Weiden
Die Rattenfänger von Weiden
Ein Nagetier auf drei Einwohner - Gift unwiderstehlich
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| Tödliche Leckerei: Rattenköder mit Vanilleduft. Bild: Harald Mohr |
Etwa 130 Schächte am Tag schafft jeder, macht geschätzt etwa 2000 Kanaldeckel, das ist jeder zweite Schacht. „Ein Köder reicht für 10 bis 15 Ratten“, erklärt Klaus Schell. Rechnerisch sollte das also reichen, um einen Großteil der Weidener Ratten zu töten.
Die Köder werden aber nicht alle auf einmal aufgefressen. „Sie halten etwa ein dreiviertel Jahr.“ Und in dieser Zeit sind schon wieder viele Ratten neu geboren worden. „Nach einem Vierteljahr kriegen sie selber Junge.“ Und von dieser Möglichkeit machen die Nager zeitlebens eifrig Gebrauch. Alle acht Wochen wirft ein Weibchen. „Je nach Nahrungsangebot zwischen zwei und elf Junge“, sagt Klaus Schell und malt mit dem Finger eine Linie von unten nach steil oben in die Luft: „Die Kurve geht so.“ Exponentielle Vermehrung, nur begrenzt durch Fressfeinde (gibt es nicht mehr) und Nahrungsangebot (im Kanal reichlich vorhanden).
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| Klaus Schell und seine beiden Kollegen arbeiten sich systematisch durch alle Weidener Straßen. Bild: Harald Mohr |
Es geht also nicht um eine Ausrottung der Ratten, sondern darum, die Population relativ klein zu halten. „Wenn nicht bekämpft wird, gibt es in einer Stadt etwa so viele Ratten wie Einwohner“, weiß Klaus Schell. Und da kann es dann schon mal vorkommen, dass eine hungrige Ratte auf der Nahrungssuche den Weg ins heimische Klo findet. „Die Höhe spielt keine Rolle, sie klettern auch mehrere Stockwerke hoch.“ Auch in Weiden sollte man aber keine Nahrungsreste durchs Klo spülen. „Dann können Sie Besuch kriegen.“ Die neugierige Ratte versucht dann nämlich, dem Ausgangsort der Nahrung auf die Spur zu kommen.
Das Rattengift wirkt auf sie unwiderstehlich. „Da ist Vanilleduft dran“, erklärt Klaus Schell. So schlau Ratten auch sind, die Gefahr, die von den Ködern ausgeht, haben sie noch nicht durchschaut. Das hängt mit der verzögerten Wirkung zusammen. Wenn das Gift Brodifacoum wirkt, erkennen die Artgenossen der sterbenden Ratte keinen Zusammenhang mehr mit der Aufnahme des auffällig rosa gefärbten Köders.
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| In jeden zweiten Kanalschacht wird ein Köder gehängt. Bild: Harald Mohr |
Doch er ist absolut tödlich. Die tödliche Dosis für Ratten liegt bei nur 0,3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Damit handelt es sich um das effizienteste verfügbare Rattengift und ist weit verbreitet im Einsatz. Das Gift ist für andere Säugetiere und Vögel ähnlich giftig, also auch für den Menschen. Eine Gefahr bestehe aber nicht, so Klaus Schell. „Das Gift bleibt im geschlossenen Weidener Kanalsystem.“ Und die Köder hängen in mehreren Metern Tiefe unmittelbar über dem Grund des Kanals.
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| Tief unten im Kanal ist die Welt der 15 000 Weidener Stadtratten. Bild: Harald Mohr |
Erst nach vier bis fünf Tagen hat das Gift zum innerlichen Verbluten der Ratte geführt. Es legt die Blutgerinnung der Ratte lahm, so dass durch kleinste innere Verletzungen, die normalerweise ständig repariert werden, ein immer größerer Blutverlust eintritt. Trotzdem soll das Tier keine Schmerzen spüren, versichert Klaus Schell. Der Flüssigkeitsverlust mache das Tier einfach immer müder. „Es frisst nichts mehr, der Blutdruck sackt schließlich ab, und die Ratte schläft ein.“





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