mehrere Sägewerke und keramische Betriebe nutzten ebenfalls die Bahn.
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| Die alte Spiegelglasfabrik gibt sich heute noch durch ihre markanten Giebel und den Straßennamen "An der Glashütte" zu erkennen. Bild: Harald Mohr |
Im Jahr 1897 verzeichnete die Bahn mit 64 282 Tonnen das beste Güteraufkommen, das später nie wieder erreicht wurde. Im Personenverkehr nutzten in diesem Rekordjahr 45 706 Personen die Bahn, die einen Überschuss von 42 405 Mark erzielte. Das war etwa ein Zehntel der gesamten Investitionskosten für die Strecke. In den folgenden Jahrzehnten ging es nur noch bergab. Am 22. September 1989 verließ der letzte Schienenbus den Bahnhof Tirschenreuth. Zum 1. Januar 2000 wurde auch der verbliebene Güterverkehr eingestellt.
Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 19. September, zu sehen.





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